Das Kloster - Page 4

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etwas verwirrt, aber bedankte sich direkt. „Ich muss jetzt weiter“, sagte Leander. „Mach's gut.“
Mit den Büchern unterm Arm ging er aus dem Klostergebäude heraus; schloss wieder ab. Zurück beim Wagen, bemerkte er, dass der Fahrer in einer grotesken Haltung eingeschlafen war. Mit einem Klopfen weckte er den Fahrer auf, der ihn direkt hineinließ.
„Haben da ja reiche Beute gemacht“, sagte dieser und lachte daraufhin unangenehm schrill. „Fahren Sie mich bitte zurück ins Hotel.“ Als sie dort ankamen, stand der Fahrer wieder in einer unangenehmen Pose da, wie das letzte Mal, als er Trinkgeld wollte. „Ich geb' Ihnen die nächsten zwei Tage frei. Muss hier einiges sichten und ordnen.“ Das schien ihn noch mehr als den Fünfer beim letzten Mal zu freuen und so stieg er nach einem fröhlichen Abschied zurück in den Wagen und fuhr davon.
Leander brachte die Bücher nach oben in das Zimmer und aß wenig später noch ein leichtes Abendessen. Er bemerkte, dass er mittags nichts gegessen hatte. Das Abendbrot und die warme Suppe taten ihm gut. Er ging nach oben. Dieses Mal schaltete er den Fernseher kurz vorm Schlafengehen aus. Wieder hatte es für einen Moment diese seltsame Bildstörung gegeben.
Als er aus halben Träumen erwachte, war er froh den neuen Tag begrüßen zu können. Nach dem Frühstück blieb er den ganzen Tag über in seinem Zimmer und studierte die Bücher, die ihm weitere Informationen über die Beschaffenheit, den Aufbau und die Struktur des Gebäudes gaben. Hier gab es allerdings auch wieder Schwärzungen, was ihn mehr als verwirrte, dennoch konnte er mehr über die Architektur und die verwendeten Materialien herausfinden. Zumindest im alten Teil des Klostergebäudes. Der neue Teil war immer nur kurz angerissen – hier waren auch einige Seiten herausgerissen.
Auch der nächste Tag verlief auf diese Weise, bis auf die Tatsache, dass es nun Samstag war. „Wann planen Sie eigentlich abzureisen?“, fragte der Besitzer, als er die Abendsuppe brachte. Er hatte einen freundlichen aber durchaus bestimmten Ton in der Stimme. „Ich denke, ich werde nicht mehr lange brauchen, aber ein paar Tage sicher noch.“ Der Besitzer runzelte die Stirn, sagte aber nichts weiter. Leander fiel an der linken Hand des Besitzers ein Muttermal auf. Zu klein, um wirklich aufzufallen, aber zu groß, als dass man es dauerhaft übersehen könnte. Er sah schnell woanders hin, als er merkte, wie er den Besitzer für einen Augenblick angestarrt hatte.
Diesen Abend ließ er den Fernseher wieder laufen und wurde wieder unsanft in der Nacht geweckt. Technomusik wummerte aus den Boxen und eine Männerstimme sagte: „Diese perlenbesetzte Uhr müssen Sie haben. Es ist ein einmaliges Angebot. Ein einmaliger Preis. Nur, ich wiederhole: NUR 80 Euro für dieses einmalige Schmuckstück!“ Dabei wurde eine riesige Nummer eingeblendet. Und plötzlich wieder eine Bildstörung. Ein minimales Zucken.
Kopfschüttelnd schaltete er den Fernseher aus. Nun konnte er nicht mehr einschlafen. Genervt beschloss er eine Zigarette rauchen zu gehen und seine Gedanken ein wenig kreisen zu lassen, den Tag zumindest im Ansatz ein wenig zu planen.
Als er leise die Treppe nach unten stieg, hörte er zwei Stimmen, die gedämpft sprachen. Er bekam nur einzelne Worte mit, aber es schien der Besitzer zu sein und eine weitere Stimme, die Stimme einer Frau, die er bisher nicht kannte. „Muss verschwinden“... „Nicht so viel Zeit“... „Ich tu was ich kann“... „Er wird schon bald abreisen“ und andere Wortfetzen drangen an Leanders Ohr, aber er konnte sie nicht direkt zuordnen. Als er jedoch „verdammter Schätzer“ vernommen zu haben glaubte, wurde ihm klar, dass es um ihn ging.
So leise wie er konnte stieg er wieder nach oben und setzte sich zurück auf sein Bett. Was war los? Gab es irgendein Problem mit ihm? Er konnte sich auf die ganze Sache keinen Reim machen, es verunsicherte ihn.
Er wartete bis zu den Morgenstunden ab und ging dann herunter, um zu frühstücken. Für einen Moment überlegte er den Besitzer darauf anzusprechen, aber es kam ihm falsch vor.
Am frühen Nachmittag kam der Fahrer vorbei. „Und vorangekommen?“, fragte er, halb neugierig, aber eher aus Nettigkeit. Stumm nickte Leander. „Dann wollen wir mal zum Kloster.“ „Nein, erst zum Rathaus“, sagte Leander. Er hatte sich erst vor wenigen Sekunden dafür entschieden, aber es wäre wohl nicht schlecht zum Rathaus zu gehen.
„Dann auf zum Rathaus.“
Das Rathaus lag etwas abseits vom Zentrum der Stadt, aber durchaus noch zugehörig. Es war ein kleines, hässlich-modernes Gebäude, ohne wirklichen Charakter.
Wieder ließ Leander den Fahrer alleine, welcher in seinem Buch blätterte. Er durchschritt die Tür. Ein junger Mann saß hinter einem Schreibtisch und bearbeitete ein paar Formulare. „Ziehen Sie bitte eine Nummer, nehmen Sie Platz und warten Sie bis Sie aufgerufen werden“, sagte er, ohne von seinen Blättern aufzublicken. Weit und breit war niemand Anderes zu sehen. „Aber hier ist doch sonst keiner.“ „Ziehen Sie eine Nummer, nehmen Sie Platz und warten Sie bis Sie aufgerufen werden“, wiederholte der junge Mann.
Das kleine Kind mag den Geschmack von Macht, dachte Leander, zog kopfschüttelnd eine Nummer und setzte sich. Es war Nummer 2. „Nummer 2“, rief der junge Mann, keine zwei Sekunden nachdem sich Leander gesetzt hatte. „Guten Tag, mein Name ist Leander Tremens – ich suche Informationen über das Kloster, haben Sie dazu Aufzeichnungen hier?“ „Haben wir tatsächlich – aber ich weiß nicht, ob ich Sie herausgeben darf. Warum brauchen Sie diese?“ „Recherche, zwecks einer Schätzung.“
„Sie sind der Schätzer? Ach, so ist das“, sagte er in einem betont beiläufigen Tonfall. „Einen Moment. Ich frage die Bürgermeisterin.“ Er tippte eine Nummer in sein Telefon, wartete einen Moment ab, legte dann aber direkt wieder auf.
Eine Frau kam aus einer Tür von der Seite. „Was ist los, Freddy?“ „Der Mann möchte ein paar Unterlagen zum Kloster.“ Irgendwie kam ihm die Stimme der Frau vertraut vor. „Sind Sie der Schätzer?“ Leander nickte. „Warum hast du Sie ihm nicht gleich gegeben?“ „Ich dachte...“ „Ach, papperlapapp.“ Sie wandte sich zu Leander. „Warten Sie einen Moment und entschuldigen Sie bitte meinen Sohn.“ Die Bürgermeisterin verschwand hinter einer Tür und kam einige Minuten später mit ein paar Blättern wieder. „Ich hoffe, damit können Sie etwas anfangen.“ „Vielen Dank, aber kann ich das so mitnehmen?“ „Wo bin ich

Danke an Zoe Achilles, die die Abtteile geschrieben hat.

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