Das Herz ... ein missing link?

von Annelie Kelch
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Mondpreise sinken, doch der Stein will's aus
Dem Sinn mir reden, dass er sich erweichen lässt:
O Permafrost, danach ich mich verzehr.
Halbherzig ... wie ich mich dagegen wehr.
Und bin doch froh, dass sich das Jahr
Platonisch mir dem End entgegenneigt:
Entseelter Hungerberg, der wie ein Phönix
Aus des Krieges Asche steigt.

Extragalaktisch will mir meine Liebe blühn:
Lichtjahre, tausend wohl, von mir entfernt …
Sendet mit dunkler Energie mir Gammablitze,
Derweil in innren Sphären mir die Sonne sternt.
Ein missing link, das Herz, das keine Ordnung
Kennt und voller Zweifel Kernaussagen meidet?
O Muscheltier, dem Tod die Schalen öffnend,
O Krabbe, die im Krebsgang in der Brandung leidet.

Im Bild des Adlers werden Sterne neu geboren:
Gehüllt in Gas und Staub; ich war dir näher einst.
Du liegst mir fern im Blut: o Schicksal, literweise ...
Mein toter Spatz, gestrandet während einer Seelenreise:
Verzweifelt Ich, Querflieger unter Kranichstörchen.
Der Stadt versteinert Arm, der nach mir langte, schrie ...
O Tintenfisch des Kambriums, landwärts geschürft, fossil:
So trug ich dich in mir und trag dich bis ans Ende aller Müh.

Mondpreise: Nepp, überhöhte Preise
Permafrost: Dauerfrost
Extragalaktisch: außerhalb einer Galaxie, z.B. der Milchstraße
Kambrium: älteste Formation (545-495 Mio.) des Erdaltertums

Skizziert, digital colariert, Collage: Copyright; anne li
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Interne Verweise

Kommentare

22. Nov 2018

Ein sehr schönes Bild - ein starkes Gedicht!
(Nur MILCHstraße gefiel Frau Krause nicht ...)

LG Axel

22. Nov 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar ...
Nur Schiet, dass Krause nicht so ganz zufrieden war.

LG Annelie

22. Nov 2018

Oh, wie melancholisch-schön Dein Werk doch ist, liebe Annelie!
"Das Herz...ein missing link?" Davon bin ich überzeugt.
Das "Herz" ist Das Bindeglied zwischen Ich und der Welt, zwischen innen und außen.
Es trifft die Entscheidungen, die der Verstand hinterher nur noch begründet. Wir alle folgen unserem Herzen und wenn wir das nicht wollen, können, oder dürfen, erkrankt die Seele und geht langsam zugrunde.
Du siehst, liebe Annelie, Dein Werk ist anregend und inspirierend.
Danke dafür :)

Herzliche Grüße,
Ella

22. Nov 2018

Liebe Ella, ganz herzlichen Dank für Deinen psychologischen Kommentar, der meine Aussage ganz hervorragend unterstreicht. Ich freue mich sehr über Deine Worte und darüber, dass mein Gedicht so dankend von Dir aufgenommen wurde. Du hast die Aufgabe des "missing links" sehr gut beschrieben.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

22. Nov 2018

Es MUSS Unternehmen geben, die im Geheimen Permafrost, und andere, Überhitzung unseres kleinen Schiffleins verkaufen, liebe Anne Li. Die Steuermänner werden von ihnen bezahlt, die Kapitäne von uns Menschen gewählt. Meuterei wird ebenso wie Meiden der Meuterei mit dem Tode bestraft...
LG Uwe

22. Nov 2018

Diese Zeilen, lieber Uwe, merk ich mir ... daraus wird eines Tages eine Meutereigeschicht: Das glaube mir.

LG Annelie

22. Nov 2018

Your heart, ein missing link? O yes, that’s true, I think! Dein großartig poetisches Annelie-gemäß getextetes Gedicht lässt mich wieder staunen …

liebe Grüße - Marie

22. Nov 2018

Oh, dear Marie, I thank you very much ... für Deinen Kommentar,
gereimt auf Englisch - wunderbar.
To be astonished, isn 't bad:
You were astonished - and therefore I 'm glad.

Sincerely Yours,
Annelie

22. Nov 2018

Ferne Galaxien, ganz weit da draußen , unbekannte "Galaxien" in mir, wie kann ich verstehen, erahnen oder nur erfühlen? Dein Text ist vielschichtig intensiv und bildreich, liebe Annelie, so dass ich hier nur meinem Herzen folgen mag; " man sieht nur mit dem Herzen gut (...), kam mir in den Sinn beim Lesen und Entauchen in Deine inspirierende Poesie. LG kommen von Ingeborg

22. Nov 2018

Liebe Ingeborg ... und ich bestehe darauf, dass Du dem Text mit Deinem Herzen folgst; denn aus dem Herzen ist mir der Text gekommen. Zweifellos liegt uns das Schicksal im Blut ... wie die Musik, und zweifellos leiden in der Brandungszone die Tiere. Muscheln öffnen ihre Schalenschlösser und sterben - und viele von uns Menschen leben in einer anderen Galaxie, jenseits von Mondpreisen, deren Objekte oft nicht halten, was sie versprechen, jenseits vom ausgearteten Konsum, den - meist Intellektuelle - nicht (mehr) brauchen. Auch LIebe weilt Lichtjahre von uns entfernt. Und aus der Asche eines jeden Krieges steigt auch ein Hungerberg, steigen viele tote Seelen. Ich dank Dir ganz lieb für Dein Lesen mit Herz und Gefühl.

Liebe Grüße zu Dir zurück,
Annelie

23. Nov 2018

Sehr nett, Annelie. Gerne gelesen!

Liebe Grüße zu dir nach Lübeck
Soléa

23. Nov 2018

Danke, liebe Soléa. Freut mich!

Liebe Grüße zu Dir zurück - nach Frankreich,

Annelie

23. Nov 2018

Gehext getextet inspiriert! Echt anne-li in Text wie Bild!

Eventuell zu Folgendem:

Platonische Entseelung vakant
Im Mondpreis angezeigt – der missing link
Verkranichter Störche im Fossilen wie
Porträtiert ein Be-mühen im Er-tragen was
so offensichtlich – Gegenwirkung angezeigt!

LG Yvonne

24. Nov 2018

Dank Dir, Yvonne, poetisch ist Dein Kommentar - und gratis, ein Geschenk,
muss keinen Mondpreis zahlen für den schönen Text.
Du hast ihn Dir vor Mitternacht wohl aus dem Ärmel noch gehext.
Weshalb ich vor dem Schlafengehen heute an Dich denk. ( ;))

LG Annelie

26. Nov 2018

Wie schön, das hat mich durch das äußerst arbeitsreiche Wochenende be-geleitet ;), interessant auch der Dialog zwischen dir und Waldeck, muss ich mir auch beizeiten mal noch ein paar Gedanken darüber machen...

LG und einen guten Start in die Woche Yvonne

24. Nov 2018

Eines deiner besten Gedichte, wenn nicht DAS BESTE.

Aber, die Seele ist ewig und körperlos und wird durch das Bewusstsein
geprägt, nicht durch ein Organ. Denn das Leben ist kurz und die Seele
unsterblich, wenn ich mich recht entsinne, was dieses Konzept
anbelangt.
Also ist die Theorie des missing links wohl nicht ganz schlüssig,
wenn der Tod eintritt.
Genauso wie ein vorbestimmtes Schicksal nicht schöpferisch ist,
das seelenlos einem festgelegten Konstrukt folgt und sich
einbahnig programmgemäß ohne Abweichung abspult.

LG. Waldeck

24. Nov 2018

Waldeck, ich weiß jetzt wirklich nicht, was Du meinst ... Es ist nicht die Seele, die zu mir spricht, sondern im umgangssprachlichen Gebrauch und Sinn das Herz, im Sinne von Gefühl, spontanen Empfindungen (Er/Sie hat mir das Herz gebrochen etc.) - davon spreche ich meinem Gedicht, nicht von seiner Eigenschaft als Organ, das mich am Leben erhält. Vom Tod ist in Bezug auf das missing link hier nicht die Rede. Das missing link ist, biologisch gesehen, eine (noch) nicht nachgewiesene Übergangsform in tierischen und menschenlichen Stammbäumen; ich betrachte das missing link als etwas Unfertiges, Verschwommenes; es kann (sich) irren, es kann verwirrt sein (unordentlich in den Gedanken); es zweifelt ... Es könnte sich entwickeln. Die Seele, ja, sie ist unsterblich und hat (nicht nur) die Funktion eines Unterscheidungsbegriffs zum Leib; die Seele ist höher einzuschätzen als das "Herz", vielleicht könnte man sie als Summe unserer Leiden betrachten; wir glauben ja auch an die Beseeltheit der Natur. Ich sagte mal bei der Hochzeit einer Freundin, als ich das Hochzeitsfoto sah, spontan, ihr frisch Vermählter sehe beseelt aus, so sah er tatsächlich aus: erschüttert, froh und feierlich. In seinem Gesicht spiegelte sich seine Seele wider. Krankheiten entstehen oft in der Seele, das Herz hingegen kann uns ganz andere Streiche spielen. Ich denke, das Schicksal liegt uns auch im Blut. Ich glaube an ein vorbestimmtes Schicksal - aber ganz gewiss wird es sich nie seelenlos abspielen.
Es heißt ja auch: Seele oder Geist = Psyche, im Unterschied zum Körper und zum (nicht organischen) "Herz", das oft (zu) schnelle Entscheidungen trifft, jemanden zu lieben glaubt ... etc. - Danke jedenfalls für Deinen Kommentar, der sehr interessant war.

LG Annelie

24. Nov 2018

Ich meinte mit dem Tod die kurze Lebensdauer des Herzens im Vergleich zur Seele.
Und Schicksal ist ein menschlicher Irrtum. Alles was vorgefertigt ist, unterliegt einer Grenze.
Es ist zur Vielfalt nicht fähig, noch zur Abweichung, noch zur Entwicklung, da es ja
wie eine Maschine nach vorgegebenen Abläufen abläuft.
Und dies ist seelenlos, da es sich vorprogrammiert verhält, automatisiert, wenn du es so willst.
Diese falsche Glaubensvorstellung wurde durch das Gift der abrahamitischen Überzeugerreligion
eingepflanzt, das es keinen Sinn hat, sich dagegen zu entscheiden, da alles genau so entschieden
wurde, wir also nichts als bewegte Puppen sind, in einem Masterplan.
Doch dann läge alle eingeredete Schuld beim sogenannten Schöpfer.
Das Schicksal passiv und zweifellos annehmen, welches durch äußere Umstände und korrupte
Lebewesen ersonnen uns resignieren lasen soll, uns dem sogenannten Ablauf zu fügen,
ist ein Irrtum, der dazu führt, das so wenig dort geschieht, wo dies am nötigsten wäre.
Der Schicksalsglaube ist eines der schlimmsten geistigen Irrtümern der Menschheit.
Diese kalte nichtssagende Funktionalität lässt keine Vielfalt zu, sie entspringt
monotheistischer Monokultur.
Ich will auch hier keine große Diskussion anfangen.
Das mit dem Herzen lass ich jetzt sein. Das erste Thema liegt mir weit mehr
am Herzen. ;)
Danke für deine explizite Antwort, die wie immer lehrreich und vielfältig ist,

LG. Waldeck