Aus. Einander. GEHEN.

von Anouk Ferez
Mitglied

Das lahmt, was tief in meine Brust gebettet,
als hell zwei Hände in die Lüfte steigen
– die meine kaum zu spüren. Tiefes Schweigen
zweier Lippen hält so Aug` an Auge festgekettet.

Ein leises Lächeln, gläsern, fast ins Innere gerichtet,
von Schmerz gestreift – ist`s meins? Ist`s deins?
Wie oft wurd’s schon besungen und bedichtet…
Nun ist´s alles Weltenweh – und dennoch keins.

Denn es sind wir, wir ganz alleine, die sich nunmehr lösen.
Sich lösen? Ach, als risse man ein Kind aus Mutters Schoß,
tobt roter Schmerz. So möchte ich umkehr´n, schreien – bloß
…dies Unausweichliche: Wodurch wär´s später abzulösen?

So irrt mein Blick in das, was jene Zukunft nennen,
die nie so liebten. Nie verloren. Nie erstarben.
Im Neuaufleben, eines Tages, singen jene Narben,
die mich und dich als unwägbare Einheit kennen…

Ende Sept. 2018

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Kommentare

26. Sep 2018

Ein sehr gutes Gedicht, liebe Anouk. Das Aus.Einander.Gehen ist sehr poetisch und mit viel Tiefgang beschrieben, hat etwas Klassisches auch, das ein wenig an Hölderlin erinnert. "…dies Unausweichliche: Wodurch wär´s später abzulösen? Im Neuaufleben, eines Tages, singen jene Narben, die mich und dich als numinose Einheit kennen…" Das ist schon viel, viel mehr, als gängige Trennungsgedichte zu bieten haben; mich stört lediglich das Wörtchen "numinose". Es wirkt ein wenig fremd in diesem wehmütigen, mit einfachen Worten ganz wunderbar geschriebenen Gedicht. Ich weiß, was Du damit sagen willst ..., aber ich denke, dass es in unserer deutschen Sprache sehr gute Umschreibungen gibt ... schaurigschön, göttlich. Aber Du hast Dir etwas dabei gedacht. Es ist auch keine Kritik, dieses Gedicht ist Dir ganz hervorragend gelungen. Es zeigt, wie gut Du in der Lage bist, tiefe Gefühle nachzuempfinden und so in Worte zu kleiden, dass jedermann, der sich näher mit dem Text beschäftigt, ihn nicht allein verstehen kann, sondern trotz aller Wehmut, die er, der Leser dabei verspüren mag, von der Schönheit Deines Ausdrucks berührt sein muss.

Liebe Grüße,
Annelie

26. Sep 2018

Liebe Annelie, du triffst genau den Punkt, über dem ich am längsten gebrütet habe und ich freue mich sehr über deine fundierte liebe Rückmeldung. Das "numinos" hat auch mir echt Kopfzerbrechen gemacht und ich verstehe genau was du meinst: es stört etwas den Lesefluss, da es sich nicht homogen einfügt. Ich wollte sagen, dass diese Beziehung eine Art... wie soll ich sagen... zwar gottgegeben / besser "schicksalsgegeben" war. Aber dennoch wieder nicht. Von einer höheren Macht gelenkt, quasi "göttlich" und dennoch irgendwie zerstörerisch. Das Wort "numinos" trifft es insofern, weil es (wie dein schaurigschön) beide Seiten aufgreift. Und das Wort "Gott" wollte ich gern aus dem Spiel lassen. Sonst hätte ich einfach "gottgewollt" oder "gottgefügt" genommen. Und jedes Wort, was "schicksal" mit aufgreift, ist zu lang... numinos hat von Bedeutung und Rhythmus gepasst, fällt aber sonst aus dem Rahmen... Was tun?? Ich brüte noch ein wenig weiter.
Vielleicht fällt dem einen oder anderen noch was ein...
Ich danke dir sehr für deinen klugen Blick beim Lesen und die Mühe, die du dir nimmst, auf etwas hinzuweisen in deinen Kommentaren.

Alles Liebe, beste Grüße,
danke!
Anouk

06. Okt 2018

Das einzige Wort, das halbwegs passen mag, scheint eventuell "unwägbar" oder vielleicht gilt es auch gerade ein einfach-klaren Neologismus finden...

auch mich berührt dein Gedicht zutiefst - LG Yvonne

09. Okt 2018

Hallo liebe Yvonne, ich danke dir sehr für deine liebe Rückmeldung und den echt guten Wortvorschlag ("unwägbar"). Ich habe mir erlaubt, dieses Wort zu nutzen. Es passt rhythmisch und ich finde es vom Sinn her auch gut, zumal es ohnehin zu interpretieren gilt
Liebe Grüße
besten Dank
Anouk

26. Sep 2018

Ein Gedicht mit glaubhaftem Inhalt, komponiert aus besonderen Worten, den Trennungsschmerz kann ich Wort um Wort nachempfinden, liebe Anouk. Die Frage, woran man (auch) spürt, dass eine Beziehung dabei ist, zu erlöschen, beantwortet ein Zitat von William Shakespeare für mich glaubhaft so: „Wenn Lieb' erkrankt und schwindet, nimmt sie gezwungene Höflichkeit an.“

Liebe Grüße zu Dir - Marie

26. Sep 2018

Liebe Marie, danke für deinen lieben Kommentar und das Zitat, welches ich noch nicht kannte. Es klingt plausibel. Zum Glück war ich noch nie so weit, eine solche gezwungene Höflichkeit zu spüren . Das muss unerträglich sein und unendlich traurig machen.
Junge Menschen heutzutage trennen sich, meiner Meinung nach, zu schnell. Manche gehen keinerlei Kompromisse ein,sowie sie sich ein wenig auf den anderen einlassen sollen, ist es oft schon vorbei. Aber besser ein vorzeitiges Ende als ein Ende mit Schrecken, zumal, wenn man keine gemeinsame Verantwortung für Kinder oder sonstiges trägt.
Letztendes muss es ohnehin jeder für sich selbst entscheiden... ein schweres Thema

Danke und liebe Grüße
herzlichst,
Anouk

27. Sep 2018

Liebe Anouk, Abschied, das Ende einer Beziehung ist weitverbreitet. Wie Du im Kommentar erwähntest, geht man oft zu schnell auseinander. Jede Trennung schmerzt, die selbst erlebte, am allermeisten, so wie die eigene Trauer immer schlimmer ist, als die, der anderen. Es hat zwar nicht so viel damit zu tun, doch ich muss immer wieder an einen Satz von einer Mutter denken, die ihren Sohn verloren hat und ihre schmerzliche Fassungslosigkeit in einem Vergleich äußerte und sagte: "Nur ein Blatt fehlt und der Baum ist leer …"

Ein schönes Gedicht von dir, das mitfühlen lässt …
Herzliche Grüße
Soléa

28. Sep 2018

Liebe Solea, vielen Dank für deinen lieben langen Kommentar und die Geschichte, die du teilst: der von dir zitierte SAtz ist mir durch und durch gegangen. Nicht auszudenken, wie man fühlen muss, wenn man ein Kind verliert. Der Ausspruch"Nur ein Blatt fehlt und der Baum ist leer …" gibt einen solchen furchtbaren Verlust in allen Facetten wieder . Man kann nur beten dass , der eigenen Familie sowas erspart bleibt.
Liebe Grüße, besten Dank,schönes Wochenende,
Anouk

01. Okt 2018

Liebe Anouk, wie du auch Schmerz auszudrücken vermagst, es ist meisterhaft. (Eigentlich wollte ich sagen: "Da bleibt mir das Maul offen stehen!", aber leider, immer muss ich mich zusammen reißen.)

LG von A.
(U. konnte ich nicht sagen, weil mir das Maul noch offen steht.)

02. Okt 2018

Lieber Uwe, du hast einen ganz besonderen Witz an dir, dass man kurz stockt, überlegt und dann breit grinst.
Und was ist schon besser, an einem solchen kalten grauen Regentag wie heute, als zu grinsen?

Ich freue mich sehr über dein lobendes und amüsantes Feedback
LG
Anouk

02. Okt 2018

Hihi, das kurze Stocken liegt nicht an meinem Witz. :-)
Sondern? :-(
Jajaja!