Schweigende Liebe

von Annelie Kelch
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Die Toten schlafen längst in ihren Gräbern,
indes ich träume, träume, träume …
noch immer von den fernen Tagen - längst vergangen,
als wüsste ich allein und ohne euch nichts anzufangen,
als gäbe es auf Erden nichts, das ich versäume.

Ich stehe morgens auf und zähle 100 Bürstenstriche in mein Haar
und frage mich dabei, wie es euch jetzt ergehen mag
und denke, dass die Zeit mit euch meist schwierig, selten heiter war
und ob es euch nicht kalt und einsam ist im Sarg.

Ich hätte euch so viele Dinge gern gefragt;
ihr hattet wenig Zeit für mich und wolltet eure Ruhe.
In meinem Herzen staute sich, was nie gesagt.
Und manchmal war mir kalt mit euch wie in 'ner Tiefkühltruhe.

Ob ich euch hier auf Erden jemals wiedersehe -
vielleicht in einem anderen und bess'ren Leben?
Erkennt ihr mich, wenn ich aus heit'rem Himmel vor euch stehe
und würde euch wie mir dann auch das Herze beben?

Trotz allem hatte ich euch damals wirklich lieb.
Deshalb enthielt ich mich durchaus berechtigter Proteste.
Paar Fotos, schwarz-weiß, bunt, sind alles, was mir von euch blieb -
und die Erinnerung an viele schöne Weihnachtsfeste.

Nur selten durfte ich euch meine Liebe zeigen;
ihr habt dafür gesorgt, dass ich auch hassen lernte.
Und manchmal bin ich sogar dankbar: Ich kann schweigen,
selbst wenn ich dafür nichts als Unverständnis ernte.

Der Weg; Foto: Annelie Kelch, umgewandelt digital in PopArt
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Kommentare

13. Mai 2017

Irgendwann werden alle Fragen beantwortet und das Schweigen geht über in RedSeligkeit !
Guter, schwieriger Text mit einer Portion " Nachdenken " !!!
Gern gelesen und heute schon diskutiert.
Herzliche Wochenendgrüsse,
Volker

13. Mai 2017

Dank, Volker, dir, für deinen Kommentar:
Ach, wenn du wüsstest, wie es früher manchmal war
und wenn man eher ruhig ist und manches schluckt:
des lieben Friedens willens selten aufgemuckt.
Der Krieg nahm nicht nur Leben, auch die Illusionen;
davon konnten sich manche Menschen nie erholen.

LG Annelie

13. Mai 2017

Das berührt mich, Annelie, weil es gut geschrieben ist - und weil ich oft Ähnliches fühle. "Meine Toten" fehlen mir auch sehr.
Liebe Grüße, Marie

13. Mai 2017

Danke, Marie!

Ein schönes Wochenende für dich
und ganz liebe Grüße,
Annelie

13. Mai 2017

Eine schweigende Liebe zu definieren,
ist nicht so einfach, man hat was zu sagen.
Ein Trick der Natur, oder das Licht des Lebens,
Jedenfalls ein Umstand, er war nie vergebends.
Die Illusion, dass man sich unterscheidet,
wenn man verschieden war, jetzt keiner leidet.,
die Überzeugung doch, die man erstritten,
tut nicht mehr weh, wenn man gelitten !
So hat ein jeder davon profitiert,
die eine hält sich warm dabei,der andere friert !

14. Mai 2017

Lieber Alfred,
herzlichen Dank für deinen dichterischen Kommentar und gleichzeitig die besten Wünsche zu deinem 85. Geburtstag. Ist doch toll, dass du es bis dahin geschafft hast, und ich wünsche dir und hoffe, dass es dir gesundheitlich bald besser geht und ich dir auch noch zum 95. Geburtstag gratulieren kann. Muttertag und Geburtstag: Schöner kann ein Geburtstag doch gar nicht fallen. Das bringt gewiss Glück.

Alles Liebe für dich und die Deinen
wünscht dir von ganzem Herzen,
Annelie