Sorgenschrotthalde

von marie mehrfeld
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Du bereitest dir deine eigene Hölle,
klagst über das „Zuviel“ an allem,
misst dich mit der größtmöglichen Elle –
dabei musst du doch nur dir gefallen.

Deine unsäglichen Selbstanklagen,
dumm sind sie, das will ich dir sagen,
jetzt bitte lachen und weniger grübeln
und aufhören, dir viel zu verübeln …

Kannst Traurigkeit mit Umarmung heilen
und öfter dich den Freunden mitteilen,
nur das bringt dich zu dir selbst zurück
und lässt dich spüren des Lebens Glück.

Deine Messlatte bitte runterschrauben,
das tut dir gut, du kannst es mir glauben.
Vertrau deiner Improvisation -
und nur als Ergänzung der Perfektion.

Zeit nun ist zum Planen und Träumen,
bitte den Müll aus der Seele jetzt räumen,
weg damit zur Sorgenschrotthalde,
auf dass sich Freude am Leben entfalte.

Heb den Kopf am sonnigen Mittwoch hoch,
kriech endlich raus aus dem Stimmungsloch.
Hast du’s denn immer noch nicht gecheckt?
Auf diesem Planeten - ist niemand perfekt.

Quelle: Fotos kostenlos, verfremdet

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92 Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

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Kommentare

09. Aug 2017

Suche und Sucht nach Perfektion -
Nur UNglück scheint der stete Lohn ...

LG Axel

09. Aug 2017

Axel - danke.
Man kann sich selbst ja kritisch betrachten,
doch sollte man besser das Maß beachten ...

LG - Marie

Detmar Roberts
09. Aug 2017

Pfiffig formuliert und wahr, Marie, wer kann das nicht zu sich selbst sagen - dass er sich weniger übel nehmenn, mehr lächeln als lamentieren, nicht zu perfekt sein sollte. Ich werde in mich gehen. Mal sehen, wie lange es hält.
Sei gegrüßt, D.R.

09. Aug 2017

Mir fällt dazu ein Gedicht aus "Selbstkritik des Herzens" von Wilhelm Busch ein, es passt nicht ganz, aber immerhin:

Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehre Kälber,
Und nun schätz' ich, sozusagen,
Erst mich selber.
LG - Marie

09. Aug 2017

Danke, liebe Marie, für dieses tröstliche Gedicht. Perfektion zu erreichen, ist schwierig und erfordert ein hohes Maß an Disziplin, wird oft gar nicht anerkannt. Ich denke manchmal auch, dass ich viel ruhiger und gelassener sein könnte. Aber man kommt meist nicht gegen sich selbst an, und ganz ehrlich gesagt, hasse ich es, mich gehen zu lassen, in jeder Hinsicht. Das ist möglicherweise ein Fehler. Auch meine Selbstanklagen vermehren sich wie "Giersch". Aber ich werde dein Gedicht öfter aufrufen und "mich locker machen".

Liebe Grüße,
Annelie

09. Aug 2017

Danke, Annelie, ich spreche natürlich aus eigener Erfahrung, stelle oft zu hohe Anforderungen an mich, quäle mich mit Selbstzweifeln und versuche vergeblich, mich auf diesem Sektor wirklich zu bessern, es sitzt zu tief. Allerdings ist mir etwas zu viel Disziplin lieber als viel zu wenig.

Liebe Grüße - Marie

09. Aug 2017

Mir auch, liebe Marie. Und das Gedicht von Wilhelm Busch kenne ich schon sehr, sehr lange. Ich habe es mal einer richtig gutbürgerlichen Mitschülerin hergesagt, die sich sehr über dieses Gedicht und mich empört hat. Darüber musste ich herzlich lachen.
Ich weiß übrigens längst, dass du hohe Anforderungen an dich stellst. Habe mal so ein bisschen Psychologie studiert.

Liebe Grüße,
Annelie

09. Aug 2017

Ja, die Psychologie; sie war auch bei mir mal Schwerpunkt im Studium. Das Vermögen, Menschen zu beurteilen, ist aber, meine ich, in erster Linie angeboren.

Liebe Grüße und Dank für den Austausch - Marie

09. Aug 2017

Dein Gedicht ist ein Rezept
mit Hand und Fuß und gutem Konzept …
(nur der innere (mein) Schweinehund, Marie, könnte sich noch querstellen)

Liebe Grüße und gute Nacht
Soléa

10. Aug 2017

Danke, Soléa, den Herrn Schweinehund kenne ich nur zu gut ...

Liebe Grüße - Marie