Die Kunst in mir - Page 5

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ein Gespräch über seinen Eignungstest führen und erleben wird.
»Dann bin ich beruhigt … Sie sollten wissen, dass ich solche Sachen nie getan habe. Meine Reinigungsfirma habe ich erst vor ein paar Monaten gegründet.«
Redete leicht verklemmt die männliche Stimmme.
»Ich verstehe … Sie können beruhigt sein. Hier können wir ungestört das Geschäftliche besprechen. – Also, wie viele Menschen brauchen Sie?«
Fragte geschäftlich und formell Frau Kiefereisen.
»Momentan brauche ich ein oder vielleicht auch zwei Stück. – Die Aufträge kommen an und die ersten Autobahnraststätte ist für meine Firma auf fünf Jahre reserviert.«
Antwortete ein Mann, der beim Reden leicht besorgt klingt.
»Für eine Zusammenarbeit muss ich von Ihnen genau wissen, wie viele Menschen Sie brauchen? – Mit ein oder zwei Personen kann ich leider nichts anfangen.«
Formulierte doch so freundlich Frau Kiefereisen ihre Frage.
»Einer! Ein Mensch wird für 30 Autobahnraststätten ausreichen. – Können Sie mir sagen, wie teuer es für mich werden wird?«
Erkundigte sich leicht nervös der Herr.
»Das kann ich! – Dafür muss ich von Ihnen wissen, ob es ein Mann oder eine Frau sein soll? Welche Staatsangehörigkeit und Aufenthaltserlaubnis soll der Mensch für Sie mitbringen?«
Vergewisserte sich gutgesinnt die Frau.
»Oh! – Ich würde einen deutschen Knaben bevorzugen. Vielleicht wird ihm die Arbeit gefallen und er wird mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag lange für mich arbeiten.«
Beschrieb der Herr seine Vorstellungen.
»Hahaha! – Das glaube ich weniger! Sonst wären Sie nicht hier und hätten mit mir nie dieses Gespräch geführt.«
Lachte die Dame beim Reden.
»Ja, mag sein! – Wer putzt schon gerne Toiletten auf Autobahnraststätten?«
Meinte lachend der Herr.
»Und machen Sie es gerne?«
Erkundigte sich die Dame.
»Nein, ich nicht! – Als Geschäftsführer habe ich solche Aufgaben nicht. Die Reinigungsfirma gehörte meinem Vater, der mir diese Lebensaufgabe durch seinen Tod überlassen hat.«
Schilderte gutmütig der Herr, und bevor er seine eigene Lebensgeschichte der Dame anvertrauen kann, wird Frau Kiefereisen erneut geschäftlich.
»Ihre Lebensgeschichte können Sie mir ein anderes Mal erzählen. Ich muss noch viele Eignungstests auswerten und daraus für Sie den passenden Menschen finden. – Also, für einen jungen Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit möchte ich von Ihnen 15.000 Euro haben. Der Knabe wird auch gleich nach einer Woche für Sie antreten und Ihre Autobahnraststätte putzen. – Und glauben Sie mir, durch meine Beratung wird jeder Mensch Ihre unbeliebte Arbeitsstelle annehmen. Sie sind bei mir in sehr guten Händen!«
Schlug die Dame wohlwollend vor.
»Das klingt fair. – Können Sie mir noch sagen, wie jetzt alles ablaufen wird?«
Fragte ein gewisser Herr Weber, der eine Reinigungsfirma führt, die womöglich nur Autobahnraststätten bewirtschaftet.
»Ich bekomme gleich von Ihnen 5.000 Euro auf die Hand. Danach werde ich mir einen jungen Mann aussuchen und ihn zu Ihrer Arbeitsstelle überreden. Wenn der zukünftige Arbeitskollege Ihre Arbeitsstelle eingetreten hat, bekomme ich von Ihnen die restliche Geldsumme.«
Erzählte Frau Kiefereisen.
»Gut, ich bin damit einverstanden! – Hier sind genau die 5.000 Euro.«
Sprach der Herr und übergibt der Dame einen dicken und fettleibigen Briefumschlag.
»Ist die Geldsumme wirklich korrekt? – Muss ich das Geld nachzählen?«
Befragte Frau Kiefereisen den Herrn Weber.
»Nein, das wird nicht notwendig sein. – Ich habe mich gründlich darüber informiert. Es ist mir bewusst, dass es geheim ist, doch mein verstorbener Vater hatte mir dieses Geheimnis noch vor seinem Abgang anvertraut.«
Redete vertraulich Herr Weber, und Robert Grimm hofft beim Lauschen insgeheim, dass der Herr ein verdeckter Polizeiermittler sei.
»Das freut mich! – Ob ich Ihren verstorbenen Vater kannte?«
Dachte Frau Kiefereisen nach.
»Vielleicht …«
Reagierte Herr Weber darauf.
»Also, Herr Weber! – Haben Sie noch Fragen? Haben Sie alles verstanden?«
Sagte die Dame, die genau wie Herr Weber darüber in unkenntnis bleibt, dass Robert Grimm ihre geheime und verdeckte Unterhaltung zufällig mitgehört hat.
»Nein, ich habe keine Fragen.«
Äußerte sich Herr Weber.
»Gut, das freut mich! – Ich melde mich bei Ihnen, wenn Ihnen Ihr zukünftiger Mitarbeiter für Ihre Arbeitsstelle zur Verfügung stehen wird.«
Schilderte entgegenkommend Frau Kiefereisen, die zusammen mit Herrn Weber ihre Unterhaltung und Besprechung beendet; eilends verlassen sie die Behindertentoilette gemeinsam. Verlässlich auf Stillschweigen und Diskretion blieb Robert Grimm auf der Kloschüssel unbemerkbar sitzen, und unbemerkbar bliebt das Gespräch der Vertraulichkeit überlassen, die übereilig und sicherlich eine Weitererzählung benötigt. Doch bevor das Verpfeifen überhaupt in Erwägung gezogen werden kann, muss Robert seinen Körper vordringlich und dringend entleeren, und sich die Hoffnungen bunt ausmalen, dass er nicht die Toiletten auf Autobahnraststätten abbürsten soll. Abgeseilt hat nun Robert seine vier Mahlzeiten, die er seit zwei Tagen und zwei Nächten in sich getragen hat, und auftragend von der Kloschüssel geschieht die alltägliche Gegebenheit, die gegenwärtig besagt, dass kein Toilettenpapier vorhanden ist. Vorsichtshalber steht Robert auf und sieht sich aufmunternd um, um eine nützliche Entdeckung zu entdecken, die aufdeckend die körperliche Hygiene abschließen kann. Doch die anschließende Suche nach Toilettenpapier oder Ähnlichem bringt keinen Erfolg, und darstellend erscheint noch eine weitere Möglichkeit weilend, die in Roberts Hosentasche verweilt: Ein Lebenslauf, den Robert beiläufig und nebensächlich zum Termin mitgeschleppt hat, kann seine Dienste selbstverständlich und ohne Frage erweisen. Allerdings bleibt der Lebenslauf für eine förderliche und produktive Verwendung in Roberts Hosentasche liegen, und somit spült Robert seine produktive Mahlzeiten ab; zieht seine „Kik“-Hose hoch und verlässt die Behindertentoilette. Der Hausflur im Jobcenter scheint geist- und seelenlos zu sein, und das bloße Herumtrödeln wird die Zeit noch totschlagen, die noch trödelnd das Gespräch mit Frau Kiefereisen sucht. Somit geht Robert erwartungsvoll durch den Flur, der flüchtig und ungehalten eine Person auf die Flucht bringt.
»Herr Grimm! – Wo waren Sie?«
Rief die reiche und missfallende Jobcenter-Dame, die beim Eignungstest zugegen gewesen war.
»Ich war auf der Toilette!«
Rief Robert ebenfalls, der leicht gekränkt und beladen aussieht.
»Auf der Toilette? – Frau Kiefereisen wartet auf Sie, Herr Grimm! Sie hat Ihren Eignungstest ausgewertet und möchte mit Ihnen Ihre berufliche Zukunft besprechen!«
Sprach zweckmäßig die Jobcenter-Dame.
»Darüber möchte ich Ihnen etwas sagen … Als ich auf der Toilette war, habe ich mitgehört, wie …«
Erzählte Robert, der noch beim Reden von der Dame unterbrochen wird.
»Das interessiert mich nicht! – Frau Kiefereisen ist für Sie zuständig, und nicht ich. Sie wartet in Zimmer 311 auf Sie.«
Betonte die Dame, die mit dem Finger auf das erwähnte Zimmer zeigt.
»Und das Anklopfen nicht vergessen!«
Fügt die Dame rasch

Lektor: Axel C. Englert

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