Stumme Schreie ...

von Annelie Kelch
Mitglied

Weshalb schreist du so
Alter Mond
Ich hab dich längst gehört ...

Ist schon wieder
Ein Mord passiert –? Schaust aus
Wie der Elende von Munch

Möchst hinabsteigen –?
Ich rat dir: Bleib oben.
Kannst eh nichts ausrichten

Bist halt kein Hellseher …
Hast dich weit 'nuntergewagt heut
Ich staune …

Letzter Nachtgang …?
Über die Dächer kriecht
Das Leid aus den Fenstern

Nur die Toten bleiben
In dunklen Zimmern
Und schweigen sich aus

Auch ich lag einst ...
Wie eine Tote vor Furcht,
Auch mein Schrei

Blieb mir im Hals stecken:
Ein Kind
Das zu lange den Atem anhält.

Wie deine Schatten schön …
Dich begleiten … Ich?
Nein, bitte dräng mich nicht

Ich bleib noch ein Weilchen
Hier unten bei …
Ach, du weißt ja längst alles ...

Alter Mond ...
Krieg ich den einen nicht,
Nehm ich nimmer den anderen

Nun lächelst du …
Morgen bringt alles die Sonne –
An den lichten Tag …?

Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr im Mond das Gesicht des Mannes (Wesen mit Totenkopf), der den (stummen) Schrei von Edvard Munch trägt ... In der Ecke, unten links, seht ihr den oberen Rest eines Hauses.

Ich habe ein eigenes Foto (mit weißem Mond) zu diesem Bild verändert ... copyright: anne li
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Kommentare

14. Jun 2018

Ich höre den Schrei, Annelie, obwohl er stumm ist, ich sehe das Gesicht des Malers Munch im Mond, und ich lobe Dein ausgezeichnetes Heiku Kettengedicht ...

liebe Grüße - Marie

14. Jun 2018

Danke, liebe Marie, ich freue mich sehr über dein Lob.

Liebe Grüße,
Annelie

14. Jun 2018

Der Leser schaut nicht in den Mond -
Denn Dein Gedicht hat sich gelohnt!
(Ein stummer Schrei wär gar nicht schlecht -
Wenn ich an Krause denken möcht ...)

LG Axel

14. Jun 2018

Wenn Krause wär: die Frau im Mond,
dann blieb die Erde - unbewohnt.
Für niemand wäre es ein Segen
käme vom Himmel Bier - statt Regen.
Auch für den Mond kann man nur hoffen ...
Die zwei sind jede Nacht besoffen.
Die Erd blieb dunkel wie im Sack:
Der Mond nimmt Krause huckepack.

LG Annelie

14. Jun 2018

Hallo Marie,
der Mond hat den Menschen schon immer zu allen möglichen Fantasien angeregt.
Deiner hier ist wohl eher ein das Leid Spiegelnder. Schön, dass am Morgen die Sonne lacht
und so das Gleichgewicht der Gefühle wieder herstellt.
Gern gelesen und LG
Perry

14. Jun 2018

Danke für Deinen wohlwollenden Kommentar, lieber Perry. Aber "ich bin nicht Mary, sondern Jane ..." (Lied von Mary Roos: "Ich bin Mary, und nicht Jane ...") Nein, ich bin Annelie. Du hast uns verwechselt. Schreiben wir denn so ähnlich?

Liebe Grüße,
Annelie

14. Jun 2018

Hallo Annelie,
entschuldige die Namensverwechslung, ich bin bei der Anrede anscheinend noch gedanklich bei einem Text von Marie gewesen.
Ihr schreibt beide sehr gute Texte und ich muss mich erst noch ein wenig in die Textarbeit hier im Portal einarbeiten.
LG
Perry/Manfred

15. Jun 2018

Es gab Zeiten in meinem Leben, da liebte ich den 'Stummen Schrei' von Edvard Munch. Weil das Bild mein Innerstes spiegelte. Der Mond war mein Beschützer. Dein Gedicht weckt Erinnerungen, längst überwundene Gefühle, die hier noch einmal Ausdruck finden. Ich danke Dir dafür, dass ich mich so als Ganzes sehen kann.

Liebe Grüße, Susanna

15. Jun 2018

Liebe Susanna, ganz lieben Dank für Deinen sehr persönlichen Kommentar. Auch ich kenne die Situation des stummen Schreis, insbesondere in meiner Phase als Kleinkind, als ich jahrelang der Situation des - schon gewalttätigen - Mobbings ausgesetzt war durch eine mir "nahestehenden" Person. Meine Eltern habe mehr geahnt als gewusst, aber das Ausmaß konnten sie nicht erkennen. Und ich bekam genug Drohungen, nichts davon zu erzählen. Aus diesem Grund hasse ich MobberInnen, weil ich weiß, wozu solche primitiven Leute fähig sind und was für einen aufdringlichen, unsensiblen Charakter sie haben. Ich hoffe, dass Du in Deiner "Stummen-Schrei-Situation" schon älter warst und etwas besser damit umgehen konntest. Alles Liebe für Dich.

Liebe Grüße,
Annelie

15. Jun 2018

Ein stummer Schrei, ein Stich ins Herz:
Erzählt er doch von Leid und Schmerz …

Viele Grüße zu Dir nach Lübeck
Soléa

15. Jun 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen schönen poetischen Kommentar.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie