Das Kloster - Page 3

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werden, da er die 'Gabe' hatte alles Wichtige zu übersehen. Einen Moment stand er noch da, hoffte, dass Frau Verilo seinen Wink richtig deutete, aber diese sortierte einfach weiter.
Er ging nach hinten und durchsuchte das Abteil. Nach einigen Minuten hatte er zwei Bücher über das Kloster gefunden.
Mit einem Schreibblock bewaffnet, ging er die ersten paar Seiten durch. Im ersten Buch schien es allgemein um die Geschichte der Umgebung zu gehen, allerdings war der Teil über das Kloster ausgesprochen umfangreich.
Ein paar Informationen bezüglich gewisser Materialien, die für das Fundament verwendet wurden, konnte er so herausfinden. Als er die ersten Jahrzehnte durch hatte, bemerkte er, dass einige Seiten herausgerissen worden waren. Verwirrt ging er mit dem Buch zu der Bibliothekarin.
„Gibt immer wieder Vandalismus; danke, dass Sie es gemeldet haben“, sagte sie, schien aber nicht sonderlich schockiert oder überhaupt verwundert.
Das andere Buch schien sich vor allem mit der Klostergeschichte, insbesondere den Äbten und ein paar anderen Kleinigkeiten zu beschäftigen, doch als er zu den letzten zwanzig Jahren blätterte, waren mehrere Stellen geschwärzt. Alle bezüglich des letzten Abtes. Abt Benedikt.
Leander hielt es nicht für nötig, dies ebenfalls zu melden, es schien ja keinen zu interessieren. Einige Randinformationen, die für die Schätzung relevant waren, konnte er trotzdem herausfinden. Er war tief in die Arbeit versunken und bemerkte erst gar nicht, dass er angesprochen wurde. „Herr Tremens?“, fragte eine Stimme – Herr Dano war es. Verwundert schaute Leander zu ihm auf.
„Die Straßen sind früher frei als gedacht“, sagte er lächelnd, „wir können gleich los, wenn Sie wollen.“ Leander notierte noch ein Detail, brachte die Bücher zurück und folgte dann dem Fahrer. Der Weg zum Kloster war eine von Schlaglöchern übersäte Straße. Es machte wirklich keine Freude mit diesem alten Wagen dort hochzufahren, immer wieder klapperte es und die Stoßdämpfer schienen nicht wirklich zu funktionieren.
Ganz bis zu dem Kloster fuhren sie nicht, sondern blieben bei einem behelfsmäßigen Parkplatz, von dem ein Weg weiter nach oben führte, stehen. „Ich bleib dann hier“, sagte der Fahrer und Leander war kurz irritiert; aber es machte Sinn – er war nur der Fahrer. „Ich warte hier auf Sie, kommen Sie einfach, sobald Sie fertig sind“, sagte er und zog ein Buch aus dem Handschuhfach. 100 Rezepte der portugiesischen Küche. „Ist spannender als man denkt“, sagte er lächelnd, als er Leanders Blick bemerkte. Müde stieg dieser aus dem Wagen. Es waren von diesem Punkt aus keine fünf Minuten bis zum Kloster.
Die Sonne schien durch das lichte Blätterdach und wärmte seine Haut. Der Weg bestand aus einem Kopfsteinpflaster aus dem stellenweise Unkraut brach. Die Natur holte sich den Ort zurück.
Das Gelände des Klosters war größer als er es angenommen hatte. Er musste wieder an das kurze Leuchten denken, schob den Gedanken aber beiseite. Es war seltsam still hier. Nicht die übliche Ruhe im Wald, sondern wirklich fast totenstill. Nur der Wind, der leise die Zweige bearbeitete.
Der Haupteingang war mit einer großen Kette verschlossen, aber Leander hatte von seinem Auftraggeber einen Schlüssel bekommen und öffnete das Schloss. Er stieß die schweren Ebenholztüren auf und trat in eine Art Vorhalle.
Oberflächlich gesehen war alles gut in Schuss – das würde den Preis um einiges in die Höhe treiben. Lächelnd betrachtete er die kunstvollen Verzierungen und trat tiefer hinein. Er betrachtete gerade eine gemalte Bibelszene, als er plötzlich ein leises Geräusch hörte, welches er nicht genau einordnen konnte. Fest stand allerdings: Er war nicht alleine hier. Eine Angst beschlich ihn und für einen Moment wollte er einfach direkt wieder verschwinden, doch für so etwas war er zu alt.
Vorsichtig ging er in die Richtung, aus der er das Geräusch vermutet hatte, und sah dort Merlin auf einer steinernen Bank sitzen, eine Flasche Schnaps neben sich.
„Das man sich so schnell wieder sieht“, sagte er lächelnd. „Was machen Sie hier?“ „Schätzen.“ „Ach, stimmt ja.“ Kurz entstand eine Stille. „Wie kommen Sie hier rein?“ „Verrat ich nur, wenn Sie mich nicht verraten.“ Leander nickte. „Eines der Fenster ist nicht richtig zu. Ich schlaf hier manchmal.“ Er klopfte auf das Holz einer Tür, die direkt neben der steinernen Bank in die Wand eingelassen worden war. „Kleines Bett – keine Ahnung, wer da mal gepennt hat. In letzter Zeit bin ich nicht mehr so oft hier – komische Geräusche.“ „Geräusche?“ „Manchmal sind hier nachts Leute – also nicht hier, sondern drüben im neuen Trakt.“ „Was für Geräusche?“
„Was weiß ich. Menschengeräusche halt – komisch eben, kann nicht pennen. Gestern war es nur so schweinekalt im Bahnhof – manchmal stellen die da die Heizung nicht an. 'Interessiert ja keinen'. Doch, mich, verdammt!“ „Wegen dem Kloster, was weißt du darüber?“ „Naja, ich kann dir zeigen, wo alles ist.“
Eine inoffizielle Führung durch das Kloster – warum nicht, dachte sich Leander. „Bin erst seit zwei Monaten hier ab und zu, aber man findet schon so einiges.“ Leander nickte und folgte Merlin durch die verschiedenen Gänge. Die Schlafquartiere der Mönche, die Küche, zwei verschiedene Orte zum Beten, einige weitere Räume, die mittlerweile vollkommen leer waren, weshalb nicht ganz klar war, wofür sie einst gedient hatten. „Dann gibt’s noch das Zimmer vom Abt – ist aber zu – genau wie der neue Trakt“, sagte Merlin, nachdem er ihm eine Statuette gezeigt hatte. „Wo ist das?“, fragte Leander. „Da drüben gleich“, sagte Merlin und deutete an Leander vorbei. Dieser ging dort hin und versuchte die Tür zu öffnen. Abgeschlossen. „Ist zu – hab ich doch gesagt. Der neue Trakt drüben auch, vielleicht haben sie ja den Schlüssel. Weiß ja nicht. Dort könnt man auch reinklettern – das Dach sieht irgendwie nicht vollständig aus. Gibt unten noch einen Keller und 'ne Bücherei vom Kloster.“ Er führte ihn nach unten, zeigte ihm den Keller und dann die Bibliothek, die zwar nicht mehr allzu viele Bücher enthielt, aber immer noch einige. Grob geschätzt waren es wohl zwanzig Stück, die einsam auf verschiedenen Regalen ihr Dasein fristeten, nach kurzer Sichtung waren es sechs Stück, die sich direkt oder indirekt auf das Kloster bezogen.
„Danke Merlin“, sagte Leander und zog einen Fünfziger aus seinem Geldbeutel, den er seinem Führer in die Hand drückte. Dieser war

Danke an Zoe Achilles, die die Abtteile geschrieben hat.

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