Jedem das Seine

von Annelie Kelch
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Die Zeit fließt leise – wie moderne schnelle Züge;
wir sitzen drin und merken nichts vom Reisen.
Glück, Trauer, Leid und Lebenslüge
sind Meilensteine auf den Nebengleisen,
und wer die Wahl hat, leidet ganz gewiss
nicht unter Qual.

Auf Schnee folgt meistens kalter Regen,
auf Glück und Leid das Lebenseinerlei.
Nichts Gutes zu erwarten, bringt oft Segen,
und wer die Freiheit liebt, der schwimmt sich meistens frei -
von tausend Zwängen, frommer Artigkeit, Gefühleduselei.

Wem früher Städte ein und alles waren, kann geschehen,
dass Stille und Natur ihn fesselnd binden.
Wer früher Tiere aß, kann plötzlich tote Tiere nicht mehr sehen
und liebt statt teurer Rosen nur noch Ackerwinden.

Wer in Gesellschaft glücklich war, ist plötzlich gern allein
und liest sich durch diverse Bibliotheken,
und Wodkatrinker trinken abends mit der Gattin
nur noch Wein.
Wer wirklich einsam ist, der kann auf Seelenreisen
mancherlei entdecken.

Wir sitzen alle in demselben Zug nach Irgendwo
und reisen nach dorthin aus allen Richtungen
auf unzählbaren, mannigfachen Wegen.
Wer eines hat, kann unterwegs sein Image pflegen,
wer keines hat, das hoffe ich: wird trotzdem froh.

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