One blew east, One blew west, One blew over the cuckoo´s nest...

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TESTBERICHT: Black Golden Nuggets Pakistani

Selbstversuch, Testdatum: 12.12.2019
Privatdozent Dr. Dr. Padiaménopé Ba Pallawatsch
(Staatlich geprüfter Haschaschin, M.A.)
Testort: Anonymes Labor in Gelsenkirchen-Erle

Mir wurde am 12.12.2019 durch einen mir persönlich bekannten Mittelsmann ein sehr sorgfältig verpacktes Postgut überstellt, direkt aus Ost-Pakistan nach Gelsenkirchen-Erle verschickt. Ich wickelte das Objekt der Begierde aus der Geruchs neutral gehaltenen Box, eingebettet in Natron und Katzenstreu, hoch interessiert heraus und begutachtete die immens teure Köstlichkeit eingehend.

Testphase I - 19:24 Uhr

Schon jetzt konnte ich sagen: Konsistenz, Geruch, Farbintensität - das war ein echter Pakistani! Allein dieser Duft... Einer Illusion würde ich hier gewiss nicht aufsitzen oder aufliegen. Eine herrliche Duftnote entströmte dem Klumpen, bestehend aus kleineren Eiern, leicht ölig, sehr harzig, wirklich vom Allerfeinsten. Verliebt betrachtete ich diese kleinen, nahezu pechschwarzen Eier. Dann legte ich mir mein Equipment zurecht. Es bedurfte einer wirklich exquisiten Vorbereitung.

Zunächst mein Pentastic, der Sprach-Aufzeichner im Kugelschreiber-Format. Ich prüfte den Speicher. Ausreichend. Auf den winzigen Chip würde ich meinen BGNP- Testbericht aufsprechen. Es begann nun also die Haschaschin-Ouvertüre. Dort liegt der Spiegel, zur genauen Analyse des Gesichts, der Augen, der Haut, des Teints. Daneben Pfirsich-Eistee, etwas Käse (zu Geschmacksneutralisationszwecken) und natürlich die Afterburner-Zigaretten, um das High zu verlängern. Einige Riegel der mir liebsten Süßigkeiten, Kaffee in der Thermoskanne - es konnte starten, mein großes Experiment. Gehen wir es also an. Gemächlich.

Sorgsam biss ich eine winzige Kuppe vom ersten Ei ab. Ich kostete zart, fast hingebungsvoll. Lässig rollte ich das kostbare Nichts von einer Mundtasche zur anderen. Dabei schmeckte, ertastete ich mit der Zunge erdig-raues Aroma, sehr herb und äußerst saftig, vermischt mit dem dunkel verhangenen Nachgeschmack von Rhabarber artiger Bitterkeit im dezenten Hintergrund, und extrem fauliger Süße im „main taste“ Bereich. Griffig und unkompliziert der Geschmack in der Mitte, superb, erlesen; ein wenig extrovertiert und ein ganz klein wenig schelmisch die pikante Nebenbei-Note, auch als sanfter Nebenher-Effekt bekannt.

Der burschikose, leicht lädiert-verkommene, durchaus laszive Habitus des Paria von Pakistan nimmt diesem Dope-Klassiker nichts von der vermeintlich intellektuellen Arroganz, obschon der Hang zum Obszönen recht deutlich erkennbar ist. Wer nun genauer hinzuschmecken bereit ist (und dies ist ja nur durch angelegentliches Rollen des Minikügelchens von einer Maultasche zur anderen möglich), der wird erkennen, dass es sich hier um eine Königin handelt. Um eine ausgestoßene Königin. Diese exzentrische Majestät mag hier die durch nichts verdiente Gnadengeste zu erweisen suchen, leicht gönnerhaft zeigt die Majestät eine grundgütige Haltung auf, und erteilt uns Unwissenden, Unwerten und Unterprivilegierten geflissentlich eine demütigende Lehre im Bereich der Geschmacksvielfalt und der Intensität respektive Bukett plus Erlebnisfülle. Ich fühlte mich wie ein Breitmaulfrosch.

Zäh zogen sich die Mundwinkel unaufhaltsam in die Richtung der Ohrläppchen (ja, lachen Sie nur, ich hab wenigstens welche!), träg und träger rollte das Kügelchen im Rachenraum umher. Der Blick in den Spiegel zeigte auf: Die Pupillen vergrößerten sich rapide, ich bekam Schock rote Augen, wie ein Albino-Kaninchen. Welche Wirkung, und das lediglich vom Kosten... Ich war begeistert, ja, ich war sogar enthusiasmiert! Und geriet ins Schwärmen. Was schmeckte ich noch? Richtig: Eine semi-latente, angedeutet frivole Ausgelassenheit im früh ekstatischen-endothymen Segmentbereich des Nebenflügels „Vorschmiere High“. Dies hier ist ganz außer Frage das wohl beste Dope, das ich seit langer, langer Zeit im Mund habe, in mir aufnahm, meinem Organismus zuführte.

Zum Abschluss gebe ich das Kügelchen noch auf die Zungenspitze. Sie ist nach nur wenigen Sekunden taub. Absolut taub! Das ist der Beweis. Hier haben wir es mit einem Spitzen-Dope zu tun. Besseres kannst du gar nicht verlangen, erwarten und bekommen. Now I´m gonna face parts of the paradise! Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie mich eine fette Tüte dieses Stoffs umhauen wird. Ach ja, Tüten bauen... Mein großes Problem. Als strikter Pfeifenraucher mit äußerst ungeschickten Händen kann ich´s überhaupt nicht, dieses Joint-Drehen. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in Köln, es war rund um 1968. Ich war Schüler der Rohloff-Schule, Agrippastraße, Köln, Abschluss-Klasse. Überall wurde LSD angeboten, Haschisch und Gras konntest du an jeder Ecke in Köln bekommen. Hyperbillig. So auch meist die Qualität. Die Szenekneipe „Sense“ war unser ständiger Aufenthaltsort. An einem frühen Nachmittag schob mir jemand ein wenig Dope zu. „Ich solle flott einen bauen gehen, auf der Toilette“. Keine Ahnung von der Materie. Es wurde ein Reinfall, im wahrsten Sinne des Wortes. Anstatt nun den Deckel runter zu klappen, baute ich über dem Lokus ein schräges Teil, völlig misslungen, und ließ dann auch noch alles fallen. Der einstige Besitzer musste sich selbst davon überzeugen. Immerhin, ich hatte nicht abgespült. Traurig sah er seine Krümel, den Tabak und das nasse Papier dort in der Schüssel schwimmen. Nie wieder wurde ich darum gebeten, „einen zu bauen“. Heute gibt es den Cone Artist, für all die Typen mit den 2 linken Händen.

In der Pfeife kannst du solch edles Rauchwerk nicht verheizen! Eine gewisse Pietät und ein hoher Respekt vor jenem Stoff lässt mir ja keine Wahl. Feiertagsdope gehört nun mal in Tüten geschmoddert. Auf der Feinwaage wog ich exakt 2 g davon ab. Beim Zerbröseln fiel auf, dass es ohne jede Unterstützung eines Feuerzeugs, sehr leicht zu zerteilen war. Etwas ölig, konnte es wunderbar zu einer längeren Wurst gerollt und dann, fast zärtlich, zerteilt werden.

Die rituellen Vorbereitungen zum High

Nun baute ich umständlich, weil gar nicht mehr gewohnt, eine primitive Tüte. Einen Cone Artist nenne ich nicht mein Eigen. Sehr schade. Mit einem dicken Hubbel in der Mitte und reichlich schrägen Nähten, einem miserablen Filterstück und eklatant verkorkstem Abschluss oben hob ich das krasse Teil, das als solches den Namen Reefer oder Joint, Blunt oder Spliff nur bedingt verdient hätte, zur vorgeschrieben trockenen Unterlippe. Ich setzte das schwere Gerät in Brand, nachdem ich meine rituellen Sprüche mit geschlossenen Augen aufgesagt hatte: Bom Bom Shiva, Bom Shankar, heja heja, Om Shanti! Als Shiva-Adept hatte ich zwingend die Augen geschlossen zu halten! Lappig und schief, schwer und mit diesem entsetzlichen Hubbel in der Mitte hing mir der 5-Blatt-Reefer aus dem Mundwinkel. Die beiden gestrengen Herren aus meinem direkten Umfeld, „Al, der Experte“ und „Sponti“, meine Dauerkiffer-Zecke (nistet sich seit Wochen bei mir ein; gerade jetzt aber scheint er nicht anwesend zu sein), würden

Selbstmurmelnd ein fiktiver Test-Bericht. Niemanden halte ich dazu an, Drogen zu konsumieren. Es ist mir ein Anliegen,
allen Menschen mitzuteilen, dass ein gänzlich drogenfreies Leben erstrebens- und wünschenswert ist. Dies dient nur der
Unterhaltung. Mag Freude daran haben (Wortwitz, Idee, Sprachschatz), wer immer auch will. Ich persönlich gebe mich
keinerlei Lastern hin. Doch ich las zu viel Aleister Crowley und Timothy Leary. Das hat wohl etwas abgefärbt. Wie auch
immer: Hier haben wir Unterhaltung pur. Ein fiktiver Testbericht eines fiktiven Menschen. Alles ist erstunken und erlogen.
So kann mich auch niemand für irgendetwas belangen. Und das ist gut so. Danke für Ihre freundliche Aufmerksamkeit.

Veröffentlicht / Quelle: 
Hanfblatt Nr. 72, Juli/August 2001, Seite 56

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Kommentare

07. Jan 2020

Hallo Gherkin

sehr gut geschrieben, man sieht sofort, dass du Freude daran hattest.
Gut auch, dass es nur erstunken und erlogen ist, denn genau genommen gibt es da nichts zu verniedlichen.

LG
Dirk

07. Jan 2020

Grüße dich Gherkin Green,
aufschlussreich, was mich erwarten könnte, sollte ich es eines Tages dir und den anderen 4 Mio gleichtun, aber in dieser Hinsicht gibt es wenig Aussicht auf Erfolg. Ich werde es nicht tun, nicht mehr! Ein oder zwei Leben davor, so um die 70er des letzten Jahrhunderts herum, bin ich da und dort tatsächlich auch in gewisse Versuchs-Versuchungen geraten. Das war seinerzeit nichts Aussergewöhnliches, anders herum wäre es eher die Ausnahme gewesen. Von alle dem, was du in deinem Testbericht beschreibst, habe ich nichts erfahren. Niemand hätte sagen können, woher das Zeug stammte. Es war egal. Vielleicht lag's daran. Ja, das muss es gewesen sein. in meinem Fall waren sicher keine Verbindungen nach Pakistan vorhanden. Interessant und aufschlussreich zugleich, wie der verschlossene Kühlschrank zeigt oder der unschätzbare Hinweis auf die Notwendigkeit des Besitzes von Pistazien-Eis. Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Hinweis für Diabetiker an dieser Stelle: Pistazien-Eis gibt es auch vegan! Schweigen und Dämmern, schreibst du, als sei nichts mehr, als dieses gewesen. Erstrebenswert für all jene, die niemals zur Ruhe kommen, weniger ergiebig für die anderen, die stets in Ruhe sich befinden, die Ausgeglichenen, die nichts Erwartenden. Sie würden die Ausnahme, den Unterschied der Situation möglicherweise nicht erkennen, ihn vielleicht sogar verschlafen - absolute Ruhe eben!
Es ist doch schön, dass es noch Menschen gibt, die vor einem Selbstversuch nicht zurückscheuen. Früher hättest du hierfür noch einen Nobelpreis erwarten können oder zumindest eine Nominierung, aber heute...? Auch dieser Ausblick war fiktiv, wie deine ganze Story, dein Testbericht.
Mein lieber Gherkin Green, teste weiter und veröffentliche deine Berichte, damit wir vorbereitet sind, sollte aus deiner Fiktion eines Tages Realität werden!
Grüße
Hans - fiktiv auch funky.

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