Gefühlte Gedanken

von marie mehrfeld
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Gefühlte Gedanken. Gemalt in leuchtenden und düsteren FARBEN, die mich lehren zu sehen: Das bunte Blühen der Wiesen, das eintönige Grau des Asphalts. Die grüne Würde der Bäume, das graue Sterben der Wälder. Den goldenen Klang des Friedens, die rote Schande der Kriege. Das blaue Wogen der Wellen, die schwarze Gewalt der Fluten. Das Funkeln des reinen Blaus im Tanz mit dem schrillen Gelb. Das Helle und Dunkle des Tags und der Nacht.

Gefühlte Gedanken. Gelenkt von schnellen und lahmen, sanften und harten WORTEN, die mich lehren, zu reden: Von Freude und Leid. Vom Hoffen und Bangen. Vom Loben und Neiden. Von Wonne und Schmerz. Von Mut und Feigheit. Von Wahrheit und Lüge. Vom Streicheln und Quälen. Vom Geben und Nehmen. Vom Lachen und Klagen. Vom Lieben und Hassen. Vom Leben und Sterben.

Gefühlte Gedanken. Beflügelt von jubelnden und verstörenden TÖNEN, die mich lehren zu lauschen: Dem zärtlichen Zwitschern der Vögel, dem Schreien misshandelter Tiere. Dem Perlen singender Fugen, dem Jaulen landender Jets. Dem glücklichen Kichern der Kinder, dem hässlichen Brüllen der Wut. Dem streichelnden Klang der Geigen, dem Pfeifen todbringender Granaten.

Gefühlte Gedanken. Gesponnen aus leichten und schweren TRÄUMEN, die mir mein Leben erklären. Sie tragen mich tanzend und weinend in vergangene Zeiten, zu nahen und fernen Lieben, lassen mich selig summend schweben in lichten Himmeln über verzauberte Wälder und Täler, sie können erheitern und quälen, stürzen mich in den Strudel der Panik vor wilden Verfolgern, vor dem Hagel der Bomben, vor dem drohenden Tod.

Gemalt, beschrieben, besungen, geträumt. Meine gefühlten Gedanken, meine gedachten Gefühle hängen hoch und tief, sind schwarz und weiß, langsam und schnell, sie leuchten und drohen, fließen und stocken, tanzen und stampfen, höhnen und loben, fallen und steigen. Sie sind Zweiheit in Einheit. Halten mich fest in der Mitte. Vom Anfang zum Ende.

Quelle: Fotos kostenlos

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Interne Verweise

Kommentare

11. Sep 2017

Danke, Axel!
Von den Gefühlen angeregt
beim Denken sich die Freude regt …

LG - Marie

11. Sep 2017

In deinen Zeilen liebe Marie, steht das Leben! Vielseitig, abwechslungsreich und in feinen Nuancen.
Es wird mir bewusst, wie feingestrickt und sensibel der Mensch doch ist.

Liebe Grüße aus einem verregneten und stürmischen Frankreich
Soléa

11. Sep 2017

Danke, liebe Soléa, meine herzlichen Grüße gehen zu dir zurück ins stürmische, aber trotzdem wunderschöne Frankreich ...

Liebe Grüße - Marie

11. Sep 2017

Das Mass aller Dinge ist die Mitte zwischen Übermass und Mangel ( schrieb einst Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik).
Dein Foto ist eine wunderschöne Symbolik für Ausgeglichenheit.

Besinnliche Stunden.

Jürgen

11. Sep 2017

Man verbringt sein Leben damit, diese Mitte zu finden. Das Ziel der Nikomachischen Ethik ist es, so konnte ich lesen, einen Leitfaden zu geben, um zu erlernen, wie man ein guter Mensch wird und wie man ein glückliches Leben führen kann. Danke für den Hinweis und deine Worte, lieber Jürgen.

Liebe Grüße - Marie

11. Sep 2017

Oft sind es immer dieselben Gedanken, mit denen wir uns beschäftigen, Marie. Sie kreisen dann um ein und dieselbe Frage, um ein und dasselbe Erlebnis etc. Man trägt diese Gedanken so lange mit sich herum, bis sie entweder durch andere Ereignisse ins Unterbewusstsein verdrängt oder aber "geklärt" werden. Weniger angenehm ist es, wenn die Gedanken um weit zurückliegende Ereignisse kreisen, die nicht mehr zu ändern sind. - Das war ein furioses Gedicht, Marie, das ich fast atemlos gelesen habe.

Liebe Grüße,
Annelie

11. Sep 2017

Habe vorsichtig mitgedacht und mitgefühlt !
Ein wundervoller Klang in Sprache.
Nachhaltig und achtsam getextet.
Bleibt zum Schluß nur Bewunderung
und ein Gruß von mir zu Dir,
Volker

13. Sep 2017

Danke, lieber Volker, es ist immer eine besondere Freude, von dir zu hören, du bist ein Motivator.
Herzliche Grüße zu dir zurück - Marie