Strom der Zeit

von marie mehrfeld
Mitglied

wehrt euch, alle, steht auf, haltet das
lebendige Grün fest, dem Krach der
wütenden Welt die Stille verordnen
will ich, und gelassen mich treiben

lassen vom Strom der Zeit und mich
doch dagegen stemmen und murren,
weil sie rasend vergeht, ja drück mir
nur deinen Stempel auf, selbst, wenn

er mich mit Schrunden übersät, Leben,
und wenn die Uhren zu schnell ticken
und zu laut, besänftige meine hastige
Unrast, dass ich mich umarmen lasse

von der sanften Glut des Abendrots,
das sich durch die Wolken bricht und
Horizonte im Gegenlicht verschwinden
lässt, Unheil kann ich nicht aufhalten,

doch einen goldenen Teppich knüpfen
aus zärtlichen Gedanken, ja, das kann
ich und auf ihm fliegen, fliegen, fliegen,
dahin wo es leicht sein wird - und hell

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Kommentare

11. Sep 2019

Bin gern ein bisschen mitgeflogen!
(Frau Krause ist falsch abgebogen ...)

LG Axel

12. Sep 2019

Ob das nun Pech ist oder Glück –
Frau Krause kehrt gewiss zurück!

LG an Axel - Marie

11. Sep 2019

Das Grün festhalten sollten wir mit aller Kraft und dem Krach der wütenden Welt die Stille verordnen, ja, unbedingt. Wenn wir es nur ernsthaft wollten. Das sehe ich nicht. Schau Dir alleine die Nachrichten des Tags an. Die Börsenfusion London China, das ganze unwürdige Brexit Elend. Das Iranabkommen außer Kraft gesetzt. Das Wahlversprechen Benjamin Netanjahus, einen Teil des Westjordanlandes zu annektieren, eine eklatante Verletzung der UN-Charta und des Völkerrechts. Der ganz große Aufstand dagegen wird ausbleiben, der mächtigste Mann der Welt wird es unterstützen. Die mangelnde Einigkeit Europas in den wichtigen Fragen. Unsere Hilflosigkeit oder Unfähigkeit in der Flüchtlingsfrage, siehe Griechenland, erneut chaotische Zustände auf Moria und Lesbos, medizinische Versorgung kaum möglich. Ich wünsche Dir Glück beim Weben eines Teppichs aus zärtlichen Worten, um dem allem zu entkommen. Das fiel mir ein beim Lesen Deines Gedichts von heute, das mich sehr angesprochen hat, Marie.

Liebe Grüße zur Abendstunde – D.R.

12. Sep 2019

Danke für Dein ausführliches Eingehen, Detmar, was Du da beschreibst, denke und fühle ich auch, allgemeine Auflösungstendenz, erstaunlich dennoch, dass Du es mit dem Gedicht in Verbindung bringst, wenn der Teppich gewebt ist, sage ich Dir Bescheid, vielleicht willst Du mitfliegen?

Liebe Grüße - Marie

12. Sep 2019

An das GÖTTLICHE denken die, die es selber sind. (Leider von Hölderlin und nicht von mir)
HG Olaf

14. Sep 2019

Friedrich Hölderlin; weder Romantiker noch Klassiker war er, aber einer der größten Dichter seiner Zeit, seine Gedichte berühren heute noch …

HG Marie

12. Sep 2019

Wehren und sich treiben lassen, auflehnen und gleichzeitig wissen, es gibt kein Aussteigen aus dem Strom der Zeit; viellt nur dieser winzig kleine, schöne Moment, den Du im " goldenen Teppich knüpfen aus zärtlichen Gedanken", wundervolle Aussage, beschreibst.
Herzlich grüßt Dich, liebe Marie, Ingeborg

14. Sep 2019

Danke, liebe Ingeborg, der Traum vom fliegenden Teppich, der mich davon trägt dahin, wo es hell ist, bleibt wohl unerfüllt, ist aber eine verlockende Vorstellung und erinnert mich an die orientalischen Märchen meiner Kindheit aus „Tausendundeiner Nacht“ …

sei herzlich gegrüßt - Marie

13. Sep 2019

Es sieht so aus, dass die Zeichen der Zeit nicht genügend Verteidiger fand, denn solche Strukturen entwickeln sich erst bis sie sich etabliert haben. Heutzutage, im digitalen Zeitalter, überschlagen sich die adhoc-Meldungen im Minutentakt. Aber wir sind auch die Konsumenten dieser Nachrichten. Es ist auch die Angst vor der Zeit, die so rasant vergeht. Wir haben sie zum Feind erklärt und sind daher die Verlierer.
LG Jürgen

14. Sep 2019

Das kann ich nur unterstreichen - es ist auch die Angst vor der Zeit, die so rasant vergeht, wir haben sie zum Feind erklärt und sind daher die Verlierer; danke dafür, Jürgen.

Liebe Grüße zurück - Marie