AU 2013 00 Rekordverdächtiger Reiseplan

von Willi Grigor
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Jeder Mensch beginnt bei seiner Geburt eine Lebensreise, die, wie ich meine, mit dem Tod nicht aufhört. Wir alle befinden uns, zusammen mit unseren Vor- und Nachfahren, eigentlich mehr oder weniger ständig auf einer Generationenreise durch die Zeit.

Das Leben ist eine Reise,
sie beginnt mit der Geburt.
Der Tod ist nicht die Endstation,
am Lebensbahnhof wartet schon
die nächste Generation.

Meine Familie ist ein Beispiel dafür:
Die Vorfahren meiner Mutter lebten im 18. Jahrhundert in der früheren Markgrafschaft Baden-Durlach, im heutigen Baden-Württemberg. Ein Martin Schulz gehörte zu den ersten deutschen Einwandererfamilien, die zwischen 1787 und 1791 in das leere Landgebiet Bukowina (Buchenland) kamen, das zum österreichischen Kaiserreich gehörte (heute Ukraine).
Durch Grenzveränderungen und Weiterzug wurde ein Teil der Nachfahren der deutschen Einwanderern, darunter auch meine Familie, rumänische Staatsbürger deutscher Herkunft. 1940 Umsiedlung nach Deutschland. Ich traf 1970 in Ravensburg eine Schwedin und lebte mit ihr einige Jahre in Königstein im Taunus. Seit 1975 leben wir in Schweden, unsere Kinder sind hier geboren. Der Sohn lebte 20 Jahre in Australien, ist mit einer Australierin verheiratet, deren Familie von einem Engländer abstammt, der als Strafgefangener im 19. Jahrhundert nach Australien verschifft wurde. Seit 2017 lebt die Sohnfamilie in Schweden. Die Reise wird weitergehen.

Verglichen damit erscheint unsere bevorstehende 3-Monate-Reise gar nicht mehr so groß, aber dennoch:

Diese unsere vierte Australienreise 2013 ist in mehrerer Hinsicht für uns rekordverdächtig:
- Wir werden in drei Teilstaaten in sieben Orten unter Ortsansässigen wohnen, Flugkilometer über Australien: ca. 11000 km.
- Wir besuchen zum ersten Mal Tasmanien und das Große Barrierenriff.
- Die Sohnfamilie (ansässig in Brisbane) wird uns in Tasmanien besuchen und dort eine eigene Enteckungsreise machen.
- Die Tochterfamilie in Schweden wird einen Monat in einem gemieteten Haus in Caloundra, nördlich von Brisbane, wohnen. (Bei einem Besuch dort verwirkliche ich meinen lange gehegten Traum: Einen Fallschirmsprung mit Landung auf einem Strand am Currimundi Beach. Mein eigenes Geburtstagsgeschenk zum 70. Geburtstag sechs Wochen vorher.)
- Die gesamte "Großfamilie" trifft sich in Airlie Beach am Großen Barrierenriff zu einem abschließenden Familientreffen.
- Drei Monate ohne Hotelübernachtung, nur mit Wohnungstausch (also gratis), Treffen mit unseren zwei anderen Familien an verschiedenen Plätzen - Eine langwierige und herausfordernde Organisationsarbeit war erforderlich. Wir hatten Glück, alles hat geklappt.

Vorgeschichte
Im Juni 2011 war das Wichtigste für die im darauffolgenden Jahr geplante vierte Reise schon geregelt: Wir hatten Abmachungen mit Wohnungstauschpartnern in Adelaide, Tasmanien, Redcliffe und Buderim für Anfang Februar bis Ende April 2012.
Ungefähr 40 Anfragen hatten wir an Homelink-Mitglieder geschickt. Fast alle antworteten, 14 waren interessiert. Mit vier Paaren wurden wir uns schnell einig. Es ging zum vierten Mal wie geschmiert. Wie so oft waren die Antworten spontan, kurz und positiv. Einige Beispiele:

Antwort auf eine Anfrage in Hobart/Tasmanien:
Dear Willi and Gullan
Tricia and I have just returned from 7 weeks in South America - hence the delay in replying to your request. The last two weeks in February 2012 would be fine by us. There are opportunities either to stay here in Hobart or at our holiday home some 60 minutes away by car near Port Arthur. In the event of a return visit by us to Sweden we would probably come in late spring or late summer your time.
Best Wishes, Bob and Tricia

Antwort auf eine Anfrage in Redcliffe, Sunshine Coast:
G'day Willi and Gullan
Thanx for your request. You are welcome to have this place during March/April. We will be away, on and off for the first part of 2012. In regards to us having access to your home we can sort this out at some other time that would suit both of us. I'll leave it up to you
Kindest regards, Pat and Mal

Antwort auf eine Anfrage in Buderim, nahe Sunshine Coast:
Dear Willi and Gullan,
Thank you for your interest in an exchange to the Sunshine Coast. We are open to an exchange during the latter part of your vacation (April, perhaps). We had a brief visit to the Scandinavian countries in 1999 and are keen to explore the area in more depth. We look forward to your response.
Kind regards, Bill and Jan

Mit dem Buchen der Flüge hatte es Zeit bis zum Herbst.

Am 1. Juli 2011 erhielten wir die freudige Nachricht von Tochter Karin, dass sie für Mitte Februar 2012 ein Kind erwartet.
Nach einer kurzen Bedenkzeit entschieden wir uns: Die Australienreise wird auf 2013 verschoben!

Wir schrieben an die Tauschpartner und erklärten die Situation. Wir waren darauf vorbereitet, dass jemand abspringen würde. Das war jedoch nicht der Fall, alle vier Paare waren damit einverstanden, die Reise um ein Jahr zu verschieben. Wiederum eine Bestätigung unserer Erfahrung, dass die Menschen in Australien locker und entgegenkommend sind.

Am 15. Februar 2012 kam Enkeltochter Moa zur Welt. Wir waren wirklich froh, dass wir nicht in Australien waren. So konnten wir auch die ersten Monate ihrer Entwicklung miterleben und uns außerdem nützlich machen.

Am 10. September 2012 erhielten wir dann die Nachricht von Pat und Mal in Redcliffe, dass sie leider doch nicht nach Åmål kommen können, Pat ist an einer länger währenden Krankheit erkrankt. Mal wollte sich aber bei seinen Freunden umhören, ob jemand für sie einspringen will.
Da dies für uns eher unwahrscheinlich war, schickte ich gleich eine Anfrage an einige weitere Reisewillige in dieser Gegend. Bevor es jedoch zu einer neuer Abmachung kam, erhielten wir eine weitere Nachricht von Pat und Mal aus Redcliffe: Die Nachbarn in der Wohnung unter ihnen würden gern den März 2013 bei uns in Åmål verbringen. Eine unwahrscheinliche Wendung. Wiederum eine Bestätigung unserer Erfahrung, dass ... (siehe oben). Wir waren sehr interessiert daran, in Redcliffe zu wohnen. Es liegt ziemlich nahe an Brisbane, wir waren 2008 schon einmal für drei Wochen dort (im angrenzenden Ortsteil Scarborough) und haben uns sehr wohl gefühlt. Außerdem wohnt dort ganz in der Nähe ein Herr Ottmar Maier, den ich gern besuchen würde. Er hat ein einzigartiges Experimentalflugzeug in einem Schuppen, dessen Flügel einen geschlossenen, horizontalen Ring um den Sitzbrunnen bilden (in den 1970er Jahren von einem eingewanderten Deutschen in Melbourne entwickelt und gebaut). Wir haben seinen gleitschirmfliegenden Sohn 2010 in Sunshine Beach kennengelernt. Ottmar Maier selbst war nie ein Flieger. Aber er interessiert sich scheinbar für alles.
Daraufhin habe ich ein paar Mal mit Ottmar telefoniert. Er

© Willi Grigor, 2013 (Rev. 2019)

Zugehörige Berichte:
literatpro.de/prosa/040416/au-2013-schluesselerlebnis-in-hobart
literatpro.de/prosa/190416/au-2013-02-eaglehawk-neck-teil-1
literatpro.de/prosa/210916/au-2013-03-eaglehawk-neck-teil-2
literatpro.de/prosa/290418/au-2013-04-eaglehawk-neck-teil-3
literatpro.de/prosa/090616/au-2013-am-great-barrier-reef
literatpro.de/prosa/110316/geschichte-eines-traums
literatpro.de/prosa/100419/au-2013-singapur-carrickalinga-adelaide

L: Flugroute Singapur - Adelaide - Hobart - Melbourne - Brisbane - Airlie Beach - Brisbane - Singapur R: Fische wunderten und küssten sich

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Interne Verweise

Kommentare

10. Okt 2019

Der Leser im Gepäck - stets gerne:
Dank Worten ging's mit in die Ferne!

LG Axel

10. Okt 2019

Auch wenn die Ferne eine Lockung ist -
sie nur bedingt das "Beste" ist.

LG
Willi

11. Okt 2019

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weitere Welt...
Eine Wahnsinnsstory
HG Olaf

11. Okt 2019

...und er hat mir die rechte Gunst erwiesen!
In Australien bin ich ein ganz anderer Mensch geworden. Ich begann zu schreiben (Reiseberichte), was ich nie vorher tat. Ich wollte ein Gedicht schreiben, am Strand - noch verrückter!
Hier kannst Du lesen, wie dieser Anfang war 2013:
literatpro.de/prosa/100419/au-2013-singapur-carrickalinga-adelaide (Seite 3)
literatpro.de/prosa/040416/au-2013-schluesselerlebnis-in-hobart

Danke für den kurzen aber treffenden Kommentar, Olaf.

LG
Willi

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