Prediger des Friedens

von marie mehrfeld
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An diesem trüben viel zu warmen schmuddelig nassen ersten Tag des Monats Februar 2020
gehe ich trauernd auf dem Frankfurter Hauptfriedhof durch ein Grabfeld mit sich gleichenden Kreuzen aus verwitterten Steinen; es sind längst vergessene Gefallene des ersten Weltkriegs, die da liegen; und mir kommt in den Sinn, dass auch meine Familie „für Gott und Vaterland“ damals viele sinnlose Opfer gebracht hat; ich streife das mannshohe Efeu, das graue Gras mit der Hand und denke, warum haben wir aus den neun Millionen Toten nicht gelernt damals, warum haben wir nur 21 Jahre danach einen zweiten, noch schrecklicheren Weltkrieg angezettelt, dem noch viel mehr Menschen zum Opfer fielen; wenn man vor allem den Massenmord in den Konzentrationslagern mit einbezieht, geht man von 80 Millionen Opfern aus. Auch heute noch werden in vielen Ländern der Welt brutale Kriege geführt - wie nur zum Beispiel im Jemen, wo die verschiedenen Kriegsparteien das Land auch mit Waffen aus Deutschland in Grund und Boden bomben; dafür sollten wir uns kollektiv schämen. Eltern, Lehrer, geht mit euren Kindern durch diesen Teil der Friedhöfe, nehmt sie fest an der Hand und redet angesichts der Soldatengrabsteine mit ihnen über die Sinnlosigkeit aller Kriege, denn Albert Schweitzer hatte Recht, als er sagte - Soldatengräber sind die besten Prediger des Friedens.

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Kommentare

01. Feb 2020

Der "Sapiens", er vergisst sehr gern -
Drum scheint ihm wahres Lernen fern ...

LG Axel

01. Feb 2020

Kriege beginnen mit bösen Worten,
man hört sie an zu vielen Orten;

ein jeder nur sich selbst beachtet,
die Welt wird indirekt betrachtet;

ganz anonym lässt sich gut hetzen,
lasst uns die Werte neu besetzen …

LG Marie

01. Feb 2020

Guter Beitrag, mir fällt viel dazu ein. Kriege brechen nicht einfach so aus, sie werden bewusst herbeigeführt von uns machtgierigen Menschen, das war schon immer so, wird auch so bleiben. Auch, wenn man zukünftige Kriege am besten vom Computern aus betreibt – ganz ohne herkömmliche Waffen. Feindliche Hacker legen die großen elektrischen Kraftwerke lahm – und unsere Gesellschaft, die sich immer stärker abhängig gemacht hat vom Handy, vom Computer – kann durch einen gigantischen Blackout ihre Lebensgrundlage verlieren. Das endet tödlich. Wir benehmen uns auch wie Krieger und Räuber gegenüber der „Umwelt“, machen sie uns untertan, beuten sie aus, zerstören sie und damit die eigene Lebensgrundlage. Wie dumm wir sind. Unabhängig davon hatte ich beim Besuch von Gefallenengrabfeldern oder vor denen von zivilen Bombenopfern ähnliche Gedanken wie Du, Marie. Nirgendwo wird die Sinnlosigkeit von Kriegen sichtbarer als auf großen Soldatenfriedhöfen, siehe Verdun, sie sind Prediger des Friedens.
LG zur Abendstunde
D.R.

01. Feb 2020

Ja, Detmar, wir benehmen uns auch gegenüber der Natur wie Krieger und haben es fast geschafft, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Danke für Deine ausführliche Antwort
und LG zurück zu Dir.

Marie

01. Feb 2020

Da kann ich dir nur zustimmen, liebe Marie.
Kriege bringen nur unfassbares Leid, über mehrere Generationen hinweg. Ein Trauma, von dem sich nur schwer erholt wird. Wissen und innerer Wachstum
sind die besten Präventionsmaßnahmen.

Herzliche Grüße
Ella

01. Feb 2020

Danke, liebe Ella, ja, das trifft es, „Wissen und inneres Wachstum“ - ist die beste Kriegsprävention, nur spürt man davon leider in der großen Weltpolitik nicht viel …

sei herzlich zurück gegrüßt - Marie

02. Feb 2020

Liebe Marie, die Welt stumpft ab. Politisch gesehen und auch im Land/Länder selbst. Wenn die letzten Zeitzeugen tot sind, wirds immer schwieriger zu erinnern, Bilder und Gräber sprechen nicht. Wenn ich den Markt, mit seinen Ballerspielen sehe und was an Gewalt und Kriegsfilmen auf Streaming-Diensten angeboten wird, braucht man sich nicht wirklich über Unverständlichkeit und Empathielosigkeit zu wundern. Es reicht nicht nur an Jahrestagen an die Geschichte zu erinnern, da müsste viel mehr in Schulen passieren, mit einem Schwerpunkt darauf, denn eben nur bei sooo einem Thema darüber zufliegen, ist wie ein Schuss in den Ofen …

Sei lieb gegrüßt
Soléa

03. Feb 2020

Liebe Soléa, ich gebe Dir in allen Punkten Recht, wir sind auf keinem guten Weg. In den Schulen müsste mehr passieren, sagst Du, das stimmt, dazu braucht es engagierte Lehrer, die aber haben es schwer heutzutage, können sich gegen Beleidigungen und manchmal sogar tätliche Angriffe kaum wehren, deshalb herrscht Mangel – vor allem an Grundschulen, und selbst Schulleiter fehlen in vielen Bundesländern. Gräber können aber schon sprechen, ich war wirklich zutiefst berührt beim Anblick der verwitterten Reihen aus steinernen Kreuzen auf dem Friedhof.

Liebe Grüße zu Dir - Marie

02. Feb 2020

Mahnmal der Gefallenen

Eine Säule, eine Plakette gemeißelter Kriegsgeschichte, Jahre.
Ein halb verwelkter Blumenkranz angelehnt am Mauerwerk.
Aufgestellt im Spalier, teils schon verwittert, viele Kreuze.
Hilflos traurig, mahnen jene verwischten Namenszüge
gefallener Väter, Söhne und Geliebte.

Der grüne Rasenteppich liegt so still und friedlich da,
verwelktes Laub hat sich auf ihm verirrt.
Ein Fliegenpilz im Purpur Kleid, weiß getupfte Einsamkeit.
Kiefern lang gestreckt, schwanken rhythmisch himmelwärts.
Am Rande der Kriegsgräber wachen nachdenklich berührt
zwei alte Eichen. Mein Herz öffnet sich der Seelenruhe‘
kann diesen Tod einfach nicht begreifen.

LG - Jürgen

03. Feb 2020

Das hast Du in hoch poetischen Worten zum Ausdruck gebracht, lieber Jürgen, danke dafür.

LG Marie