Die Weide

von Jürgen Wagner
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Am Wasser gebaut
Dem Winde vertraut

So biegsam und weich
Schmerzlindernd und reich

Vital voller Leben
Sie hat was zu geben

Bewegt und gelassen:
Das kann uns erfassen!

2017 - Die Weide als Wasserbaum ist eine 'Mutter' - seit alters her mit dem Mond verbunden, mit Heilkraft und mit künstlerischer Inspiration. Ihre Fruchtbarkeit ist enorm und ihre regenerative Kraft bewundernswert. Bruchstücke, die der Sturm übrig gelassen hat, treiben alsbald wieder ganze Bündel von neuen Ruten aus. Als Einzelbaum wird sie im besten Fall 120 Jahre alt, aber ihre Triebe wachsen lange darüber hinaus weiter. Viele Göttinnen der alten Welt hatten ihre Weiden. Der Wind in den Zweigen schenkte den Dichtern Eingebungen, aus dem Holz stellte man Flöten und Harfen her. In christlicher Zeit wurde er mit den Hexen in Verbindung gebracht, aber seine Heilkräfte und die Herstellung von Körben und Besen aus den biegsamen Ruten machten ihn unentbehrlich für die Menschen. Der Wirkstoff der Weide, das Salicin, ist noch heute die Basis des Aspririn. Die Weide, die sich gerne in Flussauen ansiedelt, wehrt damit Krankheiten ab, die durch die große Feuchtigkeit entstehen. Weidenruten werden als Wünschelruten verwendet, da Weidenholz stark auf Wasser anspricht. Dass wir uns zu Weiden hingezogen fühlen, hat auch damit zu tun, dass mit dem Wasser das Reich der Gefühle einhergeht, die sie wecken können. Der Kontakt mit den mütterlichen Gründen kann ins Träumen führen oder in die Schwere des Wassers und des Gemütes, aber auch ins Übersinnliche und Kreative.

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Text, Musik und Gestaltung: Jürgen Wagner

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Kommentare

Adrian
15. Mai 2017

Hatte seither keinerlei Beziehung zu Weiden, einmal abgesehen von Palmkätzchen und Körben. Wusste auch nicht, dass jede Baumart sowas wie einen eigenen Charakter hat.

Doch nun bin ich erstaunt und irgendwie "erfasst" wie im Gedicht. Werde heute Abend gehen und Weiden anschauen. Danke für die Anregung!
Adrian

16. Mai 2017

Lieg an ihrem Stamm
und träum mit ihren Zweigen,
Doch wehre ihrem Bann
Find mit ihr einen Reigen

Gute Idee! Mit herzlichen Grüßen! JW

Drei alte Weiden
15. Mai 2017

fühlen uns gesehen
die Musik passt zu uns
sie ist schön

kannst du die mal bei uns spielen
wir stehen da an der Rems
wo du immer nach Vögeln schaust

schlaf gut heut Nacht
und träum von uns
drei alten Weiden

16. Mai 2017

Das Weidenkätzchen

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grüner Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch
ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt!

Wollens gern dir sagen:
wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen,
Lieber,
in tieftiefem Traum.

In dem dürren Baume,
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
in dem Holz, dem harten,
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?

Musst dich recht besinnen;
was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt
und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen lässt.

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß,
ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt.

Christian Morgenstern
(1871-1914)

Mit Grüßen! JW

16. Mai 2017

Oh ja, dieses Lied hab ich schon oft gesungen und war mit anderen verzaubert. Wiegend sanft und eine ewig scheinende Melodie, ganz wie die Weide selbst. So ein einfacher starker Baum. Nun weiß ich auch, dass er mondverbunden ist. Danke.
Lg Karin

16. Mai 2017

Es ist schön, so ein wenig mit diesem Baum zu träumen, zu wiegen und sein gelassenes Wesen zu spüren. Danke! LG! Jürgen