Ausgewählte Namen

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Irritation breitete sich auf dem Gericht von Wolfgang Manor aus. Seit mittlerweile fast 25 Jahren arbeitete er für die Firma Godhot Services. Die Firma hatte ein System entworfen, welches sich teilweise in der Illegalität befand, um Entscheidungen zufällig ablaufen zu lassen. Die Kunden kamen von privater sowie staatlicher Seite aus.
Damals vor 25 Jahren hatte es begonnen mit Zahlencodes, die von Menschen zufällig eingekreist wurden, weitergegeben wurden und so Organspenden, Arbeitsverträge und vieles mehr durch den Zufall geklärt wurde.
Es war weit weg von perfekt, das wusste Wolfgang, aber es war ein System gewesen, welches immer besser als das bestehende war. Staaten, Krankenhäuser, Unternehmen waren voll von Korruption und Vetternwirtschaft.
Seine Aufgabe war es die Zweigstelle zu leiten, mit Bewerbern zu sprechen und alles weitere, was anstand. Die letzten Tage waren sicher nicht die geruhsamsten und auch insgesamt war er mehr und mehr irritiert.
Er rauchte mehr als sonst, er spürte, dass er gestresst war, sah es an den sich schneller leerenden Zigarettenschachteln. Nach einem Streit hatte sich auch die Sekretärin verpisst und nun hatte er einen noch größeren Stapel vor sich.
Papiere verschicken, Berichte schreiben. Dann vor nicht einmal sechs Stunden ein Gespräch mit einem Mitarbeiter, der das System falsch und abstoßend fand, den er aber dann glücklicherweise doch überzeugen konnte. Er wusste, wie er mit den Leuten sprechen musste.
Vor einigen Monaten hatte sich das System geändert und aus den Zahlencodes wurden echte Namen gemacht. Alles hatte sich geändert.
Er erinnerte sich noch an die Tage, als er mit Konrad Godhot und seiner Frau Mary Godhot zusammen mit seiner eigenen Frau zu Abend gegessen hatte. Die Godhots hatten sich wenig später geschieden und seine Frau war noch im selben Jahr an Lungenkrebs gestorben. Die verdammten Zigaretten. Er schüttelte den Kopf und drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus. Eine Schachtel Vita Nostra Fumis – manche Dinge änderten sich wohl nie.
Die Strukturen wurden immer größer und mehrmals hatte er an diversen Standorten Arbeit übernommen, aber nun war er schon seit gut 8 Jahren hier angestellt. Und er mochte seinen Job. Er war überzeugt von dem System. Und doch irritiert.
Es waren kleine Nadelstiche gewesen, doch nun war es Schlag direkt in sein Gesicht. Es wäre nicht passiert, wenn er den Stapel Blätter wie üblich von seiner Sekretärin hätte bearbeiten lassen, das wusste er.
Er sah noch einmal nach wie das Postfach genau hieß. Der Vorfall war ein einfacher gewesen. Der Mitarbeiter Carsten Ebber hatte sich über das System beschwert, wollte aufhören, doch Wolfgang hatte ihn beschwichtigen können, sodass er zurück an seine Arbeit ging, wie gesagt. Doch was er nun sah, war nicht möglich. Ein Zettel, aus dem Stapel von Carsten Ebber, in dem der Name Carsten Ebber eingekreist worden war!
Er wusste nicht, weshalb oder inwiefern das relevant war, aber es war falsch. Ein Zufall? Niemals. Aber vielleicht doch, auch wenn es in den ganzen Jahren nie zu so etwas gekommen war.
Es wurde spät und langsam müsste er wirklich nach Hause gehen. Routiniert griff er zu dem Aschenbecher, um ihn zu reinigen. Alles sollte seine Ordnung haben. Die Asche landete im Papierkorb und er holte ein Taschentuch aus seinem Schreibtisch. Er wischte ihn durch, legte ihn zurück auf den Tisch, warf das Taschentuch weg und ging nach Hause. Die Irritation war nicht weg, aber er würde das erst einmal auf sich beruhen lassen.
Am nächsten Abend kontrollierte er wieder die Blätter; keine Auffälligkeiten. Wohl ein Zufall. Er steckte die Blätter in den dafür vorgesehenen Umschlag, leerte wieder den Aschenbecher und wischte noch einmal durch. Routiniert. Seltsame Woche. Aber es schien wieder Ruhe einzukehren. Doch dann bemerkte er eine Unebenheit im Aschenbecher und schaute genauer hin. Ein Sprung. Ein winziger Sprung. Doch was ihn noch mehr irritierte, als der Sprung, war das Blinken.
Er riss die Augen auf, schluckte schwer. Was war das? Er zögerte nicht. Mit einem harten Schlag ließ er den Keramikaschenbecher zersplittern und sah sich die Einzelteile an. Ein winziges metallenes Ding lag dort. Er sah es sich an. Eine Wanze? Es sah aus wie ein winziges Abhörgerät. Ohne zu zögern stellte er sein Zimmer auf den Kopf. Sein Herz schlug schneller. Weg mit den Büchern, weg mit den Schränken, jeden Winkel kontrollierte er und fand insgesamt eine winzige Kamera und zwei weitere kleine metallene Teile, die wie das Teil aussahen, welches er gerade in der Hand gehalten hatte.
Er wurde überwacht. Wütend zerbrach er die Kamera in seiner Hand und sah sich noch einmal den Umschlag an. Er musste herausfinden, wo dieses Postfach war. Er brauchte eine Antwort. Irgendetwas lief extrem falsch.
Er notierte sich die Postfachnummer, gab den Umschlag weg wie immer und sah zu Hause im Internet nach, wo der Standort war. Es war in der nächsten Stadt; er müsste dort hinfahren.
Morgens präparierte er die Alltäglichkeiten, legte die Stapel zurecht, dass der Betrieb laufen würde und fuhr dann mit der Bahn in die nächste Stadt. „Nächste Haltestelle: Neidfels“, schallte es aus einer Sprechanlage und er stand auf, um nach draußen zu gehen.
Nachdem er angekommen war, ging er zur Postfachstelle, beobachtete die Leute mit einigem Abstand. Die Umschläge, die mit Godhot-Services zu tun hatten, waren immer mit einem roten Kreis gekennzeichnet. Aber was wäre wenn der Mann oder die Frau oder die Gruppe, die die Umschläge abholte, sie einfach direkt in eine Tasche oder einen Rucksack packen würde? Daran hatte er nicht gedacht. Aber er konnte auch nicht die ganze Zeit in dem Raum stehen und die Leute anstarren.
Doch dazu kam es nicht, denn ein Mann Anfang dreißig, hatte den Umschlag in der Hand, hielt ihn geradezu präsentierend. Wolfgang folgte dem Mann ein paar Straßen weiter. Zusammen stiegen sie in einen Bus. Der Mann stieg aus. Wolfgang stieg aus.
Eine Straße noch, dann bog der Mann auf einen Kiesweg zu einem Häuschen mit Vorgarten, durch die Tür hinein. Irgendwie hatte Wolfgang mehr erwartet. Ein imposantes Gebäude. Irgendetwas in diese Richtung. Hier kamen die Umschläge an? Nichts war ungewöhnlich. Das machte es seltsam. In der Vorstadt, ein Häuschen, doch trotzdem, trotzdem musste er es versuchen.
Er wollte Antworten. Jetzt.
Was konnte er nun tun? Da ihm rein gar nichts einfiel, klingelte er

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