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Das Spiel der Prinzessinnen - Page 6

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der Berg wieder verlassen werden, allerdings verzögerte sich dieses Vorhaben, denn vor ihr tat sich ein mehrere Meter breiter und ebenso tiefer Krater auf, in dessen Mitte etwas zu blinken begann …
„Prinzessin!!!“
Die Dame stieg ab, lief erwartungsvoll hinunter zu dem leuchtenden schwarzen Stein und hoffte endlich wieder mit Annabella in Kontakt treten zu können.
„Wie steht es denn um Euren Auftrag?“
Ausführlich wurde von den ersten Erfolgen berichtet …
„Vier Gegner sind zweifelsohne ein guter Anfang! Meine Anerkennung!“
„Danke Majestät, doch die Suche nach den übrigen Figuren stockt gerade ein wenig …“
„Lasst Euch von der Intuition leiten, über die ausschließlich eine Dame wie Ihr verfügt.“
Recht lange unterhielten sich die beiden Frauen. Da der wundersame Stein lediglich so groß wie ein kleines Brot war, nahm ihn Coco auf Wunsch ihrer Gebieterin nach Beendigung des Gesprächs an sich und verstaute das Fundstück in einer der beiden Pferdesatteltaschen. Vorsichtig ritt sie davon, den Berg hinab, dann immer weiter durch eine weite Ebene. Endlich konnte das Tempo gesteigert werden. Angenehmer Gegenwind liebkoste ihren Körper, ein Gefühl grenzenloser Freiheit. Träumerisch genoss die Dame jede einzelne Sekunde …
„Was …?“
Von hinten schien sich recht schnell ein weiteres Pferd zu nähern. Dank eines kurzen Blicks zurück wurden jedoch gleich zwei dieser Tiere entdeckt inklusive entsprechender hoch zu Ross sitzender Reiter mit glänzender Kleidung.
„Gleich alle beide?!“
Coco lehnte sich mit dem gesamten Oberkörper nach vorne, den braunen Hengst zu Höchstleistungen anspornend, doch die gegnerischen Springer ritten schon bald auf gleicher Höhe neben ihr her. Da es keine Fluchtmöglichkeit gab, musste sie kooperieren und verlangsamte daraufhin das Tempo. Alle drei ritten jetzt nahezu im Gleichschritt dem Horizont entgegen.
„Wen haben wir denn da?!“
„Freut Euch lieber nicht zu früh!“
„Meine Dame, unsere Herrin wird Euch bereits in Kürze herzlich willkommen heißen ...“
Schweigend fügte sie sich ihrem Schicksal und wurde von den beiden Männern zum angedeuteten Ziel eskortiert …

Die Sonne war bereits aufgegangen, was das goldene Erscheinungsbild der Springer bestens zur Geltung brachte. Schulterlange strohblonde Haare wallten unter deren Kopfbedeckungen hervor. Sie befanden sich noch immer in der scheinbar nicht enden wollenden Ebene, doch das Ziel der unfreiwilligen Reise sollte unmittelbar bevorstehen.
„Dort drüben!“
Ein Bauernhof? Armseliger hätte Cocos Gegenspielerin wohl nicht hausen können. Weder Tiere noch Menschen schien es dort zu geben, dafür zwei Ställe, eine Scheune und das Gebäude, in dem wohl einst die ehemaligen Besitzer gewohnt hatten. Genau in dieses Haus wurde sie hineingeführt, den entsprechenden Flur im Eingangsbereich entlang, hölzerne Treppenstufen hinauf bis zu einer verschlossenen Tür.
„Wartet hier bitte einen kurzen Moment.“
Springer eins klopfte an und verschwand im Inneren, während sein Kamerad an ihrer Seite blieb.
„Ihr dürft eintreten!“
Als der Mann wieder zu den beiden stieß, hinterließ er eine offenstehende Tür, sodass die Dame nur noch hindurchschreiten musste.
„Würdet Ihr bitte hinter Euch schließen?!“
Ohne zu murren tat Coco, worum sie liebevoll gebeten wurde. Bis dato an einer Kommode mit integriertem Spiegel sitzend, stand die fremde Frau auf, ihr Gesicht direkt im Anschluss dem unfreiwilligen Gast zuwendend. Gehüllt in einem traumhaft schönen glitzernden Kleid wie aus goldenem Sternenstaub gefertigt, dazu passende Schuhe. Engelsgleiches hellblondes Haar rahmte ihr hübsches Gesicht und endete erst auf der Höhe ihrer Taille. Am beeindruckendsten waren jedoch die beiden hellblauen Augen, von denen ein unglaubliches Strahlen ausging. Trotz eigener, ohne jeglichen Zweifel vorhandener Schönheit, kam in diesem Moment ein wenig Neid auf.
„Ihr habt mich zwar in Gewahrsam genommen, aber noch lange nicht besiegt ...“
„Ich bin nicht an einem Kampf interessiert!“
Sie streckte freundschaftlich ihre Hand aus, die ein nahezu identischer silberner Ring zierte, mit dem wesentlichen Unterschied, dass dieser einen Saphir als Schmuckstein beherbergte und Cocos Kleinod mit einem Rubin versehen war.
„Ihr möchtet mir also ein Remis anbieten?!“
„Mehr als das …“
Was geschah hier gerade? Eigentlich war doch alles entschieden, denn ohne Dame würden Giesbert und Ludwig kläglich scheitern, selbst wenn sich perspektivisch alle noch fehlenden Figuren zu ihnen gesellten …
„Prinzessin Elisabeth möchte zur gegebenen Zeit unbedingt gemeinsam mit ihrer Schwester das Königreich regieren. Die tiefe Verbundenheit mit einem Menschen, der neben meiner Gebieterin im Mutterleib herangewachsen ist, zählt für sie unendlich mehr als die Aussicht, einst allein auf dem Thron sitzen zu dürfen.“
„Prinzessin Annabella scheint da wohl mit größter Sicherheit anderer Meinung zu sein, aber wir können sie natürlich auch gerne persönlich fragen ...“
Coco ignorierte die ausgestreckte Hand der blonden Schönheit, weshalb diese ihre Geste im wortwörtlichen Sinne zurückziehen musste.
„Ihr meint über einen dieser schwarzen Steine?“
Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass auch die gegnerische Dame auf diesem Weg mehrmals mit ihrer Gebieterin in Kontakt getreten war. Umso spannender die Überlegung, gemeinsam an ein solches Objekt heranzutreten. Zuvor jedoch berichtete Coco davon, sich derweil einen richtigen Namen gegeben zu haben. Ihr Gegenüber wirkte tief beeindruckt und beschloss daraufhin, ab sofort Agnes genannt werden zu wollen.
„Ihr möget mir bitte erlauben für kurze Zeit mein Pferd aufzusuchen.“
Nach entsprechender Zustimmung der Gastgeberin verschwand sie, um dann begleitet von einem der beiden gegnerischen Springer wenige Minuten später mit ihrem nächtlichen Fund zurückzukehren.
„Danke mein Herr, Ihr dürft uns jetzt wieder allein lassen!“
„Zu Befehl!“
Als die Damen wieder unter sich waren, wurde der schwarze Stein vorsichtig auf dem Boden abgelegt. Tatsächlich setzte das fieberhaft erwartete Blinken nach kürzester Zeit ein, doch weder Elisabeths noch Annabellas Stimmen ertönten, obwohl die Frauen mehrmals im Wechsel zu dem Objekt gesprochen hatten.
„Es scheint nicht zu funktionieren. Vielleicht dulden unsere Gebieterinnen nicht die Gegenwart gegnerischer Figuren.“
Kurz bevor Coco den Raum verlassen wollte, schien der Stein ohne einen nachvollziehbaren Grund Feuer zu fangen. Die Flammen setzten allerdings nichts in Brand, auch die zu erwartende Hitzeentwicklung blieb aus. Stattdessen schwebte das mysteriöse Objekt jetzt auf Augenhöhe der beiden Schachfiguren und verwandelte sich in ein brennendes Frauengesicht, was die Damen mit verängstigtem Staunen zur Kenntnis nahmen.
„Prinzessin Elisabeth hat gegen die Spielregeln verstoßen, weshalb sie nicht nur die Thronfolge verlieren wird, sondern auch den königlichen Hof sowie die höhere Gesellschaft für immer verlassen muss …“
Agnes stand daraufhin unter Schock und bekam kein einziges Wort mehr heraus.
„Wer auch immer Ihr seid, so lasst bitte Gnade walten und allein das königliche Spiel über ihr Schicksal entscheiden!“
„Meine Dame, freut Euch doch lieber über den kampflosen Sieg Eurer Prinzessin Annabella.“
„Es widerspricht meinem Naturell auf diese Art

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