ich will, ich will

von marie mehrfeld
Mitglied

ich will, ich will so seltsam viel an
manchen Tagen und will es wagen, Dir
sacht zu sagen - gib mir ein Morgen

ohne die Sorgen, die heute drücken,
will Worte schreiben, die Dich beglücken,
am Leben bleiben, will viel mehr Liebe

in der Welt und dass der Strauch sein
Laub behält, will, dass der nächste
Winter weiß ist und auch der Sommer

nicht zu heiß ist, will froh in Zukunft
schauen, dass Vögel Nester bauen,
will nachts vom Fliegen träumen hoch

über dunklen Bäumen, doch wächst
auch böses Bitten ganz tief in meiner
Mitte(n) – will, dass zwei Präsidenten

als Küchenschaben enden, ich hoffe
sehr, Dir geht es gut, bist urgesund und
hast viel Mut, Du blickst mit Zuversicht

nach vorn und auch an gestern ohne Zorn,
doch schau, die Erde steht in Flammen,
und Du raffst nur Dein Geld zusammen,

nun bitte ich Dich, denk daran, dass man
auch anders handeln kann, vielleicht
gerechter teilen und so die Erde heilen,

ich will, ich will, so schrecklich viel,
doch leider fehlt mir selbst die Kraft,
zu tun, was der Welt Wende schafft

Die Welt ist groß und es gibt viele Dinge, die ich tun könnte, um sie zu einem besseren Ort zum Leben zu machen. Ich überlege, welche Möglichkeiten ich alleine und zusammen mit anderen hätte - zur Verbesserung dieses Planeten und der Gesellschaft, in der ich lebe. Ich könnte ehrenamtlich arbeiten, vielleicht in einer Schule mit zu großen Klassen und einem hohen Ausländeranteil und den Kindern die deutsche Sprache beibringen. Ich könnte mich mehr darum bemühen, meinen Einfluss auf die Verschmutzung der Umwelt zu verringern. Ich dürfte gar keine Produkte mehr kaufen, die Tieren schaden oder für die Tierversuche durchgeführt werden, kümmerte mich mehr um die Gegend, in der ich wohne und überlegte, was ich vor Ort tun kann. Ich spendete mehr und nur an die richtigen Hilfsorganisationen. Ich kaufte ausschließlich Fair Trade Produkte und versuchte, so zu leben, dass ich der Umwelt global helfe. Keine Plastiktüten mehr und keine Produkte, die in Plastik verpackt sind. So viel Energie wie nur möglich müsste ich sparen. Ich ginge noch behutsamer mit Wasser um und setzte mich dafür ein, dass es weltweit gerechter verteilt wird. Ich bemühte mich im Familien- und Freundeskreis um einen noch freundlicheren Ton und vermiede Tratsch und Häme. Ich hörte geduldiger zu und baute Vorurteile ab. Ich engagierte mich entschiedener dafür, dass Hunger- und Fluchtursachen an der Wurzel bekämpft werden. Ich demonstrierte dagegen, dass Deutschland Waffen produziert und mit Billigung der Regierung in alle Welt verkauft und damit Kriege ermöglicht, das alles ist nur ein Bruchteil der guten Vorsätze, die ich leider nur marginal umsetze in meinem Leben, weil mir die Kraft fehlt und ich zu bequem bin, und ich weiß, Dir geht es ähnlich …

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Kommentare

20. Aug 2018

Lediglich WOLLEN hilft nicht viel,
hier kommt vor allem TUN ins Spiel …

Danke und LG Marie

20. Aug 2018

Enden zwei Uneinsichtige als Küchenschaben ...
Das würd erquicken und erlaben
am frühen Morgen schon - fühlt man sich gut, erhaben.
Dies, Dein Gedicht ... vom Haben und vom Wollen -
gefällt gewiss nicht nur den Hoffnungsvollen.

Liebe Grüße,
Annelie

20. Aug 2018

Man weiß genug, handelt aber (auch) aus Bequemlichkeit nicht konsequent genug, das ist die Krux, unter der nicht nur ich leide, das wollte ich mit Versen andeuten, liebe Annelie, danke für Dein pfiffiges Rückgedicht –

Marie

Detmar Roberts
20. Aug 2018

Hierzu fällt mir nur wieder einmal Vert Brecht ein.
Ein guter Mensch sen ja werwäre es nicht gern
sein Geld den Armen geben, warum nicht?
Wennalle gut wärn wär Sein Reich nicht fern
wer säße denn nicht gern in Seinem Licht.

Doch leider sind auf diesem Sterne eben,
die Mittel kärglich ind die Menschen roh.
Wre möchten gern in Fried und Eintracht leben,
doch die Vehältnisse sie sind nicht so.

20. Aug 2018

Das hast Du wohl in Eile geschrieben, lieber Detmar, Dreigroschenoper, Peachum, ich kenne den Text, er passt gut – „die Mittel kärglich und die Menschen roh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“ …

danke und Gruß zurück
Marie

20. Aug 2018

Liebe Marie, den Satzteil von dir und Detmar Roberts „doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“, sehe ich anders. Ich fände es heute auf jeden Fall treffender, wenn er „doch die Verhältnisse, lassen es kaum zu“ … lauten würde. Auch bedarf es viel an Energie und Ehrgeiz seine (Um) Welt zu ändern. Und da sehe ich auch die Schwäche. Da müssten gleichzeitig mehr an einem Strang ziehen … Aber es ist schon toll, wenn man nicht zu den Verschwendern und Zerstörern gehört – ist auch ein Anfang. …

Liebe Grüße zu dir nach Frankfurt
Soléa

21. Aug 2018

Danke, Soléa; "es müssten viele an einem Strang ziehen", das stimmt, es sind aber nicht genug, die das tun, und zu viele, die nur darüber reden - im Konjunktiv, wie ich, obwohl ich mich bemühe. Dass wir bequem geworden sind in unserem Wohnstand, den wir genießen, ich auch, das lässt sich nicht bestreiten. Das Wort von der "spätrömischen Dekadenz", das dem Westerwelle so angekreidet wurde, finde ich sehr passend. Ich bin ein Teil davon. Die Texttelle aus der Dreigroschenoper passt schon, denn sie ist durchaus sarkastisch gemeint.
Liebe Grüße zu Dir zurück - Marie

25. Aug 2018

Liebe Marie,
ich meinte damit, wie und was du schreibst.
Liebe Grüße
Uwe

26. Aug 2018

das habe ich genau so verstanden, Uwe,
und mich gefreut -

liebe Grüße - Marie

25. Aug 2018

ach wär das Wollen frei -
ich wär dabei.
Will gegen alle Vernunft
daran glauben
lass mir die Illusion
nicht rauben
ulli