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Das Spiel der Prinzessinnen - Page 8

Bild von nigineoK@web.de
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ihm ein blutrotes nach innen gewölbtes Tuch, an einem hölzernen Rahmen befestigt, der wiederum dank vier Rundbalken mit dem gleich großen unteren Teil des Möbelstücks verbunden war. Seidene bordeauxfarbene Kissen, versehen mit Rüschen, dazu eine Decke, die sich allerdings gerade unter seinem Körper befand. Langsam wurde der entsprechende mindestens drei Meter hohe und auffällig große Raum erkundet. Es handelte sich wohl um ein Museum oder vielleicht gehörte das Ganze ja auch zu einer originalgetreu nachgebauten Filmkulisse … Ein kleiner Tisch auf dem Schach gespielt werden konnte, Kommode, massiver Kleiderschrank … Am meisten jedoch beeindruckte ihn das nicht wirklich in diesen Kontext passende Landschaftsmodell. Beim näheren Hinschauen erkannte Lenny darin seine Heimatstadt inklusive weitläufiger Umgebung. Die dazugehörige maßstabsgetreu nachgebaute Autobahn wurde von einem im Verhältnis riesig erscheinenden Krater unterbrochen …
„Das kann doch einfach nicht wahr sein …“
Nahezu vollständig kehrte die Erinnerung zurück … Er war mit Coco und dieser anderen Frau unterwegs gewesen, von einem feurigen Ball verfolgt worden, dann gab es diesen heftigen Einschlag vor ihnen …
„Wo bin ich?“
Erst jetzt fielen die beiden auf dem Boden liegenden Schachfiguren auf. Es handelte sich um zwei Damen, die eine goldglänzend, ihre Gegenspielerin silberschwarz. Gerade in dem Moment als Lenny sie auf den kleinen Tisch befördern wollte, begann das Landschaftsmodell langsam in Pulver zu zerfallen und von dem in etwa mittig verorteten Krater regelrecht aufgesogen zu werden. In Windeseile verschwand das gesamte Gebilde, lediglich kleine wild verstreute schwarze Splitter blieben an der besagten Stelle zurück. Bei näherer Betrachtung schienen diese aus Glas zu sein.
„Was habt Ihr in meinem Gemach zu suchen?!“
Strahlend braune Augen musterten den knienden Eindringling.
„Wer seid Ihr und dazu noch gekleidet wie ein Narr?!“
„Lenny … Keine Ahnung wie ich …“
Die langen glatten dunkelblonden Haare der in einem purpurfarbenen Kleid gehüllten jungen Frau kamen ihm entgegen, da sich der dazugehörige Oberkörper gerade nach unten beugte.
„Ihr redet mit einer Prinzessin, also nehmt gefälligst Haltung an!“
Kaum waren die Worte verklungen, da stand er ihr bereits gegenüber. Auch sie sprach genau wie Coco ein recht veraltetes Deutsch, von dem mittelalterlichen Erscheinungsbild ganz zu schweigen.
„Ich hatte wohl einen Unfall und bin gerade eben auf deinem Bett aufgewacht …“
„Was fällt Euch ein!“
„Sorry, aber jemand muss mich dort hingelegt haben …“
Derweil setzten sich die auf dem Boden liegenden schwarzen Splitter in Bewegung und binnen weniger Sekunden entstand aus ihnen der Umriss eines weiblichen Gesichts.
„Dieser Wicht hat meinen Plan durchkreuzt!!!“
Lenny erschrak, denn das surreale Etwas konnte nicht nur sprechen, sondern offensichtlich ging es gerade um ihn.
„Annabella, wenn es immer noch dein tiefster Wunsch sein sollte Königin zu werden, dann …“
Als ob jemand mit der Fernbedienung den Ton ausgeschaltet hätte, konnte er nicht mehr hören, worüber gerade gesprochen wurde. Gefühlte Stunden vergingen … Plötzlich vereinten sich die Splitter zu einem großen schwarzen Edelstein, der sich anschließend ohne fremde Hilfe in einer entsprechenden Fassung platzierte. Die dazugehörige Halskette hing an dem linken Türknauf des Kleiderschranks. Annabella nahm das Schmuckstück an sich und trug es wenig später am Körper.
„Was geht hier eigentlich vor?!“
„Dies hat Euch wohl nicht zu interessieren … Man sagte mir soeben, dass Ihr aus jenem seltsamen fremden Land stammen würdet. Ich habe gute Nachrichten, denn genau dorthin sollt Ihr auch wieder zurückkehren dürfen, allerdings müsste mir zuvor ein Wunsch erfüllt werden …“
Er schwieg ...
„Denkt nicht zu lange darüber nach, denn wenn Ihr es nicht tut, droht der Kerker und zwar bis ans Ende Eurer Tage!“
Welch abgefahrene Situation … Lenny wusste immer noch nicht, wo er sich zurzeit aufhielt, konnte die zurückliegenden surrealen Phänomene keineswegs einordnen und dann diese geradezu unverschämte Erpressung …
„Freiheit oder Kerker!“
Auf sein Drängen hin, klärte ihn Annabella über das Wichtigste auf … Er befand sich also in einem königlichen Palast, mutmaßlich derselbe, zu dem Coco damals von ihm chauffiert werden wollte. Offensichtlich spielte das Ganze ein paar Jahrhunderte vor seiner Zeit … War er wirklich gemeinsam mit den beiden Frauen in eine Art Wurmloch geraten, an dessen Ende sich diese längst vergangene Realität befand? Wenn dem so war, wo hielten sich dann eigentlich gerade seine ehemaligen Mitfahrerinnen auf?
„Ich höre …“
„Was habe ich denn für eine Wahl?“
„Ihr werdet es nicht bereuen … So bringt mir die schwarze Frucht des Ollinstrauches. Ihr werdet lediglich ein einzelnes Exemplar vorfinden, doch der Weg dorthin gestaltet sich alles andere als unbeschwert …“

In dieser Kleidung glich er einem Handwerker, der auf mittelalterlichen Märkten seine Zunft zur Schau stellte. Zwei Wachen hatten ihn mit einer Kutsche vom königlichen Palast zum Rand dieses Waldes gefahren, wo Lenny ab sofort völlig auf sich allein gestellt war … Obwohl die Sonne ungestört vom Himmel schien, wurde es im weiteren Verlauf des Weges immer dunkler, denn üppig bewachsene und nah beieinanderstehende Bäume ließen nicht gerade reichlich Tageslicht hindurch. Glücklicherweise war es in diesem Unterholz wenigstens warm genug. Wo genau sich jene zu suchende Pflanze befand, hatte Prinzessin Annabella nicht sagen können, aber auf jeden Fall sollte er hier auf entsprechende Hinweise stoßen.
„Wer wohnt denn an einem solchen Ort?“
Wie aus dem Nichts tauchte eine kleine Holzhütte auf, die in seiner Welt bestenfalls als Gartenhäuschen fungieren würde. Hinter der offenstehenden Tür entdeckte er im Inneren eine junge an einem Tisch sitzende Frau.
„Euch haben die Engel gesandt!“
Zerzauste rote schulterlange Haare, abgenutzte Kleidung, mit den Händen eine Rübe schälend.
„Hallo … Soll ich dir etwa beim Kochen helfen?“
„Keineswegs … Verzeiht mir …“
Sie bot ihm einen Becher Wasser an, den Lenny trotz mitgeführtem Behältnis mit gleichem Inhalt dankend annahm.
„Das tat gut! Ich bin auf der Suche nach dem Ollinstrauch. Kannst du mir vielleicht weiterhelfen?“
Die Fremde senkte ihren Kopf, Tränen standen in den unschuldig wirkenden Augen.
„Habe ich was Falsches gesagt?“
„Nein, es ist nur … Mein Liebster wird bald kommen, um mich zu heiraten. Gemeinsam dürfen wir dann in dessen elterlicher Schmiede leben …“
„Gratuliere, das hört sich doch gut an!“
„Meine Mitgift … Eine diebische Elster hat das silberne Löffelchen gestohlen …“
Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie Waltraud hieß und nicht schwindelfrei war, weshalb der Baum zum entsprechenden Nest des genannten Vogels nicht hinaufgeklettert werden konnte, um ihr wertvollstes Gut wiederzubeschaffen.
„Mein geliebter Hubert würde mir bestimmt helfen, doch mich wird allein sein Herr

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