Doch wo beginnt die Schuld und wo hört diese auf?

von Ella Sander
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Ich würde mich so gerne zugehörig fühlen dürfen,
Die Arme meines Volkes Stamm sind mir versagt;
Es ist nicht Stolz, der mich bewegt, sondern ein Sehnen:
Ich möchte mich geborgen fühlen dürfen - ungeplagt.

Mein Land, die Heimat der Dichter und Denker,
Trägt mir 'ne Bürde auf, 'ne alte, schwere Schuld;
Ein Kreuz, das ich als Enkel wohl muss tragen
Und Buße tun, für einstmals blinde Huld.

Doch wo beginnt die Schuld und wo hört diese auf?
Werde ich jemals frei gelassen von des Großvaters Versagen?
Der Mund der Welt zeigt mit erhob'nen Fingern drauf;
Bemalt wird, wie ein Stigma, braun der Kragen...

auch wenn ich keinen braunen Geist beherberge im Herzen.
Das unfassbare Leid von einst brennt in der Seel'.
Leugner des Leids - Wacht auf!
Um alles Braune auszumerzen!
Dass Wunden heilen können;
Für die Kindeskinder wünsch' ich's mir.

Ich würde mich so gerne zugehörig fühlen dürfen,
Die Arme meines Volkes Stamm sind mir versagt;
Es ist nicht Stolz, der mich bewegt, sondern ein Sehnen:
Die Sehnsucht Deutsche sein zu dürfen - ungeplagt.

Geborgen wurde ich zwar in Transsilvanien (Rumänien), gehöre jedoch zur deutschen Minderheit der Siebenbürger-Sachsen. In Rumänien wurden wir als Hitleristen beschimpft, unterdrückt und gedemütigt, worauf wir in unser Mutterland (BRD) auswanderten. Hier, in der BRD, werden wir, durch die Unwissenheit der Menschen, als Rumänen wahrgenommen und bezeichnet, was einer tiefen Kränkung gleichkommt.
Es ist eine doppelte Bürde, die manchmal etwas schwer zu tragen ist.

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Kommentare

12. Nov 2018

Zwischen den Stühlen sitzt man dann -
Obgleich man gar nichts dafür kann ...

LG Axel

12. Nov 2018

Ja, die Frage wie lange wir für die Schuld unserer Großväter büßen müssen, bleibt wohl offen, und die Siebenbürger-Sachsen wird es wohl nicht mehr allzu lange geben. Da meine Kinder hier geborgen wurden, haben sie kaum einen Bezug zu Siebenbürgen (Transsilvanien).
Einerseits gut, eine Bürde weniger, andererseits traurig weil ein Teil deutscher Kultur verloren geht.

Vielen Dank für den zutreffenden Kommentar, lieber Axel.
Habe nicht damit gerechnet, dass dieses Gedicht Zuspruch findet. Umso mehr freue ich mich darüber :)

Ganz liebe Grüße,
Ella

12. Nov 2018

Liebe, liebe Ella,lass dir Gemeinheit einiger dummer Menschen nicht mehr Bürde sein. Freu dich, du hast nicht Schuld zu schleppen, Schuld liegt erneut nur auf ihnen!
LG Uwe

12. Nov 2018

Vielleicht bin ich auch einfach nur zu sensibel, lieber Uwe.
Wenn ich die Aufmärsche der Neonazis sehe, schäme ich mich, dass in meinem Pass, genau wie in deren, Staatsangehörigkeit: Deutsch, steht.
Ob ich wohl die einzige bin, die so fühlt?

Vielen Dank für den aufmunternden Kommentar, lieber Uwe. Freue mich sehr darüber :)

Liebe Grüße,
Ella

12. Nov 2018

Liebe Ella, manches wird sich nie ändern, der „Ruf“ eilt immer voraus. Du bist damit nicht allein, glaub mir, doch es könnte so viel anders und auch besser sein.

Sei lieb gegrüßt
Soléa

12. Nov 2018

Als meine Tochter vor zwei Jahren in Amerika war, wurde sie gefragt, ob sie Hitler persönlich kenne. Sie war schockiert und wusste nicht wie sie mit der Frage umgehen sollte. Sie entschied sich einen Witz zu machen und sagte, dass sie ihn kennt, er sei ja schließlich ihr Großvater. Alle lachten und das Eis war gebrochen.
Humor als Vergangenheitsbewältigung, vielleicht nicht unbedingt das Schlechteste.

Vielen Dank liebe Soléa. Freue mich sehr über Deinen Kommentar :)

Liebe Grüße,
Ella

13. Nov 2018

Oh, Ella. Hör nicht hin und kümmere Dich um das dämliche Geschwätz; dümmer und törichter geht es doch schon gar nicht mehr. Die größten Dichter kommen aus dieser Gegend, Paul Celan, Eugen Ionescu u.v.a. Rose Ausländer lebte dort; die Kultur blühte wie die schönsten Rosen. Menschen, die andere beleidigen und demütigen müssen, weil 's Gehirn so furchtbar leer ist, beleidigen und demütigen sich selbst am meisten. Man kann solch unglückliches Volk nicht ändern. Denke da bitte keinen Augenblick drüber nach; die sind einfach nicht vorhanden.

Ganz liebe Grüße zu Dir,
Annelie

13. Nov 2018

Liebe Annelie,
Deine lieben und verständnisvollen Worte sind sehr tröstlich. Ich danke Dir von Herzen.
Zu sehen, wie vielen Menschen es so ergeht, ist sehr schmerzlich. Als ich das Gedicht schrieb, dachte ich an all diejenigen, die, traurigerweise, diese Erfahrungen machen müssen, still leiden und dennoch gute Menschen bleiben.

Ganz liebe Grüße,
Ella

16. Nov 2018

Liebe Ella,

danke sehr für das tiefgehende Gedicht. Auch ich habe schwer an dieser Thematik zu tragen, von der Elterngeneration, die Flüchtlinge aus dem Osten waren, entfremdet, von der Nazi-Thematik schwer beladen. Ich werde morgen einige Gedichte zu diesem Thema einstellen. Bleib dran an dem Thema. Es lohnt sich.

LG

Angelika

16. Nov 2018

Hallo Angelika
Ja, es ist eine schweres Thema, über das noch immer nicht gerne gesprochen wird. Der Zweite Weltkrieg wirft sehr lange Schatten, deren kühle , auch heute noch, deutlich zu spüren ist.
Freue mich auf Deine Gedichte morgen. Hoffentlich habe ich Zeit zu lesen, wir bekommen Besuch.
Dankeschön für den Kommentar, liebe Angelika.
Habe mich sehr darüber gefreut :)

Herzliche Abendgrüße,
Ella