Wüchsen Bücher auf Bäumen ...

von Annelie Kelch
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Wüchsen Bücher auf Bäumen
und wären die letzten Seiten
im Herbst gereift, so dass man
sie ernten könnte, was für eine
wunderbare „Lese“ wäre das!

Wäre ich der Mond und meine Sehnsucht
nach der Sonne so groß, dass ich vom
Himmel fallen möchte, um sie jeden
Morgen zu begrüßen, hätte ich der Nacht
längst den Rücken gekehrt.

Könnte ich mich in einen Schmetterling
verwandeln, würde ich dir auf der Nase
herumtanzen und dich auf eine einsame
Insel im Mittelmeer locken.

Wäre ich ein Stern …
würde ich leuchten in der Finsternis,
was die Nacht hält, und alle, die im
Dunkeln unterwegs sind, nach Hause begleiten.

Und wenn euch Gefahr drohte,
würde ich explodieren und eure Verfolger
in meinen goldenen Staub einhüllen, bis ihr
über alle Berge seid.

Wäre ich der Wind, würde ich auch in
geschlossenen Räumen die Seiten der Bücher,
darin ihr gerade lest, für euch umblättern.

Und wenn sich ein böser Bluterguss an
deinem Handgelenk befände, weil jemand in
schlechter Absicht dich angepackt hätte mit aller Härte
und es wäre grad Sommer und du trügest
deine grüne, kurzärmelige Lieblingsbluse, würde ich
so lange auf das Schandmal pusten, bis die Gemeinheit
nicht mehr schmerzt.

Auch über die Wiese, darauf ein Zirkus gastiert,
segelte ich und kühlte die Mütchen der Tiger und Löwen,
damit sie während der Vorstellung keine
Dompteure oder Zuschauer verspeisen und die
Kinder ohne Hass im Herzen das Zelt verlassen können.

Und wäre ich Gott …
Ja, dann würde ich alle Menschen zufrieden
und glücklich machen und all die Tränen
sammeln, die sie geweint hätten, wenn es mich
nicht gäbe.
Ich würde das Weh und Ach vom Himmel hinab
auf die Wüsten gießen, es pladdern lassen in der
Sahel-Zone und in der Sahara wie niemals zuvor,
und jedermann sehnte sich danach, nach dorthin
zu fahren, um sein „blühendes Wunder“ zu erleben.

Collage; copyright Annelie Kelch
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Kommentare

16. Jun 2018

Sehr schön gelungen, Bild und Gedicht!
(Krause kehrt auch den RÜCKEN nicht ...)

LG Axel

16. Jun 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar:
Die Sehnsucht nach dem Bier statt nach der Sonne
ist größer wohl bei Krause ganz unzweifelbar.

LG Annelie

16. Jun 2018

Im Frühjahr sprießt die Leipziger Knospe,
im Herbst fliegen die Frankfurter Blätter in alle Welt hinaus.

LG Jürgen

16. Jun 2018

Dank, lieber Jürgen, Dir, für Deinen Kommentar:
Auch Du fliegst wie die Frankfurter Blätter durch die Welt
und bleibst grad dort, wo 's Dir gefällt.

LG Annelie

16. Jun 2018

Ach, könnten sich all Deine wundervollen Wünsche erfüllen, wären wir nicht mehr in dieser Welt.
Liebe Annelie, das ist zu schön, um wahr zu sein. Danke für Deine Träume.

LG Monika

16. Jun 2018

Danke, liebe Monka, für Deinen Kommentar. Wer weiß, was für ein Leben nach dem Tod kommt, sofern überhaupt eines möglich ist - aber falls doch, haben wir es sicher mit Engeln und nicht mehr mit Kriegstreibern und Menschen, die das Gen des Unfriedenstiftens in sich tragen, zu tun. Sollten die bereits vorher von der Erde verschwinden, wäre mehr Platz für die Friedlichen und unserer Erde würde es schon viel besser gehen.

Liebe Grüße zu Dir und ein schönes Wochenende,
Annelie

16. Jun 2018

Nachdenklich stimmendes Annelie Gedicht, wunderschöne Illustration, aber ich wünsche mir dennoch nicht, dass Bücher auf Bäumen wachsen, dass sie jeder pflücken kann, denn nicht alle Bücher verbreiten gute Gedanken ...

liebe Grüße - Marie

16. Jun 2018

Oh, Marie, diesen Kommentar habe ich nicht von Dir erwartet. Ich habe, ganz ehrlich gesagt, noch nie ein Buch gelesen, dass schlechtere Gedanken verbreitet hätte, als das Fernsehen. Ich wünsche mir, dass jeder Bücher pflücken könnte. Die Bäume wären dann eine einzige Bücherhalle. Bei Regen bekämen sie Capes übergestreift. Selbstverständlich können nicht alle Bücher an der Chose teilnehmen. Wie wäre es mit einem Büchergarten - statt Bücherhallen. Ich glaube, sehr viele Menschen wünschen sich Bücher, die sie sich aber nicht leisten können. Das tut mir fast im Herzen weh. Gerade das Potenzial, das in meisten Büchern steckt, sollte allen Menschen zugänglich sein. Vielleicht hört dann endlich die Langeweile auf, die manche Menschen dazu treibt, Unfug zu treiben. Lieben Dank aber für Deinen Kommentar und

ein wunderschönes Wochenende - mit einem guten Buch? Ich lese gerade "Der Zitronentisch" von Julian Barnes - und wusste bereits nach zwei Seiten, was mich die nächsten 251 Seiten erwarten wird: Das witzige, freche, fast unübertreffliche Feuerwerk aus Gedanken eines unglaublich guten Autors.

Annelie

16. Jun 2018

Recht hast Du mit Deinem wichtigen Anliegen, das ich ganz und gar teile, auch ich lese viel, dennoch gibt es auch Bücher, deren Inhalte besser nicht geteilt werden sollten, wie wäre es, wenn nur z.B. "Mein Kampf" nie geschrieben und veröffentlicht worden wäre ...

Liebe Grüße Marie

16. Jun 2018

Liebe Marie, wenn dieser ominöse "Kampf" nicht stattgefunden hätte, wäre den Menschen vieles erspart geblieben. War dieses dämliche Buch nicht schon einmal verboten? Nun ist es auch noch, glaube ich, neu aufgelegt worden. Ich frage mich, weshalb
diese Aufmerksamkeit um das Buch eines Irren, der einen Weltkrieg angezettelt und, unabhängig davon, mehr als sechs Millionen Menschen in den Tod treiben ließ.

Liebe Grüße,
Annelie

17. Jun 2018

Die irdische Welt wird nie brav sein, war es nie. In den paar Tagen, die ich durch Schottland reisen durfte sah ich so viele geschichtsträchtige Ruinen die von Schlachten und Tod erzählen, das ich noch mehr nachdenklich wurde. Erst im Tod ist Ruhe und hoffentlich Friede … dein „Buchbaum“ sollte mit wahrer Zeitgeschichte, in Wort und Bild, bestückt sein.

LG in deinen Sonntag
Soléa

17. Jun 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen interessanten Kommentar. Muss wirklich schön sein, dort, in den Highlands - trotz dieser Ruinen, die Geschichten von grausamen Schlachten erzählen können. Wir sollten schon jetzt, hier auf Erden, versuchen, Ruhe und Frieden zu schaffen, zu allererst in unseren Herzen. Dein Vorschlag ist gut: Zeitgeschichte in Wort und Bild bringt die Menschheit weiter, weil sie dann erfährt, was sie auf Erden alles angerichtet hat; aber auch Märchen dürfen nicht fehlen.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

17. Jun 2018

Liebe Susanna,
ein liebes Danke, doch: o Gott, das soll ja nun ja nicht jeder glauben ...
Mit "euch" meinte ich ganz bestimmte Leute.
Unfriedensstifter, Mobber möcht ich exportieren,
die sollen ruhig gegenseitig sich traktieren.
Ich bin nicht Gott, womöglich liebt ich dann auch die -
Kommt nicht in Frage, lieber ist mir noch das Vieh.

Tausend Grüße, die von Herzen kommen
und mit ganz viel Liebe für Dich,

Annelie