Lebensgefährlich - wie wir leben

von Annelie Kelch
Mitglied

Bewusstsein im Nebel
Schotten dichtgemacht
Nichts, dass dich noch erreichen könnte …
Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart: perdu

Wir gehen schwanger mit einer Anfangszeile -
Wort, Vers, Metrum et cetera pp.

Vorsicht, die vierte Treppenstufe von unten ist defekt -
brich dir nicht das Genick, bevor das neue
Gedicht zu Papier gebracht ist!

Stopp! - Die Ampel hat Besuch
vom feuerroten Männlein bekommen
und der Herr, der auf der anderen Straßenseite
herumlungert wie bestellt und nicht abgeholt,
jedoch ohne Rose im Knopfloch,
ist mitnichten vom Film,
sondern von der Gendarmerie.

Du wirst abgewatscht, sprich: mündlich verwarnt,
aber die erste Strophe steht – wie 'ne glatte Eins,
zumindest in deinem Kopf!

Das ist dir dein Leben wert!? -

Morgen vergisst du weder Notizbuch noch Blei,
bleibst irgendwo stehen, aber bitte nicht mitten
auf der Kreuzung, verursache, um Himmels willen,
keinen Stau: Du kriegst alles fertig, ich weiß …

Notiere, was dir im Kopf herumspukt und dann
vergiss den Schmarren … bis du wieder an deinem
Schreibtisch sitzt. Du bist verdammt fleißig, weiß
ich doch: Du denkst unentwegt, liest jedes Wort,
das du kriegen kannst, schreibst, lernst ...
Und so schlecht war das vorhin doch gar nicht –
von wegen Schmarren! Die Sache ist so gut wie spruchreif!

Sartre, als er lesen gelernt hatte, war 'wie verrückt
vor Freude', nicht mehr zu bremsen.
Sein Leben war 'der Wahnsinn in den Büchern'.
Das kannst du nachvollziehen und blind unterschreiben.

geschrieben am 05.02.2017 v. Annelie Kelch;
" Die Wörter", ein Buch von Jean Paul Sartre: lesenswert

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