Stille

von Sigrid Hartmann
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Es liegt eine Stille über dem Land,
als wär‘ jeder Ton aus dem Leben verbannt.
Geräusche, die tropfen wie Wasser vom Blatt,
vereinzelt, als wenn’s vor Stunden geregnet hat.

Ein Auto fährt langsam die Straße entlang,
dann ist’s wieder still, fast wird mir bang.
Laut sind die Gedanken, was wird geschehen?
Das Fehlen der Töne lässt Gespenster mich sehen.

Eine Tür fällt ins Schloss – laut wie nie vorher!
Aus der Hand fällt die Tasse, zum Glück war sie leer!
Ich schalt’s Radio ein, doch – ich halt es nicht aus –
am besten geh ich mal ins Freie hinaus!

Im Wald rauscht der Wind – bringt das Blattwerk zum Singen,
wie lieblich die Stimmen der Vögel doch klingen!
Hoch über mir schreit ein roter Milan –
die Erde im Blick, zieht er ruhig seine Bahn!

Der Bach fließt gemächlich, er säuselt ganz leis‘,
begegnet er Steinen auf seiner Reis‘,
begrüßt er sie laut mit Gurgeln und Rauschen,
wie schön ist es doch, DIESEN Tönen zu lauschen!

Fast scheint’s, als wären die Menschen vergessen,
die dachten noch gestern, dass die Macht sie besessen!
Doch es siegt die Natur – ob Viren, ob Sturm –
der Mensch ist so machtlos wie im Schnabel der Wurm!

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Kommentare

26. Mär 2020

Der rote Milan schreit über Dir -
Hier schreit 'ne blaue Frau nach Bier ...

LG Axel

26. Mär 2020

Ganz großes Erzählkino - mit einer Prise feinster Ironie. Dabei stimmt dein Gedicht Wort für Wort.
HG Olaf

26. Mär 2020

Tolles Gedicht! Sehr gelungen und eindringlich finde ich die Stelle, wo die Machtlosigkeit unserer Menschheit zum Vorschein kommt im Gegenüber zur Natur! LG Laura

26. Mär 2020

Auch die letzten Zeilen stimmen besonders, aber hihi nicht immer.
LG Uwe