Schwebende Zeit

von marie mehrfeld
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Zeit zwischen den Jahren, sie schwebt so dahin,
soll Mußezeit sein, keine Eile im Sinn,
so hab ich’s erfahren in all diesen Jahren,

jetzt ist Zeit, sich zurück zu lehnen,
neue Pläne zu schmieden,
sich nach Glück zu sehnen
und auch innerem Frieden,

Zeit, mit Dir laut zu lachen,
zum Spielen mit Karten und mit Gedanken,
zum Unsinn verzapfen, auf Liebe zu warten,

nicht vergebens und auch keine Finte
ist die Zeit, mich zu fragen
nach dem Sinn meines Lebens,
um Mut zu fassen,

das Mailen sein lassen
stattdessen in Büchern lesen
und Briefe schreiben mit Füller und Tinte,

Neues planen, Fehler benennen
und erkennen, nichts war vergebens
im Lauf meines Lebens,

Zeit, sich auszusprechen, nicht
mehr zu grollen, aufzuhören damit,
sich rächen zu wollen,

Zeit, nachzugrübeln, was ist gewesen,
sich nichts mehr verübeln,
Zuwendung geben, sich zwischen den Jahren
Verschwiegenes sagen, den Zwist beheben,

Zeit, Vertrauen zu wagen, zu bitten, zu denken,
Gott wird uns lenken und auch bewahren
vor großen Gefahren,

Zeit zum Blick zurück auf Trauer und Glück,
auf die Kriege der Welt, auf Missgeschick,
auf Neid und Hass, den wir selbst bestellt,

Zeit vor allem jedoch zu glauben, zu hoffen,
schließlich sind wir ja alle betroffen:
Ein kommendes Jahr sei uns beschieden
mit weniger Terror und viel mehr Frieden …

Doris Schminke - Öl auf Leinwand - 40x60cm

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Interne Verweise

Kommentare

Alfred Mertens
27. Dez 2016

Was die schwebende Zeit nicht alles vermag,
wie sie sich entwickelt, und an jedem Tag.
Was uns die Gedanken dabei offenbaren,
und nicht nur vereinzelt, sie kommen in Scharen.
Das ist die Situation, die fast schaurig klingt,
doch immer uns täglich ein anderes Lied singt.
Drum lass uns ihr lauschen, sie wird es wissen,
wenn sie sich nicht äußert, wir wären "bescheiden"
und könnten uns irgendwann selbst nicht mehr leiden !

Alfred

28. Dez 2016

Am Ende des Tages, des Jahres, des Lebens (?) sind die Gedanken versöhnlicher. Ja, sie kommen in Scharen. Ein "friedliches Jahr" ist nicht zu erwarten, ich wünsche es mir, uns allen, aber trotzdem - denn wünschen hilft manchmal. Für mich war immer und ist heute noch "die Zeit zwischen den Jahren" eine besondere, langsamere, besinnlichere, ich mag sie. Rutsch fröhlich rüber in die 17, Alfred, und danke für dein Gedicht.
Marie

28. Dez 2016

Ein schönes, besinnliches Gedicht, das zum Jahresende Gedanken der Weisheit offenbart. Danke.
LG Monika

28. Dez 2016

... so hoffen wir auf ein friedlicheres Jahr,
als das vergangene es war ...
LG Marie

Doris Schminke
04. Jan 2017

Die Zeit zwischen den Jahren erscheint wirklich "schwebend ".Vieles wird auf später- wenn die Zeit wieder berechenbar ist- verschoben.Meist wird nichts Neues begonnen; wir sind in Ruhe - und Warte-Stellung." Schwebend "passt hervorragend !
Diese Emofindung hat M.M. In ihrem Gedicht in klaren Worten und ehrlichen Emotionen ausgedrückt,und die Hoffnung aufs nächste Jahr aufgezeigt.
Beim Lesen fiel mir ein von mir gemaltesAcrylbild ein,das meiner Ansicht nach diesen Schwebezustand
abbildet. M.M.hat es aufgenommen , und der Leser kann den "Schwebezustand" auch malerisch betrachten.
Doris Schminkew

05. Jan 2017

Danke, Doris, das Bild von dir ist die ideale Erganzung zum Gedicht. Mir gefällt sehr, wie und was du malst, vielleicht passen auch noch andere deiner Bilder zu Gedichten von mir ...
Liebe Grüße!