Im Sterben hält mich der Tod am Leben

von Ella Sander
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Der Stuhl, auf dem ich sitze, zeugt vom Tod,
Der Tisch, an dem ich Nahrung zu mir nehme, auch;
Der Baum, der dafür starb, vielleicht im Morgenrot,
Ereilt vom Tod, für mich, durch dessen Hauch.

Was bin auch ich mehr, als das Werden im Vergehen?
Das Brot, das Fleisch, das ich verzehre: Todes Segen.
Nie würde ich ohne den Tod bestehen;
Und selbst im Sterben hält der Tod mich noch am Leben.

Auch ich muss gehn, wenn meine Zeit gekommen,
Mein stetes Sterben kommt zum Höhepunkt, zum Schluss.
Der Tod schenkt so viel mehr, als er genommen;
Er schenkt das Leben immerzu in seinem Fluss.

Danke Anouk.
Ohne Deine Inspiration gäbe es dieses Gedicht nicht.

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Kommentare

13. Okt 2018

Ganz hervorragend, Ella. Ein Gedicht von Dir, das ich mit Staunen gelesen habe. Das hast Du meisterhaft gedichtet!

Liebe Grüße,
Annelie

13. Okt 2018

Vielen Dank, liebe Annelie.
Immer wieder stelle ich, mit Erstaunen, fest, dass meine Ansichten vom Tod, andere sind, als die gängigen.
Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, wie ich aufgewachsen bin. Da wo ich herkomme ist der Tod kein Schreckgespenst, sondern gehört, ganz natürlich, zum Leben dazu.

Alles Liebe, verbunden mit herzlichen Grüßen,
Ella

14. Okt 2018

Liebe Ella, ja, wie Annelie auch schreibt, ein hervorragendes Gedicht - obwohl ich den Tod anders ansehe, als den letzten Feind.
LG Uwe

14. Okt 2018

Lieber Uwe,
dieses Gedicht lädt zu einem Perspektive-Wechsel ein.
Wer weiß, vielleicht kannst Du den Tod eines Tages als Freund betrachten, weil er Dir das Leben schenkt, auch wenn er es sich, wenn die Zeit gekommen ist, wieder zurückholt. Aber bis dahin, kannst Du seine Vorzüge genießen; das Leben.
Und wenn nicht, auch gut. Dem Tod ist das egal ;)

Lieben Gruß,
Ella

14. Okt 2018

Ach so, lieber Uwe, hast Du den Code für Jenno's Gedicht "Me too- Fazit" entschlüsselt? Wenn nicht, hier ein kleiner Tipp: von unten nach oben, von rechts nach links :)

14. Okt 2018

Ein sehr nachdenklich machendes Gedicht, liebe Ella. Tatsächlich ist unser ganzes Lebensumfeld aus dem Tod anderer Wesen entstanden. Ist das natürlich oder traurig? Ich weiß es nicht. Ginge es denn anders? Du hast einen wunderbar tiefgründigen Text geschrieben.

Herzliche Sonntagsgrüße, Susanna

14. Okt 2018

Liebe Susanna,
über Deinen Kommentar habe ich mich unheimlich gefreut, beschreibt er doch genau das, was ich mit dem Gedicht ausdrücken wollte. Wie schön, freue mich so sehr, da das Thema ja kein angenehmes ist.
Wir denken oft über das Leben nach und ignorieren dabei, dass der Tod ganz selbstverständlich dazugehört.
In der Regel verbreitet der Tod Angst und Schrecken, am liebsten würden wir ihn aus unserem Leben verbannen und wir vermeiden es, über ihn nachzudenken.
Dabei ist der Tod, wie Du schon gesagt hast, immer da, er ist Teil unserer Existenz und wir können nur leben weil es ihn gibt. Es sind die zwei Seiten derselbe Medaille. Ohne Leben, keinen Tod, ohne Tod, kein Leben.
Es ist der natürliche Kreislauf des Lebens, dem auch wir unterliegen. Ich wüsste nicht, wie wir dem entkommen könnten. Wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, bekommt der Tod plötzlich ein anderes Gesicht. Um leben zu können, sind wir auf ihn angewiesen. Ohne ihn, gäbe es uns nicht, wir könnten nicht existieren. Sicher, eines Tages, wenn meine Zeit gekommen ist, muss ich gehen, weil das nun mal der Lauf der Dinge ist, aber bis dahin bin ich unendlich dankbar und genieße seine Gabe; das Leben.

Ganz liebe Grüße,
Ella