Ins pralle Leben …

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Die Nacht ist lang, und sie ist schwarz,
und an die Decke schreibt mit Quarz
in roter Schrift die Uhr die Zeit,
die mir noch bis zum Morgen bleibt.

Das Buch ist interessant gewesen,
doch mag ich jetzt nicht noch mehr lesen.
Zu träumen wäre jetzt mein Traum,
mit offnen Augen geht das kaum …

Dem Körper will ich Ruhe gönnen,
Erholung kann man das nicht nennen,
vier Uhr und ich bin hustenwach –
ich lieg im Bett und denke nach.

Die Zeitung kommt, ich hör das Klappen.
Gleich wird der Nachbar mit den Schlappen
die Treppe wieder runterlatschen,
wo sie auf jede Stufe klatschen.

Wie kann ich ihn nur so laut hören?
Wie kann er meine Ruhe stören?!
Doch in dem Punkt, da ist der stur.
In Kürze kommt die Müllabfuhr …

Die klingeln handflächig und wild
auf nicht nur meinem Klingelschild,
sind kernig laut und brüllen: „Müll!!“
Das war’s dann auch mit „Nacht“ und „still“ …

Die Uhr blinkt rot und störrisch „7“ …
Drei Stunden Schlaf müssen genügen.
Ich werde mich dann mal erheben –
hinein – mit Frust – ins pralle Leben …

© noé/2020

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Kommentare

02. Jan 2020

Klassisch gekonnt!
...unvergänglich!

02. Jan 2020

Das ist mehr als ein Gedicht:
Ist Leben, das aus Worten bricht ...

LG Axel

02. Jan 2020

Sehr gerne gelesen !
HG Olaf

03. Jan 2020

In solchen Nächten begleitet mich höhnisch der Mond... Das nächste Mal grüße ich ihn von Dir :)
Liebe Grüße von Britta