Lob des Herbststurms

von marie mehrfeld
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verblassten Konturen die Farben geben,
sie neu betrachten, es hilft beim Leben,

uns lösen auch aus der Starre der Zeit,
erst, wenn wir uns fühlen, sind wir bereit,

die Zacken vergilbter Bilder zu streicheln,
die alten Augen wollen uns schmeicheln,

die vor uns waren, sie schauen uns an,
ob mahnend, ob lächelnd, wir denken daran.

mal wieder vergessene Lieder zu singen,
um das Hoffen zum Leuchten zu bringen,

zugeneigt flüstern, das sollte uns reizen,
und ja nicht mit zärtlichen Worten geizen,

so nehmen wir Abschied von prallen Tagen
und loben den Herbststurm, ohne zu klagen

Interne Verweise

Kommentare

24. Sep 2018

Das Mädchen auf dem Foto bist Du, liebe Marie, ich hab Dich sofort erkannt. - Du hast mal vor langer Zeit ein Kinderbild von Dir hier eingestellt. In visueller Hinsicht scheint mein Gedächtnis noch gut zu funktioniern. Oder? Es gibt Kinder, die haben schon "alte" Augen, weil sie (zu) viel Schlechtes haben sehen müssen in ihrer Kindheit, das fiel mir sofort ein, als ich Deinen Titel las. Zu diesen Kindern gehörst Du nicht, aber etwas skeptisch schaust Du schon - das kann ich nachvollziehen. Alte Fotos mit Zacken lieb ich, sind überhaupt der Hit - da streichele ich auf jeden Fall mit. Danke, für das gute Gedicht und das aparte Bild: Nett schaust darauf auf und ein bisschen müd, hoffe nicht, dass Du die vorangegangene Nacht in einem Luftschutzbunker hast zugebracht.

Liebe Grüße zur Nacht,
Annelie

25. Sep 2018

Du hast ein ausgezeichnetes Gedächtnis, liebe Annelie, ob das nun die kleine Marie ist oder nicht, ist doch egal, in Wirklichkeit war sie eine Generation über mir, dieses Kind hat aber in dieser Momentaufnahme einen erstaunlich alten, wissenden und auch traurigen Augenausdruck und versetzt mich in eine melancholische herbstliche Stimmung, ich fand das Bild beim Räumen im Keller, es hat mich berührt, und mir fielen diese Zeilen dazu ein - erst, wenn wir uns fühlen, sind wir bereit - zum Abschiednehmen …
danke für Deine spätabendlichen Grüße, die ich herzlich erwidere

Marie

25. Sep 2018

Die Alten ehren, das Neue wollen -
und dem Gestern nicht mehr grollen ...

danke und LG
Marie

25. Sep 2018

Gänsehaut pur, liebe Marie.
Meine Gedanken schwebten sofort zu meiner Oma, mit der ich als Kind, sehr gerne und sehr oft, alte Fotos angeschaut habe. Sie erzählte mir von ihren Eltern, dem kleinen Dorf aus dem sie stammte, den Bräuchen, den Gepflogenheiten und von ihrem Bruder, der nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt war. Er war 20, so alt wie mein Sohn jetzt. Trotz der schweren Zeiten, die sie durchlebt hat, ist sie eine warmherzige, lebensbejahende, fröhliche Frau geblieben. Ich vermisse sie so sehr.
Vielen Dank für dieses wunderbare Gedicht, liebe Marie.
Es hat mich tief berührt.

Herzliche Grüße,
Ella

25. Sep 2018

Liebe Ella, danke; wie gut, dass Du so eine liebevolle Erinnerung an Deine Oma hast, ja, die Großeltern haben für die übernächste Generation einen besonderen Stellenwert, Enkel sind ja auch der pure Luxus, man genießt es, für sie da zu sein, muss sie aber nicht mehr erziehen, auch ich habe wunderbare Erinnerungen, allerdings war es ein Großvater in meinem Fall, mit dem ich mich sehr verbunden fühlte. Ich grüße Dich herzlich zurück -

Marie

Detmar Roberts
25. Sep 2018

Muss mich wieder einmal melden, Marie. Dein intensives, mich berührendes Gedicht passt so gut in diese Jahreszeit des Übergangs vom Sommer in den Herbst, in der man leichter in die „dunklen Höhlen des Grübelns“ fällt, in der die Zeit oft zu erstarren scheint. Und wie Recht Du hast – unbedingt verschwenderisch umgehen mit zärtlichen Worten!!

Liebe Grüße D.R.

25. Sep 2018

Freut mich, von Dir zu hören, zu lesen, Detmar, danke für die gute Rückmeldung. Genau, wie Du es umschreibst, ist es gemeint, nicht zulassen, dass man in dunklen Gedanken erstarrt. Sei lieb gegrüßt von mir und lass uns zugewandt miteinander umgehen
bis hoffentlich bald -

Marie

26. Sep 2018

Das liest sich sehr schön, dein Gedicht liebe Marie, auch wenn düstere und schwere Gedanken zum Leben und Herbst gehören,
sollten sie nie die Oberhand gewinnen. Und zärtliche Worte liegen immer im Trend …!

Viele liebe Grüße
Soléa

26. Sep 2018

Danke, liebe Soléa,
ich freue mich überDeine Worte
und grüße Dich herzlich zurück ...

Marie