Schwarzes Licht

von Anouk Ferez
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Himmelsschlachtfeld, die Posaune schrillt,
malst mir mit schwarzem Licht ein Bild,
und Blut ist Bodensatz im Farbentopf.

Raues Flüstern, das den Schrei verzehrt,
hat meinen Tross die Flucht gelehrt
in Landen wo kein Hoffen gilt
und Abstinenz den Hunger stillt.

Ödnis, stummer Eremit in meinem Kopf,
zerschweigst getreu den virulenten Kropf,
der flüsternd aus erlahmtem Willen spross.

Wüstenei, speis meine abgezehrte Traurigkeit!
Was mich einst schmückte, starb lang vor der Zeit
als mich ein erstes Omen bang durchfloss.

Dunkelheit, ich fleh dich an, frei meinen Geist
durch jenes schwarze Licht, das Tod verheißt:
die Seele lös vom Fleisch, das sie umschloss.

Kann Psyche schlafen, wird sie taub
und blind, und stumm oder geraubt
von Seelenfressern, oder goss
sich eine Ahnung leis, ganz leis
in unbefangene Herzensglut?

Schwarzes Licht, versieg das Blut
in meinen Adern, gib mir Mut
dem Leben zu entsteigen,
tauch die Wut
in Schatten, wiege sacht
sie in körperlosem Schweigen.

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Interne Verweise

Kommentare

13. Jul 2017

Liebe Anouk, das ist ein Gedicht, das mich sehr beeindruckt; Antigone, Tochter des Ödipus, hätte es auf der Bühne sprechen können - bevor Kreon sie zum Tode verurteilte. Das ist Bühnendichtung vom Feinsten.

Liebe Grüße,
Annelie

14. Jul 2017

Liebe Annelie, ich habe aufgrund deines Kommentars die Geschichte der Antigone nachgegoogelt...Diese Geschichte war höchst unschön, wie sich zeigt und ihr Tod nur einer in einer ganzen Reihe Suizide. Puh.
Ich schrieb dieses Gedicht um zu zeigen, wie laut eine Seele schreien kann: Angst . Verzweiflung. Es gibt so vieles was eine Seele schreien lässt.
Liebe Grüße, Danke für deinen Kommentar ,der gibt mir neue Denkanstöße!

Beste Wünsche von Anouk

14. Jul 2017

Liebe Anouk, du bist eine Bühnendichterin. Ich erwarte mit großer Freude und Spannung dein erstes kleines Bühnenstück.

Liebe Grüße.
Annelie

15. Jul 2017

Liebe Annelie, dass du das sagst lässt mich ganz rot werden. Offen gestanden war ich erst dreimal in meinem Leben im Theater ( und das letzte mal ist mehr als ein Jahrzehnt her)... Dieses Gedicht kam eben einfach so aus mir heraus. So wie immer, wenn ich etwas beobachte oder in mir selbst fühlt, schreibe ich es mir von der Seele. Mehr ist das nicht. Aber Dein Lob und was du mir zutraust, macht mich froh!
lG
Anouk

14. Jul 2017

Liebe Axel ich will nicht hoffen
dass dies klassisch ist- das sag ich offen-:
ich wünsch mir, dass nicht alle Seelen
sich wie diese im Gedichte quälen!

:-)
Liebe Grüße
Anouk

14. Jul 2017

Wie schon so oft, mal wieder ein grandioses Gedicht Anouk.
Ich verneige mich in Ehrfurcht. ;-)

Grüßle

Susan

15. Jul 2017

Liebe Susan, ich bin oft etwas pathetisch, wenn ich mich ausdrücke. Glaube mir, es gibt auch sehr sehr viele Menschen , die das heftig kritisieren und sagen: "Mensch, mach's doch nicht so umständlich, sag's einfach schlicht!"

Aber so bin ich nun mal. Ich beobachte. Oder ich fühle in mir selbst etwas. Und schreibe es nieder wie die Worte grade die Gefühle oder Beobachtungen beschreiben.

Ich freue mich sehr, dass Dir meine Gedichte gefallen, danke für Denen lieben Kommentar, liebe Grüße
Anouk