Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 18. Allahu akbar

Bild von Alf Glocker
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Rom hinterließ zuallererst einmal ein riesiges Machtvakuum. Es gab zwar noch einen Oströmischen Kaiser, doch der würde sich bald außerstande sehen, alle Aufgaben zu bewältigen, die zum Schutz Europas nötig gewesen wären, denn von Osten näherten sich gleich drei schreckliche Plagen: die Pest, die Seldschuken und der Islam!

Geschwächt durch innere Schwierigkeiten, die aus dem Streit um die Auslegung christlicher „Werte“ geprägt war (Arianismus gegen Orthodoxie), konzentrierten sich die westlichen Völker kaum auf die heranrückenden Gefahren aus dem Osten. Die zunächst eher vergleichsweise harmlos auftretenden Stämme der Seldschuken aus der asiatischen Steppe rückten immer weiter nach Westen vor. Teilweise waren sie sogar dem Kaiser zu Diensten!

Und auf einmal erhoben sich die Araber aus der Bedeutungslosigkeit ihres einfachen Wüstennomaden-Daseins, um, mit Hilfe einer grausamen Religion, die halbe Welt zu erobern. Ihr „Leitbuch“ ließ nichts außer dem Islam gelten – es war ein einziger Mordaufruf! Und noch etwas machte sie unheimlich stark, ihr „anderes“ Verhältnis zu Frauen.

Während man sich in Europa daran machte, die Frau in Minnegesängen zu verherrlichen, beschnitt der Islam nicht nur ihre bis dahin ohnehin schon spärlichen Rechte, sondern auch die Penisse der Männer, damit man sich – auf Teufel komm raus – fortpflanzen konnte. Wie auch bei den alttestamentarischen (Thora) Juden schien es das oberste Gebot dieser Leute zu sein, sich alle Welt untertan zu machen. „Gehe auf deinen Acker, so oft du willst“, versprach der Koran den Männern und er verdammte Weiber, die das so nicht wollten!

Das Volk aus der Wüste griff die anderen Länder meist aus Sandstürmen heraus an und schlug ihre Heere vernichtend. Ihr Herrschaftsgebiet wurde sehr schnell größer … die alten Reiche Nordafrikas und Kleinasiens versanken in Schutt und Asche und ihre Bevölkerung wurde zumeist nicht nur islamisiert, sondern auch arabisiert. Wer nicht an Allah glauben wollte, der musste zusätzliche Steuern zahlen oder verschwinden. Die Schlinge um Europa zog sich weiter zu!

Fatalerweise beschäftigten sich die Europäer hauptsächlich damit, sich gegenseitig zu bekriegen. Die Franken schlugen die Sachsen, die Wikinger terrorisierten die Franken, die Bajuwaren stritten sich mit den Schwaben, Die Langobarden unterlagen zuerst den Franken und dann den Italienern, die Russen schlugen sich mit den Ordensrittern herum und in der geistigen Mitte saß, wie eine hässliche Spinne, der Papst, der (welcher auch immer) mit Ränkeschmieden, Orgien und der Anhäufung irdischer Reichtümer befasst war.

Die Götter mussten sämtliche Augen zudrücken, um nicht völlig aus dem Häuschen zu geraten. Aber seit der Verwaltung der Erde durch den Schicksalsgenerator „vertrauten“ sie kritisch auf dessen Kompetenz und führten einfach aus, was dieser bestimmte … Als endlich sogar der Papst die Gefahren erkannte, die Europa zu zerstören imstande sein würden, wurde allgemein zu den so genannten „Kreuzzügen“ aufgerufen, die hauptsächlich eines zur Folge hatten: die Bildung des Templerordens, der wiederum ebenfalls sehr an der Anhäufung von irdischen Reichtümern interessiert war – die natürlich den einfachen Ordensbrüdern (den Tempelrittern) nicht zugutekamen.

Doch bevor es noch zu diesem segensreichen Kulturaustausch von Ost und West durch die Templer kam, mussten die Götter, auf Geheiß des Generators, einschreiten. Ein gewaltiges Kreuzfahrerheer von 140 000 Mann, unter dem deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa, näherte sich dem arabisch-islamisch besetzten Jerusalem! Wäre es angekommen, hätte die sagenhafte Streitmacht vermutlich die gesamte Levante erobert und die arabischen Heere so empfindlich geschlagen, daß sich der Islam über mehrere Dekaden nicht erholt hätte. Das durfte nicht passieren, denn das Endprodukt „Reifer Mensch“ wäre dadurch gefährdet gewesen.

Europa durfte sich zu dieser Zeit noch nicht über die Dinge bewusstwerden, die es eines Tages an den Rand der Zerstörung, durch allzu große Naivität, führen sollten. Also kam Barbarossa, an einem heißen Tag, auf durchaus nachvollziehbare Ideen: Er wollte ein Bad nehmen … Zwei Götter aktivierten ihre gesamte Gedankenkraft und führten damit den alten Kaiser aufs Glatteis – mitten in die Fluten eines kühlen Gewässers, wo ihn logischerweise sofort der Schlag traf. Doch was geschah dann?

Jedes andere Heer hätte einen neuen Führer gewählt und wäre, seiner Aufgabe folgend, weitergezogen, um den Feind zu vernichten. Nicht so die Deutschen: Sie trauerten entsetzlich um ihren Vater der Nation und hatten nichts Besseres zu tun, als ihn standesgemäß zu Grabe zu tragen. Die Legenden darüber bewegten sich zwischen Nationalstolz und Kitsch auf eine lächerliche Quintessenz zu, die von „Moral“ und „Herrlichkeit“ nur so strotzte. Ihre eigentlichen Aufgaben aber hatten die Kreuzfahrer vergessen.

Übrig geblieben war bloß noch Richard Löwenherz, der mit nur um die 36 000 Mann Jerusalem einnahm und schließlich sogar noch mit dem großen Saladin eine vorläufige Übereinkunft erzielte. Auf seiner Rückreise, nach einigen schweren Schlachten, wurde er – wie sollte es anders sein?! – von einem anderen „christlichen“ König, in Bayern, gefangen genommen und sein Volk musste eine unglaubliche Menge an Lösegeld für ihn bezahlen. Die Götter schüttelten zwar wieder einmal ungläubig ihre weisen Häupter, ahnten aber, worauf das Ganze hinauslaufen sollte.

Im weit entfernten China vollzog sich derweil klammheimlich eine ungeheuer pragmatische Verbreitungspolitik, die an Effizienz ihresgleichen suchte … Die Chinesen brauchten keine Sklaven – sie versklavten sich selbst! Sie beuteten ihre Arbeitskraft gegenseitig, unter größten Verlusten, aus, sie bewahrten ihre Identität und sie errichteten ein Riesenreich mit einer komplett eigenständigen Kultur, deren Entwicklung völlig andere Wege ging als in Europa.
Dabei verdrängten sie, was ihnen vor die Lanzenspitzen kam.

Und auch in Japan geschah Entscheidendes: Die mongolisch geprägten Einwanderer drängten die Ainus, die Urbevölkerung der Inselkette, nicht bloß systematisch zurück, sie rotteten sie fast vollständig aus (wobei die hübschen Frauen aus der Urbevölkerung selbstverständlich weiterverwendet wurden). In Ermangelung von Kontakten zu ihren Wurzeln konnten die Ainus leider nicht am technischen Fortschritt der übrigen Welt teilnehmen und die Japaner zeigten auch kein gesteigertes Interesse, sie durch Handel und kulturellen Austausch an ihrem Aufstieg teilnehmen zu lassen. Die Zeichen der Zeit ließen wieder einmal, was die Herausbildung einer rücksichtsvollen Gemeinschaft der Menschenwesen betraf, sehr zu wünschen übrig!

Der Vordenker 1, VR-00-00-69, hatte sich indessen in seinen Genius-Turm in seiner Heimatstadt auf den Götterplaneten zurückgezogen. Dort arbeitete er an weiteren Denkmodellen, die Entscheidungen des allmächtigen Schicksalsgenerators entweder in Frage stellen, oder sie vorausahnen sollten. Hochkreativ schob er virtuelle Bilder in seinen Hallen durcheinander, fertigte 3-D-Modelle von Eventualereignissen an und vergrub sich schließlich in eine tiefe Melancholie … einen Zustand, der unter Göttern bisher unbekannt gewesen war.

Die Gedanken seiner Brüder und Schwestern in der kegelförmigen Großstadt erreichten ihn nicht mehr. Tag und Nacht wechselten, ohne daß ihn jemand an der Spitze der Gedankenpyramide des Volkes wahrgenommen hätte. Plante er ein Parallelkonstrukt, das die Berechnungen des Generators ad absurdum führen könnte? Er teilte niemandem etwas mit! Und das war ebenfalls ein Vorgang, der unter den Göttern absolut unüblich war, denn jeder, der einen höheren Geist als die anderen besaß, hatte damit auch automatisch die Verpflichtung, seine Überlegungen transparent zu gestalten.

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