Winter mit Tattoo ...

von Annelie Kelch
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Wer möchte auf Dauer leben im Eis der Hoffnungslosigkeit
Unter verharrschten Himmeln …? – Im Aug den sonnenmüden
Schnee, der Schmelz sein will dem harten Winterzahn, und
Lauschen dem gebrechlichen Stöhnen der Winde, sobald sie
Danach trachten sich zu vergraben im schweren Gewebe
Dunkler Mäntel …

Die neuen Wege bleiben die alten … Ein großer saurer Apfel
Ist uns der Winter geworden, gereift ohne die Süße der Liebe.
Wir beißen täglich hinein und schütteln uns. Dem Tod geweiht,
Liegt er längst in den letzten Zügen. Wir sitzen drin, lassen uns
Unter pflaumenblaue Himmel tragen durch Schnee, der nicht
Mehr tanzen will, derweil der Fisch unter der Eisdecke betet.

Wie er davontrottet, der Winter: ein verwundetes Tier,
Unter der Braue ein Tattoo mit Gerda und Kay; in seinem
Geweih flattert die letzte Wehe der Zeit. Sein blutleerer
Schatten lässt unsere Blindheit verdämmern, und wie ein
Zauber überfällt uns Zärtlichkeit beim ersten Hauch des
Frühlingswinds, sobald er über die verwitterten Lenden
Alter Bäume streift.

Gerda und Kay sind die beiden Hauptprotagonisten im Märchen "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen.

Konferenz an der Untertrave, Lübeck. Copyright: anne li
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Kommentare

22. Feb 2019

(D)Ein Winter-Bild, das gut gefällt -
Wie auch die kleine Tauben-Welt ...

LG Axel

22. Feb 2019

Dank, lieber Axel, Dir, für Deinen Kommentar, der wonnig war.
Die Taubenwelt ... sie wartet auf den Lenz und möchte jubilieren, gurren ...
Viel freundlicher sind alle Menschen dann und hören auf zu murren.

LG Annelie

22. Feb 2019

Welch fantasievolle Vergleiche Du hier findest, liebe Annelie. Ein Wortgemälde des sich verabschiedenden Winters wird sichtbar. Auch der Titel ist bildhaft gewählt. (...) das Eis der Hoffnungslosigkeit aus der Anfangszeile, so meine Vorstellung, löst sich im Hauch des Frühlingswindes auf. Ein lb. Gruß kommt von Ingeborg

22. Feb 2019

Das hast Du so wunderbar formuliert, liebe Ingeborg, dass ich nichts hinzufügen kann. Ich danke Dir ganz herzlich für Deinen lieben Kommentar und wünsche Dir schon jetzt ein schönes Wochenende mit bisschen Frühlingswetter, das Dich erfreut.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

22. Feb 2019

„Die verwitterten Lenden alter Bäume“ - wie wunderbar wortreich wieder … Dein starkes schönes Gedicht wird das „Eis der Hoffnungslosigkeit“ nun ganz und gar vertreiben –

liebe Grüße - Annelie

22. Feb 2019

Liebe Marie, danke für Deinen wohlwollenden Kommentar. Ich bin der Meinung, dass die Bäume sehr leiden im Winter, Äste und Stämme. Es ist ein Wunder, dass sie sich immer wieder erholen im Frühjahr. Ich mag alte Bäume sehr. Und ich muss Dich warnen, du Gute; ich habe noch ein Gedicht über den Winter geschrieben in meiner kleinen Pause. Aber das stelle ich erst nächste Woche ein.

Schönes Wochenende für Dich mit Frühlingswetter,
hier war es heute sonnig, aber noch ziemlich kalt.

Liebe Grüße,
Annelie

22. Feb 2019

Hallo Annelie,
zieht sich der Winter zu lange hin, wird aus dem süßen Bratapfelduft schnell ein saurer Biss. :)
Mir gefallen deine Wintermärchenbilder, auch weil sie Fauna und Flora gelungen miteinbinden.
Das "Tattoo" unter der Braue kann ich zwar bildlich nicht so richtig verorten, aber im Märchen ist ja so einiges vorstellbar.
LG
Manfred

22. Feb 2019

Danke, lieber Manfred, für den dezenten Hinweis auf "Tattoo". Ich glaub, ich habe dieses Wort noch nie geschrieben, habe auch keines (Tattoo). Ich freue mich, dass Dir meine Winterbilder gefallen haben. Stell Dir einen Hirsch vor: Ein Tattoo übern Auge und im Geweih eine Schneewehe. Ich wollte euch noch einen malen, habe aber leider nicht die Zeit dazu gefunden.

Auch Dir ein wunderschönes Wochenende mit Frühlingswetter
und Frühlingsbildern, die dich zu neuen Texten inspirieren.

LG Annelie

22. Feb 2019

Schon nach der ersten Zeile hattest Du mich, liebe Annelie.
Die Melancholie des Winters hinterlässt Spuren.Doch der Zauber des Frühlings weht sie fort "sobald er über die verwitterten Lenden alter Bäume streift."
Die Bilder die Du schaffst, sind immer phantasievoll und ausdrucksstark!
Sehr schön!!!

Liebe Grüße
Ella

22. Feb 2019

Meine liebe Ella, ich freue mich sehr, dass Dir mein Gedicht gefallen hat und auch Dich die verwitterten Lenden der alten Bäume dauern. Winter für Winter dieser Frost - das hält kein Stamm auf Dauer unbeschadet aus. Und dann noch diese kahlen schwarzen Äste, von Wind und Regen gepeinigt ... Vielen lieben Dank für Dein herzliches Lob, das mir das Wochenende ganz erheblich heiterer macht.

Auch Dir ein sonniges Wochenende mit vielen Ideen
für neue Gedichte.
Liebe Grüße,
Annelie

24. Feb 2019

„Zärtlichkeit beim ersten Hauch des Frühlingswinds“ nicht nur dann, aber dann vor allem …

Sei lieb gegrüßt in deinen Sonntag
Soléa

24. Feb 2019

Herzlichen Dank, liebe Soléa, für Deinen lieben Kommentar. Ja, es wird bald Frühling werden ... aber ob das sonnige Wetter bis Mai anhält, ist leider fraglich. Es gab auch noch Schnee im Monat Mai, obwohl es schon frühlingshaft war. Lassen wir uns überraschen.

Auch zu Dir gehen liebe Grüße von mir,
hab einen wunderschönen Sonntag,

Annelie

28. Feb 2019

Ein sterbender Winter
Im Februar
So trauern wir
Seitdem - wie wahr...

LG Yvonne

04. Mär 2019

Dank Dir, Yvonne, entdeckte Deinen Kommentar erst jetzt ...
Des Winters Flügel sind verletzt;
Die Jahreszeiten-Hatz, jahrein, jahraus ...
Wer bleibt da heil und fühlt sich, wo?, zuhaus?

LG Annelie