VERNUNFT an GEFÜHL, ein Corona - Slam

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Zu leben ohne LIEBE, das helle Licht, sag mir, wer kann’s; ich nicht; bin eine Frau und reich an Jahren und weiß genau, ich hab’s erfahren - ganz ohne zärtliche Berührung hat nichts Gewicht; mir fehlt Verführung, mir fehlt die Hand, die streichelt, ein Blick, der schmeichelt; mir ist so kalt, mir fehlt der Halt, den Nähe gibt, mir fehlt der Satz, dass man mich liebt, dass man mir sagt, wie gut, dass es dich gibt; Distanz muss sein in diesen Zeiten, das weiß ich doch, so muss ich leiden und harre aus in meinem Loch und weine; ICH jedoch meine – nein, das muss nicht sein, sei dennoch froh, du bist nicht Schuld, es geht ja allen Menschen so, hab doch Geduld, sagt mein VERSTAND zu dem GEFÜHL und bleibt dabei gelassen, kühl; zwar wird es dauern, ein Ende nicht in Sicht, doch dich einmauern und klagen, es hilft dir nicht; ich kann dir sagen, was dich versöhnt - wenn das, was du gewöhnt, nun nicht mehr funktioniert, wird halt ein neuer Lebensmodus ausprobiert; willst du den Optimismus nicht verlieren, musst du Corona in den Alltag integrieren; verschicke liebe Mails, schreib Briefe mit der Hand, das alles rät mir mein VERSTAND; mir bleibt nur, seinen Ratschlag anzunehmen und mich vorläufig weniger nach dem zu sehnen, was es zurzeit nicht gibt; ich weiß, dass man sich auch aus weiter Ferne liebt; so schreib ich weiter und bleibe heiter und hoffe insgeheim, dass JEMAND mein Geschreibsel liest und meine Worte zustimmend genießt …

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Kommentare

26. Sep 2020

Was Du so schreibst, hat Witz, Verstand, ich finde, das ist allerhand,
Dir Kommentator dank’ ich laut – der Rückreim ist genial gebaut!

LG Marie

24. Sep 2020

Ach liebe Marie - wie gut, dass es Dich gibt und Deine ganz wunderbaren Texte, Du ahnst gar nicht wie sehr ich mich, speziell bei diesem, hineinversetzen konnte....

Herzlich liebe Grüße
Uschi

26. Sep 2020

Ja, liebe Uschi, ähnliche Überlegungen stellen wir alle an zurzeit, wir beachten brav die Regeln – nehmen den „Freiheitsentzug“ (oft auch murrend) hin, weil es sein muss, tragen Masken, halten Abstand, denn Gemeinnutz geht in dieser Situation vor Eigennutz. So zu handeln fällt uns schwer, weil unser gesamtes System auf die Sicherung der individuellen Grundrechte und Freiheiten ausgerichtet ist. Muss auch eine Ausnahmesituation bleiben …

herzliche Grüße zurück zu Dir –
Marie

24. Sep 2020

Rasant gereimt spricht dieser Slam zu mir, Marie; ich habe Dein rhythmisch fließendes Gedicht mit Zustimmung gelesen. Ja, wir müssen grade überall Kompromisse schließen und das oder den Virus in den Alltag integrieren (der Duden sagt, dass beides korrekt ist), die Regeln beachten, aber das Weiterleben nicht vergessen. Ich habe mir schon vor Corona angewöhnt, Briefe mit der Hand zu schreiben, führe eine lebhafte Korrespondenz mit einem Freund aus der Kindheit – und genieße es, dass die etwas erlahmte Handschrift wieder flüssiger fließt. Mit lieben Grüßen

D.R.

26. Sep 2020

Detmar; Handgeschriebenes - ob mit Füller und Tinte oder Kuli - ist wieder ganz aktuell, ein kostbares Gut, ein persönlich mit Hand beschriebener Brief im Kasten ist eine angenehme Überraschung, ein Zeichen der besonderen Wertschätzung, weil er wegen der Überpräsens von Computern in unserem Alltag eine Rarität geworden ist. Wie schön, dass Du diesen alten Brauch noch pflegst!

LG Marie

24. Sep 2020

...sich mit der "neuen" Alltagsrealität versöhnen und mutig durchgehen, liebe Marie, so sind Deine hervorragenden Zeilen bei mir angekommen. Handgeschriebene Briefe, gerade in dieser Zeit, haben etwas sehr besonders, können sie doch ein Stück Nähe sein.
Herzlich grüßt Dich Ingeborg

26. Sep 2020

Danke für Dein guten Worte, liebe Ingeborg; ja, kultiviertes Schreiben mit der Hand vermittelt Nähe, es scheint ein Hobby für Nostalgiker geworden zu sein, aber in den USA, so kann man lesen, wird es als Kunstform gepflegt und findet auch hierzulande immer mehr Liebhaber; ich begrüße es, wenn diese Kulturtechnik am Leben gehalten wird
und grüße Dich herzlich –

Marie

25. Sep 2020

Ich kann dich gut verstehen und mit dir fühlen, liebe Marie, das Wort isoliert kenn ich nur zu gut, auch ohne Corona - Alltag. Briefe schreiben per Hand, wird es bei den Jüngeren, auch bei mir, die sich nicht dazu zählt, weniger oder gar nicht mehr geben, aber dank Technik – sinnvoll eingesetzt, kann man sich fast noch näher sein, wenn auch nicht ganz so romantisch.

Sei lieb gegrüßt
Soléa

26. Sep 2020

Stimmt, liebe Soléa, der Austausch über Mails oder Apps kann auch etwas sehr Persönliches und sogar Liebevolles haben, es geht auch viel schneller hin und her, man kann unkompliziert Fotos schicken und sich nahe kommen. Der Trend zurück zur Handschrift als Kunstform gefällt mir aber auch.

Herzliche Samstagsgrüße zu Dir - Marie

25. Sep 2020

Einfach eine Klasse für sich.
Meine Hochachtung, liebe Marie.

LG Monika

26. Sep 2020

Ein Lob von Dir, über das ich mich sehr freue, liebe Monika!

Herzlichen Gruß zurück - Marie

26. Sep 2020

Ein weiser Text ist Dein "Geschreibsel"!!! Ohne ein gewisses Maß an Resignation sind eben viele Lebenssituationen kaum zu ertragen. Mir hilft die Vorstellung, dass ich durch die Annahme vieler Unannehmlichkeiten anderen und mir Gutes tue, indem ich (hoffentlich) dazu beitragen kann, jene andere und mich vor Schlimmerem zu bewahren.
Liebe Grüße vom Alfred und - gesund bleiben!

26. Sep 2020

Das beschreibst Du gut, lieber Alfred, ich fühle ähnlich, bemühe mich auch um Handeln;
sei lieb zurück gegrüßt und bleib auch Du GESUND!

Marie