Frühstückszeit

von marie mehrfeld
Mitglied

gutes Geschirr für Jedermann, dermaleinst,
so blumig gezwiebelt, sich blättrig rankend
auf weißem Grund und in verblichenem Blau,
schau, der alte Zucker stockt immer noch in
bemalter Dose, und die Tässchen mit Sprung,

sieh die Kannen mit ihrem stolzen Kopfputz,
die zierlichen Henkel, behutsam gehalten von
schwieligen Händen am blank gescheuerten
Küchentisch seiner Kindheit, damals, als liebe
Worte nur spärlich flossen zur Frühstückszeit

Buchempfehlung:

Interne Verweise

Mehr von marie mehrfeld online lesen

Kommentare

31. Mär 2019

Der Blick zurück - doch nicht im Zorn:
Anders wirkt manches - als von vorn ...

LG Axel

31. Mär 2019

Was man so erbt, oft reich an Jahren -
wertschätzen, sorgsam aufbewahren …

LG mit Dank zurück - Marie

31. Mär 2019

Gutes Geschirr ersetzt die guten Worte nicht,
Es steht dann Pate für zu wenig Licht.

Melancholischer Blick zurück, liebe Marie, als lebloses Geschirr es mehr wert war behutsam angefasst zu werden anstatt der zarten Kinderseele. Ein Blick, der mich tief berührt, im Nachempfinden verstehend.

Liebe Grüße
Ella

31. Mär 2019

Danke für die gedichteten Zeilen, liebe Ella; es ist eher kein persönlicher „Blick zurück“ in die eigene Kindheit, ich habe mir die Situation nur vorgestellt, bin zufällig an das Geschirr gekommen, habe es von einer weit entfernten Tante geerbt, mag das blaue Strohblumenmuster aber sehr; diese Geschirre waren zu erschwinglichem Preis zu erwerben, kein Luxusgut für die „bessere Gesellschaft“ und deshalb weit verbreitet.

Liebe Grüße zurück - Marie

31. Mär 2019

Der alte Zucker, der stockt , in Verbindung mit den spärlich vorgekommenen lieben Worte zur Frühstückszeit gelesen, lassen dunklere Erinnerungen durchscheinen. Sei herzlichst gegrüßt, liebe Marie, von Ingeborg

31. Mär 2019

Liebe Ingeborg, danke; es ist sicher so, dass nicht nur mit lieben, sondern mit Worten allgemein bei Mahlzeiten sparsamer umgegangen wurde vor längerer Zeit, ich erinnere mich daran, dass man als Kind während des gemeinsamen Speisens nur sprechen durfte, wenn man gefragt oder dazu aufgefordert wurde. Diese strengen Regeln gibt es zum Glück nicht mehr; im Nachhinein sage ich aber, sie hatten nicht NUR Nachteile …

sei herzlich zurück gegrüßt - Marie

01. Apr 2019

Altes Porzellan hat viel gesehen, gehört.
Früher musste man bei Tisch oft still sitzen,
heute bedient man das Handy, fotografiert sein Essen –
beides fand und finde ich schlimm…

Liebe Grüße in deinen Abend
Soléa

02. Apr 2019

Da stimme ich Dir zu, liebe Soléa, fröhliche Gespräche bei den Mahlzeiten unbedingt, gewisse Tischsitten aber sollten erhalten - und die Handys in den Taschen bleiben …

liebe Grüße zu Dir - Marie

04. Apr 2019

Das Gedicht spricht mich an Marie. Dieses traditionelle Friesengeschirr gibt es sicher immer noch in vielen Haushalten. Man kann es nachkaufen, am schönsten aber sind die alten Teller und Tassen, ich habe eine kleine Sammlung auf Flohmärkten erstanden, alles Einzelstücke, eine Kaffeekanne fehlt mir noch, ich sehe zwei auf Deinem Foto. Vielleicht kommen wir ins Geschäft?

LG – D.R.

04. Apr 2019

Danke für Dein Interesse am Gedicht, Detmar; freut mich, dass auch Du dieses Geschirr sammelst - aber "ins Geschäft" kommen wir nicht, weil ich hoffe, meine Nachkommen werden sich auch noch an den schönen Kaffeekannen erfreuen ...

liebe Grüße - Marie