Sternenzeiten

von Monika Jarju
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Am frühen Abend wie diesem
schmutzstarr tief überm Eimer gebeugt
die Straße trug er auf seinen Lumpen
grub gierig brabbelnd ein Mensch

im Fauligen stieg Dumpfes auf
blindlings griff sein Hunger hinein
die Hälfte des Trostes nährte den Mund
kein Ekel pochte in seinem Rachen

der Bahnsteig warf sich vor den Zug
irres Licht dröhnte
Türen spuckten Leute aus
abgefahrenen Zügen

nächster Halt – ‘n Spende bitte
die Woche schon dreimal jejeben
echote es – Krakeele riss lallend
an verklebten Haaren

Bierdosen schwappten
mit stinkendem Atem
fuhr der Zug wieder an –
von Neukölln bis Wedding

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Kommentare

28. Apr 2018

Erschütternd, liebe Monika, und ganz ausgezeichnet geschrieben. Respekt.
Ein Gedicht, das sprachlos macht und mir sehr nahegeht.
Neukölln kenne ich auch - zum Teil. Wir waren dort mal auf einem
riesigen Abenteuerspielplatz mit Betreuung - rundherum eine Armee
aus Hochhäusern. Das war vor sehr, sehr vielen Jahren. Als ich zuletzt
in Berlin war, noch nicht sehr lange her, ging es in den U-Bahnen noch ganz
normal zu - im Umkreis des Hauptbahnhofs zumindest.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

29. Apr 2018

Danke, liebe Annelie! Als ich von Jürgen HAUPTBAHNHOF KÖLN las, fiel mir diese alltägliche Szenerie in der U-Bahn wieder ein, mittlerweile häufig zu beobachten, nicht nur in Nord-Neukölln - das schleppe ich dann mit mir herum...

Unverdrossen schöne Grüße, Monika

30. Apr 2018

Nicht nur auf dieser Strecke ...
Sehr eindrucksvoll geschrieben, liebe Monika.

Herzliche Grüße, Susanna.

05. Mai 2018

Auch Dir, liebe Susanna, herzlichen Dank und viele Maigrüße!
Monika