einschlafen

von marie mehrfeld
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ausgestreckt unter hellgrüner Zudecke, halsfern, bald ist Nacht, satt bin ich, müde, noch steh’n Endlosschleifen nörgelnden Bittens um mehr

in Fünfergruppen Spalier, verborgene Wünsche räkeln sich wie unterirdischer Giersch wohlig regenbogengefärbt in Magengrube und Halskuhlen,

Riesenraben picken nickend krächzend letzte Körner von nur blässlich vorhandenen leise stöhnenden verbrannten Stoppelfeldern,

halbträumend wandern schwarzbauchige Wolken über Stirnfurchen, Hand flach auf dem Bauch, Versuch der sanften Gelöstheit,

das Fließen des Atmens noch zwanghaft, Augen wollen gesättigt vom Lärm des Tags im Streichelsamt des Dunkels versinken,

das kommt, doch aufsässige Kopfgeräusche sägen über gezogene Grenzen hinaus, trink nicht zu viel,

und auch vor den Gefahren des Glutamats wurde wieder gewarnt, ferne Flugzeuggeräusche nisten sich ein in meinem Neokortex,

als wären sie dort daheim, zersägen Bedenken in Splitter und spucken sie in mein aufsässiges Blut, das sie wiegt, bis sie aufhören, zu stechen,

Vergangenes dröhnt und summt, teils lieblich, gedachte Gefühle versuchen vergeblich, im Nebel nach Fakten zu greifen,

so unabgetakelt gleite ich schwebend in das Ungewisse, das auch das Nichts sein könnte oder der Tod, das Ende oder der Anfang

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Kommentare

31. Aug 2018

Danke, liebe Marie, für dieses wirklich gute Gedicht. Müd ist man und doch - geht einem so viel noch durch den Kopf vor dem Einschlafen, paar Gedanken schrecken noch auf. Manchmal bin ich todmüde und möchte einschlafen, bin aber plötzlich hellwach, obwohl ich bereits im Nichts, im Ungewissen halb versunken war.

Liebe Grüße,
Annelie

01. Sep 2018

Ja, das mit Einschlafen ist ein Krux, da hilft nur ganz bewusstes Abschalten und vielleicht Meditieren, das bekommt aber auch nur selten hin, danke, Annelie, und liebe Grüße zu Dir -
Marie

01. Sep 2018

Zur Nacht genau das richtige eindrücklich wie unfassbare Gedicht!

...

Welch marternde Momente mattsaumseliger Müdigkeit zum abgeweideten Ende des Abends
Sie fanden dich unter der grünseidenen moosweichwärmenden Decke

– oh mögen sie sich verstecken, die Biester die mückengeflügelten
fiesen Gedanken verschwinden in Tiefen eingehauchter Kopfkissenluft

zu erfrischenden Träumen gerinnen - den Schönen erinnerter Glanzränder
der ansonsten im Trüben des immer Wieder sich neigender Tage

jenseits der Schwärzesten aller Tiefen

Ruhigangenehme Nächte wünsche ich - LG Yvonne

01. Sep 2018

Der Dir eigene Sprachduktus ist unvergleichbar, ich bin nicht fähig, auf ähnlicher Ebene zu antworten, deshalb einfach - danke, danke Yvonne

LG Marie

01. Sep 2018

Todmüd ins Bett, dann kommen die Gedanken, Geräusche und Gedöns, das bei Tage keine Geltung hätte... Und die Uhr beißt jeder Minute den Kopf ab.
Klasse hast du es beschrieben, Marie.

01. Sep 2018

Stimmt. Besonders dann, wenn man am nächsten Morgen früh raus muss ...

LG Marie

01. Sep 2018

Todmüd ins Bett, dann kommen die Gedanken, Geräusche und Gedöns, das bei Tage keine Geltung hätte... Und die Uhr beißt jeder Minute den Kopf ab.
Klasse hast du es beschrieben, Marie.

01. Sep 2018

Und erst der Morgen, bringt an den Tag, was aus Nacht und Schlaf geworden ist …
Hab dich voll und ganz begleitet, Marie, durch deine nächtliche Ruhe.

Liebe Grüße
Soléa