Niederrhein

von * noé *
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Land der Endlosigkeit, Land der Klarheit und Weite, der langen, geraden Straßen, Fahrradland.

Weckruf der Tauben, Abendsüße der Amseln, der Singdrosseln, Siegesland der Algen und der Moose, regensatter Äcker, Kiemenatmer zu Wasser und zu Lande, der roten Klinkerhäuser, passend zum Pflanzengrün, der bewachsenen Mäuerchen und üppig gestalteten Vorgärten, in der Luft die herbbittere Schwere blaugrüner Lebensbäume.

Land der fauchenden Ballons zwischen Domspitzen, der dickköpfigen Kopfweiden und himmelstürmenden Pappeln, dazwischen geparkte schwarzbunte Kühe: Landschaft als Standbild mit changierendem Zeitrafferhimmel und Zeitraffer-Menschengetümmel auf der Haut.

Spargel unter der Plane, Selbstpflückererdbeeren, Hohlwegfahrten zwischen Maisfeldern, Rutschpartien auf Rübentrecker-Schlamm, Bäche für Paddelfahrten und der Fluss, der in Holland seinen Namen ändert; Bauernstolz, Travertinhumor, Windmühlenfrische, frisches Windmühlenbrot, dramaturgische Wolkenzüge, Gottes Güte gerecht verteilt als Strahlenfächer über sein geliebtes Land, zu ahnen sein Auge, wie auf dem Bild alter Meister.

Glühende Sonnenuntergänge, lilarotgoldorange, die Engel backen das Brot der Kindheit, die rauen Rufe der Wildgänse über dir, der Wind, der in die Ritzen dringt, an den Fenstern rüttelt und Odins Ritt begleitet des Nachts, herbstduftende silberwallende Vorzeitnebel, grenzlöschend und geräuschlos, Eislasur auf den schneestummen Straßen, heckenvermummte Gehöftquadrate, ringsum kahlgeschorenes Feld.

Land der artverwandten Jas und Neins, entfernter Nachbarsnähe, widerspenstiger Freundschaften, selbstbestimmenten Seins.

© noé/1999 Alle Rechte bei der Autorin.

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