Was ist eigentlich gut?

von Alf Glocker
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Was ist eigentlich „gut“? und was ist „böse“? Immer wieder steigen aus dem Zweifel Fragen auf, die jedermann zunächst zweifelsfrei beantworten kann! Denn es gibt gewisse Richtlinien dafür was gut und was böse ist. Wer sich daran halten mag, dem kann nichts „passieren“, das heißt, er gerät in keinen philosophischen Hinterhalt. Und sofern er kein ausgesprochener Verbrecher ist, darf er in aller Seelenruhe von sich behaupten, er gehöre – ganz automatisch – auf die Seite des Guten.

Weiter Denkende geraten aufs Eis! Aufrecht stehen fällt ihnen schwer, denn die tiefste Analyse ihres Da-Seins fördert Seltsamkeiten zutage, die sich in keine „vernünftige“ Reihenfolge mehr bringen lassen. Und so gerät das Wort, nein der Begriff „Vernunft“ auch wieder einmal ins Zwielicht! Um Klarheit ins Zwielicht zu bringen beginnen wir ausnahmsweise nicht gleich bei uns – denn wir wollen ja nicht alles von Grund auf zerstören.

Beobachten wir einfach die anderen… Wer von ihnen ist „gut“? Da wir hier bereits ins Schleudern kommen, fangen wir lieber noch weiter entfernt, mit dem Denken an: in der Tier- und Pflanzenwelt. Hier könnte es uns vielleicht zuallererst gelingen die beiden Worte „Gut“ und „Schön“ miteinander zu verbinden. Wir schauen! Mit Malerblicken vertiefen wir uns in Eindrücke, oder Ausdrücke, erfreuen uns an Surrealitäten und wir schwelgen vor uns hin – eine Landschaft mit vielerlei Erscheinungsformen liegt vor uns im Sonnenlicht. Das ist erfreulich!

Doch plötzlich hören wir ein Röhren und wir könnten schwören, daß wir uns daran gar nicht stören, doch dann… erfahren wir den Grund! Es geht um die Fortpflanzung! Zwei Männer treten auf den Plan um zu kämpfen! Die Gemeinde der Frauen sieht zu – anscheinend teilnahmslos. Aber sie sind es nicht! Sie sind weder teilnahmslos noch unbeteiligt! Sie warten im Interesse ihrer Kinder auf den Sieger. Irgendwer hat nämlich beschlossen, daß diese stark und gesund sein sollen. Ist das gut?

Natürlich werden wir jetzt sagen, gesunde Kinder erhalten das Leben auf dem bestmöglichen Stand. Die Landschaft soll weiter im Sonnenlicht liegen! Was würde unser Malerblick sagen, wenn dort lauter Unfähige herumstehen- oder laufen würden?! Wäre das schön? Selbstverständlich nicht! Die Verlierer beachtet man nicht! Weder die Hirschkuh, noch der Maler – sind sie nicht „gut“? Lassen wir diese Frage zunächst offen, sonst erdrücken sie uns noch, die Fragen.

Gut ist der Grashalm, der stehen bleibt, gut ist der Baum, der sich entfalten kann, gut sind Gnu und Krokodil, solange sie im Gleichgewicht bleiben und die Natur insgesamt nicht zu Schaden kommt. Doch halt! Bringen wir hier nicht etwas sehr durcheinander? Hätten wir, anstelle von „gut“ nicht besser „vernünftig“ sagen sollen? „Es ist vernünftig, das Gleichgewicht der Natur aufrecht zu erhalten“. Mit „Gut“ und „Böse“ hat das gar nichts zu tun! Nichtwahr? Im weitesten Sinne „gut“ ist vielleicht der, der sich nicht einzumischen braucht, wenn die pittoreske Hölle tobt.

Aber einer, der sich nicht einzumischen braucht, der darf sich auch nicht beteiligen! Sobald er involviert ist, gerät er ins Zwielicht zwischen Gut und Böse, denn dann muss er sich auch direkt vor Augen halten, daß er ein Sieger zu sein hat – bevor er sich überhaupt Fragen stellen darf! Wäre er es nicht, dann würde er vor der dringend notwendigen Fragenstellung, im Interesse der Vernunft weggeröhrt werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab! Ich befürchte, daß derjenige, der das jetzt anders sehen möchte, irgendwo, auf halber Strecke im Denkvorgang hängen geblieben ist.

Oder er ist unehrlich! Dann darf er meinetwegen alles begriffen haben, um es gezielt abzustreiten. In diesem Fall hätte er auch nicht umsonst geröhrt! Wer allerdings letzte geistige Schlüsse ziehen will, der begehe strikt weiter den Pfad der logischen Analyse. Auf diesem Pfad begegnen wir virtuellen Hinweisschildern. Auf einem davon steht: „Das Gute ist stark und sicher!“ „Wer stark und sicher ist, der darf sich erlauben die Schwachen zu behüten – wenn er ein Mensch ist“, fällt uns dazu ein. Das ist richtig!

Das heißt aber doch auch, daß die Welt des „Guten“ eine gewisse Stärke benötigt um die Sicherheit zu gewährleisten - ? Wer sie nicht hat, wird rausgeboxt, unterminiert, hintergangen, überlistet, ausgerottet, usw. Und das soll gut sein? Das ist doch nicht einmal vernünftig! Eben – für Geister ist das absolut unvernünftig, nicht gut, also schlecht, sprich „böse“. Und für körperlich Lebende? Die sollten fragen, inwieweit sie noch involviert sind, und ob sie es sich bereits leisten können, nicht mehr mitzuröhren, wenn Männer auf die Lichtung treten, um gesunden Nachwuchs vorzubereiten.

Und jetzt betrachten wir einmal unsere Freunde, Bekannte und Nachbarn, sowie Vorgesetzte, Untergebene, Ehemänner und Ehefrauen, ja sogar Kinder neu, und interpretieren wir die Begriffe „Gut“ und „Böse“. Zu welchen Ergebnissen gelangen wir dann? Vorsicht, nicht schwindeln, auch wenn wir jetzt schwindlig werden und Dinge wie „Sinn“ oder „Unsinn“ plötzlich mit einbeziehen möchten. Solange wir keine „Verhaltensauffälligkeiten“ feststellen, müssen wir sagen: „alle sind gut!“ Aber irgendwie müssen wir dabei auch gleich lächeln.

Wie von selbst verziehen sich unsere Mundwinkel, denn wir werden bemerkt haben, daß alle körperlich sind. Aus geistiger Sicht wären sie nämlich durch die Bank was gewesen??? Legen wir den Schleier der Höheren Diplomatie über das Geschehen, über unser Denken, und lassen wir am Leben was leben will. Zerstören wir die Hölle nicht! Aber seien wir uns eines Umstandes gewiss: nur wer die Wahrheit nicht ablehnt, wird eines Tages in der Lage sein, neue Strukturen zu entwerfen, aus denen sich mehr Toleranz, Schwachen oder Gefährlichen gegenüber entwickeln kann. Also seien wir auf der Hut! Denn das „Gute“ wird von vielen Seiten angeboten…

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Kommentare

14. Jun 2015

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, "Gutsein" wird landläufig mit Schönheit interpretiert. Aber nicht alles, was "gut" ist, ist deshalb auch als "schön" zu bezeichnen. Eine Tollkirsche sieht schön aus, verlockend - und dennoch ist sie aus Sicht eines Opfers nicht "gut". Ein Mörder oder ein Heiler (die Dosis machts!) werden das sicher anders sehen.

Das "Gute" ist auch nicht automatisch stark, nur weil es "Gutes" tut. Bei den Menschen gibt es genügend "Gute" (Selbstlose, Zugewandte, Versöhnungbereite - oder wie auch immer der jeweilige Betrachter es mag), die von den weniger "Guten", aber "Starken" bevorzugt ausgenutzt, übervorteilt, übertölpelt werden und sich nicht dagegen wehren, weil sie eben "gut" sind und an das "Gute" im anderen glauben, glauben wollen, bis zur Selbstaufgabe. Trotz des Erfolgsmodells "Gewinner" in der Evolution (die nach wie vor immer noch nur eine Theorie ist), sind seltsamerweise diese "Nicht-Gewinner", gerne auch "Verlierer" genannt, noch nicht ausgestorben. Wer kann DAS erklären?

Deine Texte, lieber Alf, sind "gut" (aus meiner Sicht), weil sie zum Nachdenken anregen. So kann sich jeder selbst auf die Spur kommen, was für ihn "gut", "böse", "schön", "schlecht", "nachahmenswert" oder "inakzeptabel" sein mag.

Es muss wohl solche Gegensätze in jeder Form und Abstufung geben, denn die Bandbreite der Erscheinungs-formen und Empfindungen ist wirklich sehr breit. Aber eines ist klar: Es gäbe das eine ohne das andere nicht, denn erst durch die Abgrenzung zueinander werden Unterschiede deutlich, Schatten kann nur existieren, weil es so etwas wie Licht gibt.