Erste Schritte

von Annelie Kelch
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Der Winter –
steckt noch in den Kinderschuhen;
aber der Herbst hat ihn bereits
die ersten Schritte gelehrt.

Ich schaue hinauf
in die nackten Bäume.
Der Himmel ist grauer
denn Mönchskutten.
Spartanisch: das Kleid
des restlichen Jahres,
vom Umtausch
ausgeschlossen.

Ich ließ den Sommer gehen,
löse mich vom Herbst und
all seinen bunten Blättern.
Vieles gab ich schon her;
brauche nur mehr wenig,
und das macht mich froh.
Das Wenige jedoch ist mir
lieb und teuer.

Oft genug hab ich mich
in den Abgrund geworfen
und gegen Schlangen gekämpft,
ohne Rücksicht auf Verluste.
Du hast mich aufgefangen, Lord,
und mir Neuanfänge beschert.

Jetzt kämpfe ich nimmermehr:
Soll er doch kommen, der Winter:
Mein Herz schmilzt jedes Eis.

copyright: Annelie Kelch
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Kommentare

27. Nov 2017

Die Heizung blubbert - und der Tee dampft in der Tasse.
Und an den Docks der Trave wartet man auf die Barkasse.
Der Herbst malt schon ein neues Winterbild:
Es ist mit Schnee und Eis gefüllt.

LG Annelie

27. Nov 2017

Ja, wenn 'Lord Winter' als Erneuerer so freudig angenommen wird: "Soll er doch kommen, der Winter:
Mein Herz schmilzt jedes Eis." Einfach tröstlich.
Ein sehr schönes Wintergedicht das den Blick auf Annelie-Art öffnet. Hab lieben Dank!

Liebe Grüße,
Monika

27. Nov 2017

Liebe, liebe Monika,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
Du, ich meinte aber nicht den Winterlord,
ist am 21.12. spätestens voll Vorort ...
Ich meinte den "Sweet Lord" aus jenem Lied,
bei dessen Singen Harrison traurig aussieht.

Liebe Grüße und einen schönen Tag
für dich und Khalessi,
Annelie

27. Nov 2017

Oje. Aber Lord Winter hat mir gefallen. Sorry.

Liebe Grüße,
Monika
und danke von Khalessi

27. Nov 2017

Ja kann mich nur anschließen, gern gelesen, einfach schön, vor allem "gegen Schlangen gekampft" und dann "jetzt kämpfe ich nimmermehr", bringt sowieso nicht ............. einfach vorüberziehen lassen wie dunkle Wolken und sich möglichst distanzieren.
Liebe Grüße
Sabrina

27. Nov 2017

Liebe Sabrina, lieben Dank für deinen Kommentar. Wenn du wüsstest, in welcher Weise ich mich seit eineinhalb Jahren distanziere ( und vor allen Dingen, wovon) - und das Kämpfen total aufgegeben habe. Sofern Leib und Leben nicht bedroht sind oder Krankheiten an einem zerren (wogegen sich das Kämpfen lohnt, auch mit sportlicher Bewegung), sollte man die Sinnlosigkeit eines Kampfes, der einem lediglich den letzten Nerv rauben würde, erkennen.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Nov 2017

"Das Wenige jedoch ist mir lieb und teuer", da finde ich mich wieder, liebe Annelie, auch weiß ich, dass das Kleid des Restjahres vom Umtausch ausgeschlossen ist ...
habe deine spätherbstliche Betrachtung sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße - Marie

27. Nov 2017

Liebe Marie, ich danke dir ganz lieb für deinen Kommentar. Je mehr Ballast ich abgeworfen habe an Besitz, desto besser geht es mir. Die Zeiten, da ich ganze Häuser und Wohnungen mit Dingen vollgestopft habe, sind - Gott sei Dank - endgültig vorbei. Ich weiß erst jetzt, was ich wirklich zum Leben benötige und was nicht. Vor allen Dingen brauche ich Bücher, zumindest alle, die ich liebe, eine Yogamatte, Schreibtisch, ein paar nette Klamotten, eine Ruhestatt für meine müden Glieder, paar Blumen und - gewiss nicht zuletzt - eure Gedichte und Geschichten, hier, bei Literatpro.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Nov 2017

Dicht machen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. So kommt man durch den Winter und über die Runden ...

Gerne gelesen, liebe Annelie.

Liebe Grüße in deinen Abend
Soléa

27. Nov 2017

Liebe Soléa, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich stelle fest: Du bist ein echter Sommermensch. An dieses kalte Schmuddelwetter habe ich mich bereits gewöhnt. Es währt ja schon lange. Den ganz kalten Winter kann ich mir noch gar nicht vorstellen, aber auch da muss man durch.

Liebe Grüße zu dir nach Frankreich,
Annelie

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