Salzig getränkt...

von Ella Sander
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Die Sonne blendet und die Welt
schallt furchtbar laut;
Die Energie der Menschen
dringt zu tief ins Selbst hinein;
Das Mitgefühl ufert oft aus;
Ein stiller Schmerz prägt heimlich,
salzgetränkt, das Sein.

Sie wandeln unter uns:
Sensible Seelen.
Hellfühlig nehmen sie
das Unsichtbare wahr.
Was oft verborgen bliebt,
sie können's spüren:
Ihr Herz, oft überfüllt,
blickt schmerzhaft viel,
zu tief,
und viel zu klar.

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Kommentare

25. Feb 2019

Schwer hat es der, der sehr sensibel:
Gerade dies scheint schon das Übel ...

LG Axel

25. Feb 2019

Das Übel scheint mir hier das Böse,
Es produziert ein laut' Getöse
Im Herzen feinfühliger Seelen.
Am liebsten würden sie es stehlen.

Lieber Axel, Dankeschön,
Liebe Grüße zu Dir wehn :)
Ella

25. Feb 2019

Hellfühlig sein, ist eine Gabe:
Manchmal aber auch die reinste Plage …

Liebe Grüße zu dir, Ella
Soléa

25. Feb 2019

Liebe Ella, das ist ein sehr, sehr gutes Gedicht, ich möchte Dich explizit loben ... nur: klar kann man eigentlich nicht genug sehen, das hat nichts mit der Sehschärfe zu tun; aber oft sind es auch gerade nicht die Hypersensiblen, die klar sehen, weil ihre Sensibilität das gar nicht aushalten würde, oft sind das Menschen mit einem hohen Gerechtigkeitssinn ... aber auch Gerechtigkeit kann im Grunde nur oberflächlich sein, jedoch kommt man ihr mit manchen Gesetzen so nah wie möglich - das ist auch erstrebenswert. Den Titel, liebes Ellalein, würde ich so wählen, dass er a) interessanter ist und b) dem Leser nicht sofort ALLES sagt, mach es etwas geheimnisvoller, fall nicht gleich mit der Tür ins Haus.

Liebe Grüße und danke für das wirklich überdurchschnittlich gute Gedicht,

Annelie

25. Feb 2019

Vielen herzlichen Dank für die umfangreichen Gedanken zum Thema, liebe Annelie und für die liebevollen, schönen Worte.
Den guten Tipp, den Titel betreffend, werde ich beherzigen.
Muss aber noch ein wenig überlegen, welcher besser passen könnte. Danke dafür :)

Ein lieber Gruß schwebt zu Dir rein
Er ist von mir, dem Ellalein :)

26. Feb 2019

Liebes Ellalein, so gut ist das jetzt, dass Du damit glatt bei einem Wettbewerb den ersten Preis gewinnen könntest, noch besser als zuvor. Der Titel passt gut, und ja, es ist richtig, dass Hypersensible sehr klarer sehen, aber manchmal eben auch durch ihre Hypersensibilität überreagieren. Ich denke da auch an die Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, Jüdin, die sehr sensibel gewesen sein muss, nach Schweden noch im letzten Moment ausreisen konnte und - leider Gottes - viele Jahre in Nervenkliniken leben musste, weil sie so zart und sensibel war.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

26. Feb 2019

Liebe Annelie,
deinen Tipp, bezüglich des Titels, habe ich gerne angenommen, da Deine Argumente sehr einleuchtend waren. Freue mich, dass der Titel jetzt besser passt und nicht mehr auf den ersten Blick schon alles verrät.
Danke dafür! :)
Menschen, die erfahren, dass sie hochsensibel sind, fällt es wie Schuppen von den Augen. Endlich wissen sie was mit ihnen los ist und sie können ihr Leben neu ausrichten.
Was vor der Diagnose als Plage empfunden wurde, entpuppt sich nach und nach als Gabe, da die Talente, die diese Persönlichkeiten mitbringen, außergewöhnlich und bereichernd sind. Ihr Einfühlungsvermögen ist überdurchschnittlich hoch und die Fähigkeit Empathie zu empfinden bereichert ungemein das zwischenmenschliche Miteinander. Außerdem haben die meisten einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ihr "Blick" geht über die eigene Person hinaus. Sie sind am Gemeinwohl interessiert und sie verzichten auf die eigene Bevorzugung. Sensibel nehmen sie die "Schwingungen" des Gegenübers wahr und reagieren so, dass dieser sich nach der Begegnung besser fühlt, als vor der Begegnung. Um nicht am "Elend" der Welt zu verzweifeln, suchen sie regelmäßig die Stille, um Gefühltes und Gesehenes zu verarbeiten und um neue Kraft zu tanken.
Sie sind schon etwas Besonders, die Hochsensiblen.Für die Gesellschaft auf jeden Fall ein Gewinn.

Vielen Dank nochmal für Deine Zuwendung, die Aufmerksamkeit und die lieben Worte, Annelie. Ich weiß es sehr zu schätzen :)

Ganz liebe Grüße
Ella

27. Feb 2019

Liebe Ella, Dein Gedicht hat mich angeregt, zu recherchieren. Dies habe ich in vielen Variationen zur Hochsensibilität gefunden und auch das verstehe auch ich explizit unter Hochsensibilität:
"Zu viel Input für Hypersensible ...
Wenn HSP zu intensive Innen- und/oder Außenreize erfahren, kann sich dies in einer Überstimulation bemerkbar machen. Eine Überstimulation kann sich auf vielerlei Arten zeigen, weshalb es auch schwierig erscheint, allgemeingültige Tipps zur Vermeidung im Alltag zu geben. Situationsbedingt sind 70% der Hypersensiblen introvertiert und leben eher zurückgezogen. Sie sind oft sehr scheu und gehemmt. Die anderen 30 % sind hingegen sehr aktiv und kontaktfreudig. Oft wissen sie nicht um ihre Hypersensibilität und verstehen ihre gelegentlichen körperlichen und seelischen Zusammenbrüche nicht, wenn sie sich überfordert haben. Meist äußert sich eine Überstimulierung wie auch bei vielen anderen Menschen in krassem Leistungs- und Konzentrationsabfall. Die Betroffenen können nicht mehr klar denken, werden hektisch, tollpatschig, reagieren emotional und irrational. Bei andauerndem belastendem Zustand drohen Krankheiten, Neurosen, Burnout und gefährliche Depressionen.

Durch den Dauerstress wird vermehrt Cortisol ausgeschüttet. Geschieht dies durch verminderte Rücksichtnahme auf die eigene Situation über lange Zeit, kann der Körper mit immunologischen Störungen, Infektanfälligkeit, Diabetes, Gelenksbeschwerden, Hypertonie und sogar Krebs reagieren." So, mein allerliebstes Ellalein, werden Hypersensible von Ärzten und Psychologen beschrieben - und das ist durchaus korrekt. Betroffen waren Nelly Sachs, Paul Celan u.v.a. Dichter und Schriftsteller. Sie s i n d etwas Besonderes und Sie sind ein Gewinn für die Gesellschaft, jedoch in anderer Hinsicht - aber die Gesellschaft erkennt das meist nicht. ... Hypersensible können oft tatsächlich nicht mehr klar denken, sehen, etc. Das ist nichts Negatives und hängt zusammen mit der zum Teil unreifen Gesellschaft. Menschen hingegen, die normal sensibel und sozial hochintelligent (emotionale Intelligenz) sind, bringen durch zuverlässige und hervorragende Leistungen unsere Gesellschaft voran. Ja, dazu gehören sogar einige Politiker. Ich habe das auch eine Weile mal richtig studiert; aber das ist lange her. Die Lyrikerin Nelly Sachs war hypersensibel, Paul Celan auch ... und die Gesellschaft, in der sie lebten (Vernichtung der Juden), ein derart erschütterndes Ereignis, das sie nicht verwinden konnten, hat sie an den Rand des Wahnsinns getrieben. Unverständlich für total unsensible Menschen. Äußere Einflüsse beeinflussen Hypersensible enorm - aber meines Erachtens wirkt sich das Erkennen ihrer Sensibilität dahingehend aus, dass sie besser mit ihren empathischen Fähigkeiten umgehen und sich vor Verletzungen schützen können.

Liebe Grüße zu Dir, mein Ellalein und sei nicht bös mit mir (ich musste einfach etwas dazu erwidern),
Annelie

27. Feb 2019

Aber nein, liebe Annelie. Wie könnte ich Dir böse sein?
Niemals!!!
Im Gegenteil! :)
Das Gedicht animierte Dich zu recherchieren und das ist wunderbar! Gewiss schaffte die Recherche ein Bewusstsein für diese Menschen und vielleicht auch ein tieferes Verstehen.
Als ich mein Gedicht mit dem Satz beendete "und viel zu klar", meinte ich, dass Hochsensible, wie jene, die Du erwähnst, das Furchtbare der Judenvernichtung, in all ihren Facetten, nicht nur erkannten, sondern regelrecht nachempfinden konnten. Sie fühlten was diese unschuldigen Menschen an unfassbar Schrecklichem erleiden mussten. Sie konnten alles klar sehen, was sie an den Rand des Wahnsinns brachte. Ein wenig mehr Sensibilität bei den "Normalen" und das Fruchtbare dieser Zeit hätte vielleicht verhindern werden können.
Ich selbst lege den Fokus lieber auf die positiven Eigenschaften dieser Menschen, da sie, wenn sie gelernt haben mit ihrer Gabe umzugehen, eine enorme Bereicherung für die Gesellschaft sind.

Liebe Annelie, mache Dir keine Gedanken, ich könnte Dir böse sein. Alles ist gut und wird es auch bleiben :)

Ganz liebe Grüße und einen wundervollen Vorfrühlingstag
Ella

27. Feb 2019

Ja, liebe Ella, da magst Du recht haben, dass es Menschen gibt, die das Leid der Juden im II. Weltkrieg nachempfinden können, sofern solche schrecklichen Geschehnisse überhaupt nachzuempfinden sind. Vieles Leid (das Leid ertrunkener Flüchtlinge und ihrer Angehörigen) können wir oft nicht tief genug nachvollziehen, weil wir nicht direkt betroffen sind. Aber manchmal überkommt wohl jeden eine Wehmut ... und dann wird uns klar, wie gut wir es haben und dass wir zufrieden sein sollten.

Liebe Grüße zu Dir, einen schönen Abend und eine ruhige Nacht,
Annelie

25. Feb 2019

Liebe Soléa, da hast Du recht:
Unreflektiert, ist's eine Plage,
Gut austariert, ist eine Gabe.
Meditieren hilft nicht schlecht. :)

Es wehen Grüße hin zu Dir,
Mit einem lieben Dank von mir.
Ella

Huch, die Antwort ist zu tief gerutscht,
Ich hoffe, sie ist nicht verpfuscht.

25. Feb 2019

Bestimmt nicht einfach, sich mit dieser Gabe/ Fähigkeit in der tw
ruppigen Welt zurecht zu finden. Sich abgrenzen zu können , erscheint mir für diese Menschen überlebenswichtig, sonst verlieren sie sich. Ein gut geschriebenes, sehr interessantes Gedicht, liebe Ella. Herzlichst- Ingeborg

25. Feb 2019

Liebe Ingeborg,
auch Dir möchte ich ganz herzlich für Deine Gedanken danken.
Oft haben diese Menschen das Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, da sie die Welt anders wahrnehmen, als die meisten anderen. Es ist oft ein langer, schmerzhafter Weg, bis sie mit sich und der Welt ins Reine kommen. Dennoch bleibt es eine Herausforderung die Kraft nicht zu verlieren und das Gleichgewicht immer wieder neu zu finden. Aber ihre Empathie und ihr Einfühlungsvermögen macht sie unglaublich wertvoll, in einer Welt, in der es oftmals daran mangelt.

Vielen Dank für's Kompliment,
Ein lieber Gruß fein zu Dir weht :)
Ella