Katastrophe

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Am Nachmittag des dritten Juli 2015 explodierte in einem Hochhaus der Stadt Heidelberg eine Bombe. Es hatte keine Warnung gegeben, keine Anzeichen, es war einfach passiert.
An diesem Nachmittag saß ganz Deutschland vor dem Fernseher und starrte gebannt auf die Mattscheibe, wartete auf jeden Fetzen den sie bekommen konnten, jede Nachricht, jede Information, jedes Gerücht.
Der Gigant, der hunderte Menschen beinhaltete, brach einfach in sich zusammen und niemand konnte es aufhalten. Das Metall, das Glas, nichts hielt der gewaltigen Eruption stand.

Zuerst war es eine kurze Eilmeldung gewesen. Ein einzelnes Bild, welches sich rasend schnell auf den Fernsehsendern, Social-Media-Kanälen und Nachrichtenportalen verbreitete. Dann weitere Nachrichten, jede Stunde, alle halbe Stunde, dann alle paar Minuten.
Bilder des Grauens, des Entsetzens.
Bilder der Zerstörung und der Gewalt.
Bilder von Toten und Verletzten.

Einzelne Schicksale; ein Mann, der sich mit letzter Kraft aus dem Schutt robbte.
Eine Frau, die ihr Baby mit ihrem Körper vor den einstürzenden Teilen beschützt hatte.
Eine alte Frau, die mit einem Bein zwischen zwei Stahlsäulen festhing und schrie.
Ein Kind, dass nur noch stammeln konnte. Es hatte alles verloren, sein Zuhause, seine Familie, seine Zukunft, alles.

Stundenlang waren die genauen Zahlen unbekannt und immer wieder, bei jedem einzelnen Überlebenden, atmete die Nation für einen Moment auf.
Und bei jedem weiteren, der seinen Verletzungen erlag, war die Nation entsetzt.
Niemand wusste, was passiert war, niemand wusste, warum so etwas überhaupt passieren konnte.
Dieses Ereignis war nicht zuzuordnen, es wirkte alles so zufällig, so grundlos, so unendlich grausam, als wäre alles nur ein gemeiner Spaß, eine irre, sadistische Überlegung gewesen. Wer konnte so etwas getan haben?

Und ich saß lächelnd in meinem Sessel.
Es hatte wirklich alles wunderbar funktioniert.

Video:

Hörbuchversion von Katastrophe

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