Kinder in Not - Poetry Slam

von marie mehrfeld
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So jung sind sie noch, so klein und schwach, und doch so hell wach, die Augen, sie suchen Farben und Formen, auch Liebe und Normen an sicherem Orte, die Lippen, sie sagen die nötigen Worte, doch statt sich zu üben mit Singen und Lieben, mit Rufen, Lachen und Unsinn zu machen, sich zu verstecken und unter schützenden Bäumen und Hecken zu lesen, zu träumen, zu singen, zu springen, sieht man sie schwere Steine tragen, im Müll auch wühlen, wo Ratten sich jagen, verloren sich fühlen, ganz ohne Klagen, anscheinend froh, sie kennen’s nur so, sie müssen dienen an schweren Maschinen, sie weben Teppiche im Akkord, sind unbehütet und können nicht fort, ja, diese Kinder, sie sind in Not, sie plagen sich hin bis zum frühen Tod, damit wir, die wir im Wohlstandsland leben, für eine Jeans nur acht Euro ausgeben, wir nennen uns Menschen mit hoher Moral, doch scheint uns das Elend der Kinder egal, und ist unser Grundgesetz wirklich belastbar, ist auch nicht antastbar die Würde der Kinder der dritten Welt, und was uns nicht fehlt, ist das nötige Geld.

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Kommentare

07. Apr 2018

Stets noch steigern lässt sich der Gewinn!
(Steht auch das Wasser bis zum Kinn ...)

LG Axel

07. Apr 2018

Wer hat, der will mehr und gibt nicht gern ab -
und schaufelt sich oft so sein eigenes Grab ...

LG und Dank
Marie

07. Apr 2018

Sehr guter sozialer Slam, liebe Marie. Es ist eine Schande, dass Kinder dermaßen ausgebeutet werden. Leider gibt es, auch hier in Deutschland, zu viele arme Kinder. Aber erkläre denen mal, weshalb die Mama, die von Hartz IV lebt, weil sie mit Kind(ern) keinen Job findet, sich weigert, ihrem Kind die Jeans für 8,00 Euro zu kaufen, weil Kinder in ärmeren Ländern dafür schuften müssen und ihr eigenes Kind mit ihrer Weigerung womöglich zum Außenseiter macht (weil hier, im Wohlstandsstaat, Wert auf M o d e gelegt wird). Kaum ein Kind wird das verstehen - dass es gehänselt wird, weil es nicht die "richtigen" Klamotten trägt. Die Erwachsenen machen es doch vor. Da müsste ganz dringend eine andere Lösung gefunden werden - oder die Menschen sollten sich schleunigst ändern - mitsamt mobbenden Kindern - und darüber hinaus Kinderarbeit auf der ganzen Welt generell verbieten.

Liebe Grüße,
Annelie

07. Apr 2018

Danke, Annelie, Du hast Recht, hier bei uns läuft es auch nicht ideal, was den Status von Kindern finanziell minderbemittelter Familien betrifft, da muss nachgebessert werden, aber bei uns werden Kinder in keiner Weise ausgebeutet, sie können gut gekleidet kostenlose Schulen besuchen, haben warmen Wohnraum; man sollte das Klagen etwas relativieren, denn das "Elend" der Kinder hierzulande - ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem in vielen anderen Ländern.

Liebe Grüße - Marie

07. Apr 2018

Das ist sehr wahr, liebe Marie. Es wird aber hier in Deutschland - laut Statistik - jedes sechste Kind gemobbt. Und das kommt nicht von ungefähr. Und wenn Kinder klagen, nehme ich das ernst. Viele arme Kinder wachsen hier auf - neben relativ "reichen" Kindern. Das große Elend kennen sie nicht - gewiss -; indes: Das kann man diesen Kindern nicht anlasten. Wenn die Eltern diesen Kindern nicht erklären können (vielleicht, weil sie selber an sich solche Maßstäbe legen und sich als Versager fühlen), weshalb materieller Reichtum (sofern man nichts Gutes damit tut) und Designerklamotten so ziemlich das Unwichtigste auf dieser Welt sind, fühlen sich diese Kinder ausgestoßen und werden sehr häufig gemobbt - meist von der Mittelschicht, von Kindern sogenannter Emporkömmlinge. Die meisten Leute fühlen sich doch unheimlich "reich" und stark, wenn sie z.B. die neusten Handys - oder was weiß ich - besitzen. Aber darauf kommt es eben nicht an. Ich kritisiere in keinster Weise Deinen neuen super Beitrag, sondern die Zustände und Gegensätze und die unglaubliche Oberflächlichkeit.

Liebe Grüße,
Annelie

07. Apr 2018

Nein, ich bin nicht der Meinung, dass Mobbing, das ja auch eine Form von Gewalt ist, mit der „relativen“ Armut im Land im direkten Zusammenhang steht. Und Statistiken gegenüber bin ich im Prinzip misstrauisch. Gemobbt und ausgegrenzt wurde immer schon und überall, das gehört leider zur menschlichen Natur, hat mit Neid zu tun. Dass es im Netz so zugenommen hat, ist auch den zu wenig zensierten führenden Internetforen geschuldet. Und das mit den Handys ist längst nicht mehr schichtenspezifisch. Eltern mit wenig Geld, die ihren Kindern das teuerste I-Phone besorgen, sind selber Schuld, wenn die Ansprüche ständig steigen. Da ist mehr Eigenverantwortung gefragt. In dieser Zeit und in unserem Land treffen schon seit einiger Zeit verschiedene Kulturen unvorbereitet aufeinander, das muss sich einspielen, braucht Zeit und vor allem mehr und besser bezahlte Pädagogen besonders im Grund- und Hauptschulbereich, letztere tragen die Hauptlast bei der Integration von Flüchtlingskindern, und sie haben zusätzlich die Folgen der Inklusion zu bewältigen. Viel mehr Ganztagsschulen mit gutem Mittagessen, kleinere Klassen und mehr Raum für Gespräche und Stressabbau, die gespaltene Gesellschaft kann nur von unten her wieder zusammengeführt werden. Das kostet viele Milliarden, die hätte VW leicht aufbringen können, statt sie auf so betrügerische Art in die Luft zu blasen. Das Thema meines Gedichtes war aber viel eher die tatsächlich stattfindende Ausbeutung von Kindern und auch Frauen in bestimmten anderen Ländern, von der wir mit billigen Preisen profitieren. Das ist ja ein intensiver Meinungsaustausch, freut mich, sei lieb gegrüßt, Du engagierte kluge Annelie.
Marie

Detmar Roberts
07. Apr 2018

Marie, das ist ein gut gereimter Slam mit wichtigem Inhalt. Zu dem Thema melde ich mich ausführlich, es tickt mich an. Nach der Definition der EU ist arm, wer im Vergleich zur Bevölkerung des Landes weniger als 60% des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Das heißt, je reicher die Reichen werden, desto höher steigt die Armutsmesslatte im Land. Da Deutschland ein sehr reiches Land ist, sind die Armen also deutlich reicher als die anderer Länder. Arm sein heutzutage heißt, sich bestimmte Dinge nicht leisten zu können wie Markenkleidung und Auslandsreisen oder den Dauereinkauf in Bio-Läden. Ich meine, Armut ist ein sehr subjektives Empfinden. Als ich jung war, haben wir im Vergleich viel bescheidener gelebt, Klamotten wurden secondhand besorgt, genau wie das Auto, im Lebensmittelladen gerne die Waren, die nicht mehr ganz frisch und herunter gesetzt waren. Eine preiswerte Urlaubsreise gab es jährlich nach Österreich in eine Pension. Wir haben alles genau geplant und uns trotzdem gesund und ohne Fastfood ernährt. Hätte uns jemand als ARM bezeichnet, dann wären wir mehr als beleidigt gewesen. Es hat uns nämlich an nichts Lebensnotwendigem gefehlt. Wir scheinen uns an dem Wenigen auch viel mehr erfreut zu haben. Selbstverständlich müssen immense und ins Unanständige wachsende Einkommen in diesem Land gerechter verteilt und besteuert werden. Wäre aber dennoch ein Schritt zurück in mehr Bescheidenheit und weg von allen Neiddebatten nicht angebracht?
Grüße - D.R.

07. Apr 2018

Detmar, danke für den ungewohnt langen Beitrag, den ich gründlich gelesen habe. Ja, ich habe auch mehr Zufriedenheit in viel bescheideneren Zeiten erlebt und gebe Dir in vielen Punkten recht. Sich darauf zurück besinnen, was wirklich wichtig ist - die Missgunst runterfahren und wieder offener aufeinander zugehen. Mehr schreibe ich nicht, habe in meiner Antwort an Annelie schon alles gesagt.
Liebe Grüße - Marie

08. Apr 2018

Liebe Marie, ich kenne Detmar zwar nicht, aber in diesem Fall bin ich "voll" auf seiner Seite. Die Freude in der Welt ist nicht gewachsen, im Gegenteil, sonst wären die Menschen friedlicher - , aber die - meist "billigen", oberflächlichen Ansprüche der Menschen wachsen ins Unermessliche. Anstatt bescheidener zu leben und mehr Freude zu verteilen durch Spenden etc., ist der Egoismus gewachsen. Es ging mir in erster Linie darum, dass nicht die arbeitslosen Frauen, die ihren Kindern Jeans für 8,00 Euro kaufen, schuld an der Misere der ausgebeuteten Kinder sind, sondern Erwachsene, die den Hals nicht voll genug bekommen.

Liebe Grüße zu Dir, Dein Slam ist ja super - trotz allem -,
Annelie

Detmar Roberts
08. Apr 2018

Liebe Annelie, wer kennt wen denn hier wirklich, wir begegnen uns dennoch hin und wieder, und da du mich ansprichst, will ich dir antworten, ich habe mich gefreut, dass du mit mir übereinstimmst, und NIEMALS sind die allein erziehenden Frauen, die nicht anders können, als ihren Kindern die billigen Jeans zu kaufen, Schuld an der Misere, sondern Opfer, auf deren Seite ich mich stelle.
Ich grüße dich herzlich.
D.R.

10. Apr 2018

Danke für Deine Zustimmung, Detmar. Ganz gewiss hat Marie ja auch nicht diese Frauen gemeint; mir fiel das nur gleich ein beim Lesen ihres wirklich guten Slam-Textes. Möglicherweise sollten jene Waren, die mit Hilfe ausgebeuteter Kinder produziert werden, eine Kennzeichnung erfahren, einen Hinweis ... aber das wäre dann ja geschäftsschädigend. Man könnte zum Beispiel Kinderkleidung in Deutschland herstellen, die sich auch ärmere Familien/Alleinerziehende leisten können. Ich weiß wirklich keinen Ausweg aus dieser Misere, denke oft darüber nach.

Herzliche Grüße zurück,
Annelie