auf der Suche nach einem Engel

Bild von maruschka
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fielen die Schatten der hohen Bäume ihr ins Gesicht und zerschmetterten das Lächeln, war der Himmel so lichtlos schwarz, zog rückwärts der Strom der Zeit und es stockte ihr der Atem, flossen ihr die Augen über, wuchs ihr eine dunkle Wand

aus dem Mund, die sie verstummen ließ und trennte von allem Lebendigen, waren ihre Nächte blicklos einsam, und es starben die Silben der Freude, des Hoffens, und die Ohren stellten sich stumm, wurde ein Stück ihr gerissen aus der Seele,

und die Wunde will nicht heilen; November war, als er den Weg nahm ohne Wiederkehr in ein ihr fremdes Land, als ihre schweren Tränen Muster warfen an den wolkenbedeckten Himmel, die ihr die Sicht trübten zurück in die Zeiten des Glücks,

in die Zeiten zweisamen Wanderns, und niemand kommt und umarmt sie und hält ihre Hand in der Welt der verbotenen Berührung, auch die Sicht auf das Kommende - so von Nebeln verhangen, trübe, kalt, und der Tod so permanent;

schwarz maskiert trabt sie rastlos ratlos durch die Gassen der Stadt auf der Suche nach dem Lächeln in den Augen der Anderen und nach einem Engel, der sie aufhebt und sanft wiegend davon trägt in das Traumland ewiger Leichtigkeit …

Interne Verweise

Kommentare

05. Sep 2020

Dein Prosagedicht berührt mich. Man spürt den Schmerz der Trauernden hautnah, Marie.

HG
D.R.

07. Sep 2020

Man fasst in Worte, was man spürt, wenn etwas wirklich tief berührt …

Herzliche Grüße zu Dir zurück, Detmar

05. Sep 2020

Meist bleibt der Engel unsichtbar -
Wahrscheinlich ist er ja längst da ...

LG Axel

07. Sep 2020

Da liegst Du sehr wahrscheinlich richtig,
ER soll sich zeigen, das wär’ wichtig …

LG an Axel von Marie

07. Sep 2020

… ein WOW von noé * - es wiegt; danke dafür!

Liebe Grüße zurück - Marie

08. Sep 2020

Ein gut strukturiertes Prosagedicht, das sich durch intensive Bilder einprägt.
LG
Ekkehart Mittelberg (Ekki)

09. Sep 2020

Spontan fiel mir Else Lasker-Schüler ein:
Gebet
Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

Beste Grüße - Jürgen

09. Sep 2020

Den Vers von Lasker-Schüler habe ich kopiert; danke auch für den Kraftwunsch, lieber Jürgen.

Liebe Grüße Marie