irgendwann

von marie mehrfeld
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allmählich wachsende Morgenröte weckt ihre raue Trauersprache, ungestreichelt das Erwachen im Erinnern an die letzte traumschwere Nacht,

sternenlos und ohne Mond, als schwarze Schatten schwiegen, die an dürren Zweigen klebten wie aufgemalt auf die Hast der Zeit,

die harte Muster klopfte auf den Boden ihrer bekümmerten Seele, als müsste es so sein, wie eine von unbarmherziger Sommersonne

ausgedörrte Steppenlandschaft, auf Regen wartend, ist er gegangen, ohne sie, gesprungen vom hohen First, und in den Stunden danach

war ihr wie im November, wenn die Tage lichtlos sind, in den Klippen ihrer Nachtgedanken verirrten sich Wolfsrudel mit klagendem Heulen,

ins schwarze Wolkengewimmel geschickt und nicht vom Echo erwidert, die Wucht der nicht gesagten, nie gewagten Worte schnürte ihr die Luft ab,

während in der Achterbahn der Erinnerungsgefühle eine goldene Gondel nach der anderen aus den Gleisen kippte, und die Schreie der Stürzenden

sie unter den Trümmern ihrer Liebe begruben, als sie erwachte und gebadet vom Schweiß der Angst verstand, dass es ein Traum war, dankte sie den

Engeln, denn er atmete neben ihr, so werden sie weiter wandern auf den seltsam gewundenen Pfaden des Lebens, die im Nirgendwo enden, irgendwann

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Kommentare

21. Jun 2018

Der Leser wandert mit, ein Stück -
Das ist ein starker Traumbild-Blick!

LG Axel

22. Jun 2018

so manche Träume stellen Fragen -
die Antwort kann man selten wagen …

LG plus Dank
Marie

21. Jun 2018

Zum Glück war alles nur ein böser Traum
und das Geschehen losgelöst - von Zeit und Raum.
Danke, liebe Marie, für den guten Text - ich habe mitgeträumt
und mich dabei ein wenig mit Dir geängstigt.

Liebe Grüße und angenehme Träume heute Nacht,
Annelie

22. Jun 2018

Danke, Annelie. Träume, die Inhalt eines Gedichts sind, haben sicher etwas mit dem Menschen zu tun, der die Worte so gesetzt hat. Was aber, das kann man kaum erklären. Sind Träume verarbeitetes Tagesgeschehen oder Hilferufe eines gefangenen Unterbewusstseins? Sigmund Freud behauptete, sie seien verhüllte Erfüllungen von verdrängten Wünschen. Auf jeden Fall scheinen sie eine notwendige Abreaktion unserer Seele zu sein, und ich möchte kein traumloses Leben führen.

Liebe Grüße
Marie

22. Jun 2018

Das möchte ich auch nicht, liebe Marie. Neulich habe ich auch ganz schrecklich geträumt - von wildfremden, furchtbaren Menschen, die mir unheimlich suspekt waren. Drachen wären nichts dagegen gewesen ... über die hätte ich im Traum nur gelacht. In diesem Fall hatte Freud gewiss recht. Ich lese gerade die Biographie von C.G. Jung. Er war ja ein Schüler Freuds. Beide haben sich später überworfen, weil Jung auf jeden Fall ein besserer Analytiker war. Wenn der Meister von seinem Schüler nichts lernen kann, ist er ein schlechter Meister gewesen, heißt es zu recht. Das hat Freud leider nicht begriffen und war ihm lebenslang gram.

Liebe Grüße,
Annelie

23. Jun 2018

Mit der Biographie von C.G. Jung habe ich mich auch befasst. Leider haben in der Menschheitsgeschichte auf so manchen Gebieten Meister von ihren Schülern nichts gelernt, man muss aber dem Freud zugestehen, dass er der Begründer der Psychoanalyse war, deshalb kommt ihm schon ein Platz ganz oben auf dem Treppchen des RUHMS zu ...

Liebe Grüße - Marie

22. Jun 2018

noch was - hoffentlich enden sie nicht bald im Nirgendwo...

LG Alf

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