Das Scheue, Ungeträumte

von Anouk Ferez
Mitglied

Erklomm der Tag die Zwänge deiner Stadt
und trieb das Scheue, Vage, Ungeträumte
weit über Dächer, Masten, Schlote? Schäumte
dein blaues Fühlen über? Sage mir, wann hat

das Lichterhaupt der stumm gebeugten Kerze
den bangen Abend Richtung Nacht gedehnt?
Und welche Stimmung in der Flamme sehnt
sich nach dem letzten Tanz? Löst sich im Schmerze

Melancholie in Schönheit auf? Sag mir doch wie
entsteige ich der Wahrheit, welche in mir schrie?
Hat sich mein Geist nicht an dein Herz gelehnt?

Stets war‘s das Nichtgeglaubte, Ungeträumte ,
das sich im Fieberkrampf in meiner Seele bäumte
und: in deinen Augen hab ich‘s auch gewähnt...

10.Oktober 2017

Buchempfehlung:

199 Seiten / Taschenbuch
EUR 11,95

Interne Verweise

Kommentare

10. Okt 2017

Das könnten "Medea", "Elektra" oder auch "Kassandra" gesagt haben, Anouk. Mittlerweile würde ich in deinen "Gedichten", die eigentlich klassische Monologe sind, wie sie im Buche stehen, dich als "Autorin" sofort erkennen, herausfinden. Ich mag das sehr gerne lesen - und fühle mich irgendwie angesprochen, weil die Worte eindringlich und schön sind.

Liebe Grüße,
Annelie

10. Okt 2017

Liebe Annelie, danke fürs Lesen, ein wunderbarer Kommentar von dir, ich freue mich sehr. Was ist schon schöner als (positiv) wiedererkannt zu werden? Ich habe selbst nie so recht darüber nachgedacht, dass viele meiner Gedichte eigentlich Monologe sind . Ich habe auch im realen Leben die Angewohnheit, stets Zwiesprache mit meinem tiefsten Inneren zu halten.
Ich war nun schon lange nicht mehr hier auf literatpro, es wollte einfach nichts aus meiner Feder fließen. Und ich hatte so viel Pflicht-Lektüre auf meinem Schreibtisch, dass ich auch nicht als stummer Leser hier weilte. Das werde ich nun nachholen.
Danke, liebe Annelie
Liebe Grüße von Anouk

10. Okt 2017

"Melancholie in Schönheit", das schreibst du, genau das kennzeichnet deine poetischen stets etwas wehmütigen Gedichte, die ich sehr gerne lese, liebe Anouk.
Liebe Grüße - Marie

10. Okt 2017

Liebe Marie , ich danke dir. Soetwas wie Wehmut wird mich wohl stets begleiten. Selbst wenn ich denke , restlos glücklich zu sein, liegt doch ein Schleier über dem Erleben.. eben schaute ich eine Doku, wo es darum geht, ob es unzählige Pralleluniversen gibt, in denen unzählige Klone von einem jeden gibt, doch jeder der Klone erfährt ein anderes Schicksal ( unter der Fragestellung: "Haben Sie sich nie gefragt , wie Ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn Sie eine Kleinigkeit anders gemacht hätten?")
Wenn man seine Klone und deren Leben "kennenlernen" könnte, vielleicht würde DAS mit der Wehmut und dem Nichtgedachten, Nichtgeträumten, Nichtgelebten aufräumen... Nun, man wird es wohl nie wissen. Das ist vielleicht auch gut so.
Ich danke Dir, liebe Marie
herzliche Grüße von Anouk