Dialog am Totensonntag

von Annelie Kelch
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Totensonntag –
auch unsere Tage
sind längst gezählt …,
sagst du.

Liebe –
ein Grashalm am Rand
des japanischen Skizzenblatts
auf meinen Knien­,
sage ich.
Irgendwo einen Anfang finden,
das Ende des Fadens,
die richtige Antwort auf Zweifel,
wenn grüne Tiefe uns
vom Turm lockt.

Liebe, sagst du, ist wie Ebbe und Flut:
Ein Auf und Nieder der Emotionen,
das Dümpeln der Boote am Kai,
ein Gefühl, das schwankt wie dein Grashalm
am Rand des japanischen Skizzenblatts,
Schneeflocken, die den nackten
Baum küssen, ein letztes Reiskorn
auf dem verwüsteten Feld, Frieden ...

Im weißen Nebel, der fällt
wie Federn aus Kissen, flüstere ich,
find ich die Richtung nimmer …

Ebbe – ist ein Licht ohne Flamme, sagst du.
Hab Geduld, bis die Flut kommt ...
Das heilige Wasser fließt
immer in dieselbe Richtung.
Meine Seele ist dein Ufer ...
Es hat Sehnsucht nach all der Liebe,
die aus deinem Herzen strömt.

Foto; pixabay; copyright: Annelie Kelch
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Kommentare

26. Nov 2017

Am Totensonntag über Liebe reden,
ist sicher nicht - jenseits von Eden.

Danke für deinen Kommentar,
LG Annelie

26. Nov 2017

Ein besinnlicher Text, der unwillkürlich in Melancholie einstimmt. Der Toten am Totensonntag gedenkt. Danke, liebe Annelie!
Liebe...
Schönheit in Unendlichkeit.
Gott?

Besinnliche Grüße,
Monika

26. Nov 2017

Liebe Moni, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Mein "Du" hier ist ER und ER ist hier nicht Gott, aber Gott lauscht - vielleicht, falls er nicht längst taub ist vom Lärm dieser Welt.
Es wäre makaber, dir einen schönen Totensonntag zu wünschen, deshalb wünsche ich dir einen angenehmen Tag mit einem Buch, das zu Recht die Bezeichnung "Bestseller" verdient oder mit einem akzeptablen Fernsehprogramm.

Liebe Grüße zu dir und Khalessi,
Annelie

26. Nov 2017

Vielen Dank für deinen freundlichen Kommentar, liebe Julia.

Liebe Grüße,
Annelie

26. Nov 2017

Hoch poetisch, liebe Annelie. Dieses Thema hat mich heute auch zum Nachdenken und Schreiben gebracht, wenn auch auf andere, eher prosaische Weise ...

Liebe Grüße - Marie

26. Nov 2017

Liebe Marie,
ich würde jetzt gerne singen: "Ich bin Mary und nicht Jane ..." wie Mary Roos, das schaffe ich auch noch so gut, aber das wäre falsch und du könntest mich eh nicht hören, außerdem ist heute Totensonntag. Nur so viel: Ich bin Annelie und nicht Monika. Trotzdem könnte ich mir denken, dass du mich gemeint hast und danke dir ganz lieb für deinen lobenden Kommentar.

Liebe Grüße,
Annelie