Nichts ist nun mehr, wie es einst war

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Die Monde zum Ende sich neigen,
ein wahrlich schreckliches Jahr,
die Zahlen, sie steigen und steigen,
nichts ist nun mehr, wie es einst war;
Abstand lässt Nähe nicht fühlen,
Umarmung, sie ist unersetzbar;
wir hocken vereinzelt auf Stühlen,
sind ohne Berührung verletzbar,
bedrohlich der Reigen der Viren,
es plagen uns Ängste und Sorgen,
wir dürfen den Mut nicht verlieren,
verschieben das Bangen auf morgen;
geschlossen die Lieblingspinte,
doch hörte ich, als ich schlief –
greif nun zu Füller und Tinte,
schreib ihm einen zärtlichen Brief,
erzähl ihm, wie gut es gewesen,
das Lachen, das Leben zu zweit,
dann kann deine Seele genesen;
nicht zögern, zu kostbar, die Zeit …

Interne Verweise

Kommentare

20. Nov 2020

Ja, das scheint eine schwere Zeit -
Doch macht sich fein ein Licht bereit ...

LG Axel

20. Nov 2020

Das Licht kann nur der Impfstoff sein, wird uns erlösen aus der Pein,
man sollte ihn froh akzeptieren – und nicht dagegen protestieren …

LG zu Axel - Marie

20. Nov 2020

Harte Zeit erleben wir grade - weltweit. Es ist schwer, die Balance zu behalten. Ein Brief zu schreiben an einen geliebten Menschen, der nicht mehr lebt – ist sicher eine heilende Methode. Er ist nicht für die Post gedacht, dieser Brief. Du schreibst ihn letztlich für Dich. Man sagt, es hilft, ihn anschließend zu verbrennen. Dein gekonnt gereimtes Sorgen- und zugleich auch Hoffnungsgedicht berührt mich, Marie.

HG
D.R.

20. Nov 2020

Ja, sehr schwer ist es, die Balance zu halten, alleine mit sich selbst zurecht zu kommen, Detmar. Der Tipp mit dem Verbrennen des Briefes gefällt mit. Das beschriebene Papier löst sich in Feuer und Rauch auf, der steil nach oben zieht und vielleicht …

Sei lieb gegrüßt - Marie

20. Nov 2020

Wird jedem wohl schön langsam klar...

Wir dürfen nicht aufhörn zu glauben,
was bleibt uns übrig auch als dies,
wenn Zahlen, selbst die Sinne rauben,
so schwarz und vieles lief wohl schief...

Ein Lichtstreif ist's am Horizont,
der uns vielleicht nun Hoffnung gibt,
wir werden sehen was noch kommt,
wie's sich entwickelt, wie's dann lief...

Eines jedoch wär zu bedenken,
wird nichts mehr sein, wie's früher war,
trotz vieler die noch anders denken,
wird jedem wohl schön langsam klar!

Danke für die Inspiration durch Deinen so tiefsinnigen Text liebe Marie, nichts wir mehr so werden wie es zuvor war, aber vielleicht ist es gerade für uns so eine Art 'Aufarbeitung' es niederzuschreiben.....

Herzlich liebe Grüße zu Dir - Uschi

20. Nov 2020

Wunderbar gedichtet bringst Du wieder es auf den Punkt, liebe Uschi. Dir fließt es nur so „aus der Feder“. Chapeau. Und ich gebe Dir Recht – man arbeitet auf, indem man es aufschreibt und teilt, jede/r aus ihrer/seiner Lebenserfahrung heraus. Ich grüße Dich sehr herzlich zurück!

Marie

20. Nov 2020

Dein schön gereimter Beitrag lässt mich mitfühlen
und ein zärtlicher Brief wird "seine" Seele erreichen,
und es wird ihn freuen und Dir bestimmt auch helfen.

Sei herzlich gegrüßt
Thomas

20. Nov 2020

Das hoffe ich, Thomas, danke für Dein Mitfühlen.
Sei herzlich zurück gegrüßt.

Marie

20. Nov 2020

This world today is a mess (Donna Hightower, Kultlied Anfang der 70er)
HG Olaf

20. Nov 2020

Danke, Olaf; Donna Lubertha Hightower sang es mit 48 Jahren und hatte damals schon genug Grund dafür, zu sagen, „this world is in an messe“. Wir alle hörten zu der Zeit auch die Warnungen des Club of Rome, dem Experten aus 30 Ländern angehörten, 1972 erschien das Buch „Die Grenzen des Wachstums“; und was haben wir daraus gelernt? Gar nichts, denn die Welt ist heute in einem noch viel schrecklicheren Zustand. Hoch lebe der MENSCH, die Krone der Schöpfung …

Liebe Grüße zu Dir - Marie

20. Nov 2020

Dieser " zärtliche Brief" wirkt wie Balsam, lässt die die Schrecken der Aktualität nicht aus, aber nimmt ihnen auch die Härten, die durch Deine Sprachkunst gewandelt werden, sich leichter anfühlen und somit ertragen lassen . Ein herausragendes Gedicht, liebe Marie, findet mit herzlichem Gruß, Ingeborg

21. Nov 2020

Danke, Ingeborg. Was auch immer Du schreibst, es hat Tiefgang. Bewundernswert, Deine sensible Art, Dich auszudrücken. Jeder Mensch schleppt in dieser Zeit der verordneten Vereinzelung sein Päckchen mit sich herum. Je sensibler sie/er veranlagt ist, desto schwerer wiegt es. Bei mir kommt die Trauer hinzu, man merkt es meinen Gedichten an. Ja, Balsam für die Seele, das ist, was wir besonders brauchen grade. Ich grüße Dich sehr herzlich zurück.

Marie

21. Nov 2020

Jeder Mensch braucht so seinen Halt, liebe Marie, und den muss es einfach geben, egal in welcher Form! Unsere Kontaktbeschränkung geht ja so weit, das wir nicht einmal unsere Kinder treffen dürfen, oder umgekehrt, und selbst wenn das für den engsten Familienkreis gelten würde, dürften Lupine und ich uns nicht treffen, sie wohnt in einem anderen Département. Es wird mit Leid, Leid gemildert und es sich erst in Zukunft zeigen, welches Leid bleibt.

Ich denke an dich und sei lieb gegrüßt
Soléa

21. Nov 2020

Liebe Soléa, danke für Deine tröstenden Worte. Euch trifft es in Franreich noch härter. Du bist so eng mit Lupine verbunden, es ist schwer, wenn Ihr Euch nicht sehen könnt. Aber sie kann Dir eins ihrer eindrucksvollen selbst gemalten Bilder schicken – und Du schreibst das Gedicht dazu. So entsteht eine wunderbare Verbindung zwischen Mutter und Tochter – auch über die Distanz hinweg. Welche vielfältigen WUNDEN uns diese harte Zeit des Coronalockdowns zugefügt hat, werden wir erst später spüren. Dann muss ein großer Heilungsprozess einsetzen. Erst einmal wird der Impfstoff helfen, ein Hoffnungslicht. Doch bei all dem dürfen wir die darüber liegende viel schwerer wiegende Klimakrise nicht vergessen. Wir leben in wirklich schweren Zeiten, müssen den Kopf oben halten und versuchen, durch Schreiben und Austausch zu verarbeiten, es hilft. Ich wünsche Dir VIEL KRAFT. Fühl Dich von mir umarmt.

Die herzlichsten Grüße zu Dir nach Frankreich - Marie

21. Nov 2020

Wir leben momentan in einer irren Welt. Warum ? Täglich erhalten wir die Antworten (Einschätzungen, Kommentare, Berichte) der
Medien, die sich für unsere Lesermeinung nur wenig interessieren. Der Gedanken- bzw. Sprachaustausch wird in solchen Zeiten immer wichtiger. Der bleibt uns - aus durchaus logischen Gründen - verwehrt. Wir werden einsam. Und die Einsamkeit kann uns
irre machen. Man denke nur an die ganze Trump-Geschichte und und und.
HG Olaf

21. Nov 2020

Das stimmt, Olaf; der Welt fehlt der Kompass. Wohin rast er, der Zug, in dem auch wir wir sitzen? Ist schon beunruhigend. Trump verschwindet einfach nicht, so etwas ist in der Geschichte der USA noch nie vorgekommen. Und Biden fehlt die Mehrheit in beiden Häusern, wie soll er dieses Irrenhaus zurück auf den richtigen Weg bringen? Man muss für ihn hoffen. Und für die Welt. Für uns alle. Sonst - wird man irre, das stimmt.

HG zurück

24. Nov 2020

hoffende Sorgen sorgendes Hoffen - verbindend zumindest in Gedanken und Ausdruck dieser tiefsinnigen Worte...
...ein Forum wie dieses und solch einfühlsamtieftraurighoffende Verse... - und die ganzen wundervollen Repliken, das lässt vorsichtig hoffen für uns Menschen.
Herzliche Grüße Yvonne

24. Nov 2020

Yvonne - ja, die Repliken – sind wichtig hier im Forum, die wundervollste von Dir – danke!

Herzliche Grüße zu Dir spät am Abend - Marie

24. Nov 2020

Das Gedicht spricht für sich...
man fühlt und denkt.
Traurig schön geschrieben.

Lieben Gruß
Kathi