Nachtlichter

Bild von Anouk Ferez
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Wir haben unseren Abend
unter einem nackten Mond
auf Binsenmatten
in den Schlaf gewiegt,
auf dass er in der Nacht
versinken möge
und es kein Erwachen gäbe
in unserer Mitte.

Was waren wir hungrig
und haben all unsere Träume
den Händen des anderen verantwortet
und waren einander Brot und Salz.

Ich habe die Sterne weggepustet,
sie übers Firmament gejagt,
dass sie wirr aus ihren Bildern stoben,
bis in den Weiten unserer Augen
Leuchtkäferschwärme daraus wurden.

Und einer jeden Zikade saß
eine lockende Traurigkeit auf dem Rücken.
Pan, zu deiner Flöte tanzen die Tränen.

Und jeder Kuss
trägt seine eigene Einsamkeit.
Denn so ist es wohl mit dem Abschied:
Er versteckt sich bereits in
der ersten Umarmung.

Und wir
durch Haut und durch Haar gebunden
entfliehen Lippe an Lippe
dem aufkeimenden Morgen,
der mit Rosenfingern nach uns greift.

© Anouk Ferez 2015 all rights reserved

Interne Verweise

Kommentare

20. Okt 2015

Schön dich zu lesen !
Lieben Gruß und Dankeschön.
Eva

20. Okt 2015

Besten dank zurück, fürs Lesen und Kommentieren,
lG,
Anouk

07. Nov 2016

Poesie pur. Ich habe Gänsehaut.
So viele Bilder, die wieder so viele Bilder hervorrufen:
einander Brot und Salz sein,
Sterne aus ihren Bilder sich zerstieben lassen,
die Zikaden,
Pan ...
Ein Fundus, ein lyrischer Fundus!

07. Nov 2016

Liebe Noé, ich freue mich sehr über deinen Kommentar, dein großes Lob, dass es Dir gefällt... ich habe einen sehr sehr tiefen Bezug zu diesem Gedicht, wahrscheinlich hast du das beim Lesen gespürt. Ich denke stets, der sensible Leser merkt, wo etwas lediglich der schönen Worte und des Klanges wegen konstruiert wurde. Und wo hingegen etwas gesagt werden möchte, da Inhalt/Thema dem Autoren persönlich am Herzen liegen.. und sich die real vorhandenen Gedanken und Gefühle von alleine in Worte kleiden.
Ich danke Dir sehr dafür, dass du dieses Gedicht nochmal aus der staubigen Dunkelheit ans Licht gehoben und so wohlwollend kommentiert hast.
lG
Anouk

07. Nov 2016

... vielleicht aber auch transportierst du die Intensität des Empfundenen in deinem Text, dass ein solches "Merken" unausweichlich wird - wie du schon sagst, dass sich die Gedanken und Gefühle wie von selbst in Worte kleiden. Möglicherweise hlft beim "Erkennen" ebenso ein ähnlich erlebter Hintergrund, damit Bekanntes aufleuchtet ...
Du bist sehr feinfühlig, Anouk.

07. Nov 2016

Danke, liebe Noé. Ich halte dich auch für einen sehr empfindsamen Menschen, da ist schön, bleib wie du bist!