Die Kunst in mir - Page 7

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bekomme ich.«
Antwortete Robert.
»Das freut mich. – Wohnen Sie alleine; haben Sie irgendwelche Wertgegenstände? Autos, Gold, Gemälde, Schmuck, Aktien?«
Erkundigte sich Frau Kiefereisen.
»Aktien und Gemälde? Nein … Ein ‚Ellie Goulding‘-Poster habe ich an der Wand hängen. – Was eine Aktie ist, kann ich nicht sagen.«
Erwiderte Robert die gestellte Frage, er kann stellenweise sehen, wie die Dame Roberts Kleidung nach dem Sachwert begutachtet.
»Und, Herr Grimm. – Wie soll es mit Ihnen weitergehen? Haben Sie über Ihre Zukunft nachgedacht und wovon Sie Steuern zahlen können?«
Sprach die Dame, die an der linken Hand auffallend und protzig eine „Datejust“-Rolex Uhr trägt.
»Wenn ich ehrlich bin, habe ich eine gute Idee entdeckt, die ich Ihnen gerne vorstellen würde: Es handelt sich um eine Internetseite, auf der sich ein arbeitsloser Mensch kostenlos anmelden und in seinem Profil angeben kann, welche Arbeit er gerne machen würde. Auch kann der Mensch auf der Internetseite seinen Lebenslauf hochladen. Ein Arbeitgeber, der sich bei der Seite anmeldet, kann die Profile der Menschen ansehen und hat Zugriff auf viele Daten. Dadurch kann der Arbeitgeber die Menschen anschreiben und ihnen eine Arbeit anbieten.«
Erzählte Robert seine umsichtige Idee, die er unter Nervosität und Reizbarkeit vermittelt hat, denn eine reichhaltige Vorstellung benötigt immer eine Bekräftigung, die sich freilich erst dann zu einer kräftigen Verwirklichung verwandeln kann, wenn ihre Verpflichtung eine Daseinsberechtigung einholen kann.
»Was? Ich verstehe Sie einfach nicht. – Was wollen Sie mit einer Internetseite machen?«
Stellte die Dame ihre Frage dreist und unverfroren vor.
»Den Menschen die Möglichkeit geben: Arbeit zu finden. Wenn der Arbeitgeber richtige Menschen sucht, kann er durch die Internetseite die Leute anschreiben, die er braucht. – Ich denke, das ist eine gute Idee.«
Offenbarte Robert bloßstellend seine Erleuchtung, die aus den Faktoren Arbeitslosenzeit und Gemeinnützigkeit entstand.
»Was? – Ich verstehe Sie überhaupt nicht! Sie wollen eine Zeitarbeitsfirma gründen, die uneingeschränkt per Internet funktioniert?«
Fragte empört die nette Dame.
»Nein, es ist nur eine Internetseite, die man aufbauen kann.«
Antwortete Robert, der seine Peinlichkeit zu offensichtlich durch seine Augen offenbart.
»Sie wollen sich doch nicht etwa selbstständig machen? Sie werden Steuern zahlen müssen! Sie müssen ein Gewerbe anmelden! Sie müssen Ihre Krankenversicherungs-Kosten selber tragen! Sie müssen Ihre ausgedachte Webseite programmieren können! Wie wollen Sie überhaupt Ihre Webseite finanzieren? – Sie können sich doch nicht damit selbstständig machen! Ihre Idee ist eine reiche Schwachsinnigkeit.«
Erzählte aufgebracht die Dame.
»Und Sie machen daraus eine griechische Tragödie.«
Berichtete Robert Grimm, der leicht grimmig wird.
»Wie bitte? – Was war das eben?«
Knirschte Frau Kiefereisen mit ihren Zähnen.
»Nichts.«
Sprach Robert, der das Gespräch von seiner Seite aus beendet hat.
»Gut … Wie ich sehe, sind Sie motiviert und wollen arbeiten. Dass das Jobcenter das Geld nur an Menschen auszahlt, die in die Berufstätigkeit umsteigen möchten, ist Ihnen sicherlich bekannt. – Daher habe ich ein überaus attraktives Jobangebot für Sie! Es gibt eine Reinigungsfirma namens ‚Die ewige Klobürste‘, und ich könnte ohne Umstände dort für Sie einen Arbeitsplatz arrangieren.«
Schlug die Dame vor, und schlagartig erinnert sich Robert daran, was er auf der Behindertentoilette mitgehört hat.
»‚Die ewige Klobürste‘ – Danke für Ihr Angebot. Das muss ich leider ablehnen. Ich besitze keinen Führerschein.«
Offenbarte Robert seine glückliche und hoffnungsvolle Lage.
»Wer sagt, dass Sie für die Arbeit einen Führerschein benötigen?«
Fragte irgendwie zu freundlich die Dame, die Robert als den ersehnten Knaben auserwählt hat.
»Wie soll ich denn die Autobahnraststätte erreichen?«
Antwortete einnehmend Robert, und eine zunehmlich und deutliche Angst durchdringt die Dame, die sich ebenfalls an das Gespräch mit Herrn Weber erinnert.
»Autobahnraststätte … Nein, ich glaube auch, dass Sie dahin nicht reinpassen werden. – Also, möchten Sie gerne als Toilettenwärter arbeiten? Ich kann Ihnen ohne Umwege diese Arbeit besorgen.«
Sprach stolz die Dame, die womöglich sehr viele Arbeitgeber bedient.
»Toilettenwärter … Nein, danke.«
Erwiderte Robert ihren Vorschlag.
»Wollen Sie vielleicht in einem Lager arbeiten, oder als Pfandflaschensammler, oder vielleicht als Geschirrspüler? Die Arbeit im Lager wird in einem Gebäude verrichtet, somit ist es dort warm und Sie müssen nicht frieren. Denken Sie darüber nach, Herr Grimm. – Ich möchte Ihnen doch nur helfen.«
Sagte die Dame, die ein künstliches und imitiertes Lächeln aufsetzt.
»Nein, ich werde schon selber Arbeit finden. – Die Arbeit im Krankenhaus habe ich mir selber besorgt.«
Offenbarte Robert diese Tatsache.
»Ja! – Und diese Arbeit haben Sie schon vergeigt!«
Äußerte die Dame sich dazu.
»Kann passieren.«
Erläuterte Robert Grimm seine Gedanken.
»Also, Herr Grimm! – Ich habe eine durchaus antretbare Maßnahme für Sie. Die Maßnahme ist für junge Menschen gedacht, die den Weg ins Berufsleben verloren haben. Die Maßnahme heißt: ‚Die Kunst in mir‘«,
Erzählte die Dame.
»‚Die Kunst in mir‘? – Das hört sich machbar an.«
Sprach Robert, damit ihn keine Leistungskürzung erwischt.
»Ja … Es gibt noch eine radikale Maßnahme namens ‚Finde Arbeit an einem Tag oder du bekommst eine Hartz-IV-Sperre für alle Ewigkeit‘.«
Redete wertvoll und behaglich die Dame, die ahnungsvoll ahnt, dass sie einen weiteren Knaben für die „Die ewige Klobürste“-Firma rekrutieren soll.
»‚Die Kunst in mir‘-Maßnahme kann ich antreten. – Es ist manchmal sehr schön, wenn man unter Menschen ist.«
Verkündete Robert diese wahre Gegebenheit.
»Sie meinten: unter Gleichgesinnten?«
Erkundigte sich rasch die Dame, die die klare Weisheit und Klugheit nicht begreift, dass Sie ohne die Arbeitslosen selbst arbeitslos wäre.
»Also, Herr Grimm! – Hier ist die Anschrift, wo die Maßnahme stattfindet. Anwesenheit ist Pflicht! Die Maßnahme beginnt strikt um 6:30 Uhr und dauert so lange, wie sie dauern soll. Um die Uhrzeit schlafen Sie schon bestimmt.«
Offenbarte Frau Kiefereisen ihre Forderung, und überreicht förderlich die zweimalige Einstimmungserklärung, die Robert nichtsahnend und harmlos mit seiner Unterschrift signiert. Doch die Vorkenntnis bleibt im Raum segeln, die kenntnisreich ins Roberts Ohr flüstert, dass diese „Die Kunst in mir“-Maßnahme sein Leben auf völlige Weise umkrempeln wird.
»Frau Kiefereisen, darf ich meinen Eignungstest behalten?«
Fragte Robert, der die eigene Einstimmungserklärung zusammen mit der Maßnahmenplanung soeben erhalten hat.
»Ihren vernarrten Eignungstest können Sie gerne behalten. – Ist Ihnen bewusst, dass Sie aus dem Allgemeinwissen-Abschnitt nur zwei Fragen richtig beantwortet haben. Und diese ‚viel‘-Antwort bei fast jeder Mathematik-Aufgabe ist einfach nur fremdschämend. Die abgefragten Sachen im Allgemeinwissen-Abschnitt sollte jeder Mensch wissen, Herr Grimm!«
Antwortete die Dame mit einer Frage.
»Ich fand das eine Gedicht toll und würde es gerne auswendig lernen. Deswegen möchte ich den Test für mich behalten.«
Sagte erfreut Robert Grimm, der von der Dame den Eignungstest rasch und eilig

Lektor: Axel C. Englert

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