Das Kloster - Page 5

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nur mit meinen Gedanken? Freddy – kopier das bitte.“ „Ja, mach ich.“ Während der junge Mann verschwand und das penetrante Druckergeräusch gedämpft durch die Wand drang, fragte die Bürgermeisterin noch beiläufig: „Wann planen Sie eigentlich abzureisen?“ Leander fiel auf, dass sie die zweite Stimme gewesen war, die er gestern gehört hatte und zögerte deswegen.
„Die nächsten Tage, dachte ich“, sagte er zurückhaltend – es verunsicherte ihn noch mehr. „Ich hoffe, Sie kommen gut voran.“ Nur einen Moment später kam ihr Sohn mit einem Stoß Papiere zurück und drückte sie ihm in die Hand.
„Schönen Tag wünsche ich Ihnen noch“, sagte die Bürgermeisterin und Leander verließ das Gebäude. Irgendwie erleichterte es ihn, dort herausgekommen zu sein. „Jetzt noch zum Kloster?“, fragte Herr Dano. „Nein, ich glaube nicht – fahren Sie mich zurück ins Hotel bitte“, erwiderte er. „Das ging ja heute fix.“ „Morgen geh ich sicher noch einmal zum Kloster.“ „Übliche Zeit?“ Leander nickte.
Wieder vergrub er sich in den neuen Texten, mehr über das Material, nun teilweise sogar ein paar Informationen zum Neubau. Die Informationen waren zwar grob, schlossen aber trotzdem die eine oder andere Lücke.
Abends aß er wieder eine kleine Suppe und legte sich dann ins Bett. Am nächsten Morgen wachte er mit Bauchschmerzen auf und fühlte sich fiebrig. Beim Frühstück kam der Besitzer zu ihm und fragte: „Wie fühlen Sie sich heute, Herr Tremens?“ „Nicht gut – hab mir vielleicht was eingefangen.“ „Vielleicht sollten Sie nach Hause fahren – die Arbeit ein andermal weitermachen.“ „Das ist mir nicht möglich“, sagte Leander und schüttelte den Kopf. „Selbst wenn ich 40 Grad Fieber hätte, würde ich das hier beenden, meine Fristen sind meine Fristen.“ „Das können Sie sich doch nicht antun“, versuchte der Besitzer ihn mit einer süffisanten Stimme zu überzeugen.
Leander hatte immer mehr das Gefühl, dass hier etwas gewaltig faul war und schob den vorhin frisch nachgeschenkten Orangensaft vom Besitzer von sich weg. Es war nur eine dumme Ahnung, aber die ganze Sache irritierte ihn gerade. Er sagte dem Fahrer für den heutigen Tag ab und fragte ihn nur, ob er bei der Bibliothek nachsehen könnte, wegen irgendwelcher Zeitungsartikel bezüglich des Klosters. Abends sah er wieder Fern, diesmal kam es häufiger zu Bildstörungen, viel mehr als die letzten Tage. Immer wieder zuckte das Bild hin und her, sodass es ihn nach einiger Zeit so sehr anstrengte, dass er den Fernseher ausschaltete und sich ins Bett legte.
Am nächsten Tag wartete er nach dem Frühstück ungeduldig auf den Fahrer, der sich anscheinend verspätete. Während er bei geöffneten Fenster auf ein Motorengeräusch wartete, hörte er dumpf Stimmen.
Er lehnte sich nach draußen, um die Leute etwas besser zu verstehen. „Du musst nun wirklich abreisen.“ „Ich verstehe das nicht. Wieso kann ich nicht hier bleiben?“ „Bitte. Tu es für mich. In einer Woche sehen wir uns ja wieder.“ Es waren der Besitzer und die Frau des Besitzers, die kurz darauf mit einer Tasche aus dem Gasthaus kam und zu einem Auto ging.
Es verwirrte ihn etwas, aber er wollte sich nicht weiter darin einmischen. Wo blieb nur der verdammte Fahrer?
Genervt ging er zu der nächsten Telefonzelle, die in der Nähe war und tippte die Nummer des Fahrers ein. „Wo bleiben Sie – Herr Dano, ich brauche Sie.“ „Oh, Herr Tremens.“ Er machte eine kurze Pause. „Ich dürfte eigentlich gar nicht mit Ihnen sprechen.“ „Was reden Sie da?“ „Man hat mir Geld geboten, ne ganze Menge, damit ich Sie nicht weiter fahre und niemanden informiere.“ „Ich werde Beschwerde einreichen.“ „Es ist mehr als genug Geld. Ich habe schon zu viel gesagt.“ „Wer? Wer hat Ihnen das Geld gegeben?“, fragte Leander noch, wütend und verwirrt über die Lage. „Viel Glück noch. Zeitungsartikel gab's im Übrigen nicht“, sagte Herr Dano und legte auf.
Wer sabotierte die Unternehmung?
Wütend ging er einfach zu Fuß zum Kloster, es dauerte zwar seine Zeit, aber ihm war das nun egal. Schließlich erreichte er die Tür des Klosters und wollte sie mit dem Schlüssel öffnen. Genervt wühlte er in seinen Taschen, aber konnte ihn nicht finden. Nacheinander durchsuchte er die Taschen noch einmal. Er schüttelte den Kopf. Das war doch nicht möglich! Er wollte es nicht glauben, aber tatsächlich: Er hatte den Schlüssel vergessen.
Für einen Moment war er kurz davor loszuschreien, um die ganzen Widerstände der letzten Tage abzuschütteln. Diese ganze Unternehmung setzte ihm mehr und mehr zu. Ungelenk kletterte er durch das Fenster von dem Merlin gesprochen hatte; es war glücklicherweise noch offen.
Er versuchte Merlin auszumachen, aber dieser schien nicht im Kloster zu sein.
Das Zimmer des Abts war immer noch verschlossen, doch er versuchte mit geschickten Fingern das Schloss irgendwie aufzumachen, bis er schließlich mit der Schulter gegen die Tür anrannte. Es passierte nichts. Beim zweiten Mal hatte er das Gefühl, dass sie leicht nachgab und beim dritten Mal splitterte das Holz und er konnte hinein. Wenn er irgendwie weiterkommen wollte, dann nur auf diesem Wege.
Es roch modrig in dem Zimmer des Abts. Fensterlos, winzig, aber durch die Tür kam genügend Licht rein, um den Inhalt des Raums oberflächlich durchzusehen. Ein Bett, ein Regal, ein Schreibtisch. Das Regal war komplett leer und auch beim Bett fand er nichts, doch als er den Schreibtisch näher untersuchte, entdeckte ein paar Stöße Papier und ein ledergebundenes Buch – ein Tagebuch anscheinend. Er verließ das Zimmer und setzte sich auf die Steinbank, um alles in Ruhe durchzulesen. Die Blätter beschrieben diverse Verträge und gaben genaue Auskunft über das Material und die Bauart des Klosters, was die Recherche deutlich vereinfachen würde. Die ersten Tagebucheinträge bezüglich des Baus unterstrichen die Informationen nochmal.
Doch dann wurde es seltsam. Verschiedene Einträge sprachen knapp von einem Widerstand innerhalb des Dorfes, dass die Leute den Anbau als falsch bezeichneten.

Am 22. Juli 1991 wurde notiert:

„In der letzten Nacht ist wieder Material abhanden gekommen – ich beharre auf der Vermutung, dass es geklaut wird. Einige der Dorfbewohner verbreiten beunruhigende Geschichten, außerdem wird des nachts immer wieder der Boden aufgerissen. Ich weiß nicht, weshalb die Anwohner den Neubau so sehr verachten. Wie Verrückte erklären sie nur immer wieder, dass dies der falsche Ort wäre. Mittlerweile verspüre sogar ich ein wachsendes Unwohlsein

Danke an Zoe Achilles, die die Abtteile geschrieben hat.

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