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Das Spiel der Prinzessinnen - Page 7

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und Weise als Gewinnerin vom Feld zu gehen oder möchtet Ihr mich etwa beleidigen?“
Das Flammengesicht begann langsam um Coco zu kreisen.
„Also gut, wie Ihr wollt!“
„Wo halten sich denn meine restlichen zwölf Kameraden auf oder soll noch mehr unnötige Zeit für die entsprechende Suche geopfert werden?“
„Dies lasst ausschließlich meine Sorge sein … Wird Eure Gegenspielerin dem denn überhaupt zustimmen?“
Mit einem verzweifelten Nicken unterstütze Agnes den Vorschlag, zumal nur noch auf diesem Weg das Blatt zugunsten ihrer Gebieterin gewendet werden konnte.
„Nun gut, dann soll es so geschehen!“
Der feurige Eindringling verwandelte sich kurz darauf in eine den Raum füllende Staubwolke und wurde somit zwangsläufig von den beiden Damen eingeatmet, die kurz darauf ohnmächtig zu Boden fielen.

„Was ist geschehen? Wo bin ich?“
Beim ersten Augenaufschlag sah sie lediglich den leicht bewölkten Himmel, ein kleines Déjà-vu, doch bereits wenig später wurde deutlich, dass sich Coco nicht auf jener kleinen Insel befand, neben der damals Lenny mit seinem mysteriösen Gefährt gehalten hatte. Nein, dieser Ort erinnerte eher an das Kolosseum in Rom, welches als Motiv auf einem Gemälde im königlichen Palast bestaunt werden konnte.
„Majestätisch …“
Vollkommen leere mit unterschiedlichen Farben versehene Zuschauerränge, darauf scheinbar akkurat gezeichnete Buchstaben, die ihr völlig unbekannte Wörter bildeten. Sie befand sich am Rande eines großen mit extrem kurz geschnittenem Wiesengras bewachsenen Feldes. Direkt neben Coco stand ein Türmchen aus Holz. Neugierig wurden die wenigen Stufen zur kleinen mit einem Geländer versehenen Plattform erklommen. Von hier oben hatte man einen recht guten Überblick. Erst jetzt bemerkte die Dame das entsprechende Pendant am gegenüberliegenden Ende des Feldes. Auch dort stand jemand, unübersehbar leuchtend im Schein der Sonne.
„Agnes!!!“
Die entsprechende Antwort wurde vom Kampfgeschrei herbeistürmender Kleinwüchsiger übertönt. Acht silberschwarz gekleidete Bauern mit Sicheln in den Händen stellten sich binnen kürzester Zeit in einer Reihe nebeneinander auf. Der Abstand zwischen ihnen war jeweils exakt gleich groß. Auf der gegenüberliegenden Seite geschah parallel das gleiche Prozedere.
„Giesbert!“
„Meine Dame!“
Gemeinsam mit dem zweiten Springer ritt er an dem Ausguck vorbei, um anschließend wie zuvor sein Zwilling die entsprechende Position einzunehmen. Es folgten die beiden Läufer. Am Ende betrat Ludwig und sein vollkommen identisch aussehender Kamerad das Feld. Auch Agnes restliche Schachfiguren bezogen die für sie vorgesehenen Plätze. Weiß musste laut Reglement beginnen, was in diesem Fall der Farbe des Gegners entsprach.
„Beim König …“
Hinter Coco sowie an gleicher Stelle auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich ziemlich weit oben über den Zuschauerrängen unübersehbare rechteckige Flächen, die wie von Geisterhand mit einem aus Flammen bestehenden Gesicht versehen wurden.
„Möge das Spiel beginnen!!!“
Faszinierend, denn jene dazugehörige Frau hatte nicht nur gerade ihre Lippen bewegt, sondern sogar mit lauter Stimme zu den versammelten dreißig Figuren gesprochen.
„Angriff!“
Jetzt musste sie sich unbedingt auf die soeben von Agnes eröffnete Partie konzentrieren. Mehrere goldene Bauern schritten nacheinander ihren ebenfalls näher kommenden silberschwarzen Ebenbildern entgegen. Sicheln schlugen gegeneinander … Am Ende dieser ersten Schlacht verloren beide Seiten jeweils drei Figuren, die sich unmittelbar in Luft auflösten. Cocos links stehender Läufer nutzte die entstandene Lücke im Mittelfeld, rannte auf einen gegnerischen Springer zu und machte dessen Pferd scheu, das den entsprechenden Reiter daraufhin abwarf, um dann wenig später gemeinsam mit ihm spurlos zu verschwinden.
„Giesbert!!!“
Er war ihr ans Herz gewachsen, obwohl sie sich erst kurze Zeit kannten … Mutig besiegte der heldenhafte Mann einen Turm des Gegners sowie den ursprünglich rechts stehenden goldenen Läufer. Ausgerechnet die Hand eines Bauern sollte jedoch sein Schicksal besiegeln. Ludwig war seinem Kameraden zwar zu Hilfe geeilt, konnte aber leider nur noch Rache an dem Täter nehmen. Als auch er einige Züge später besiegt wurde, rannen Tränen über Cocos Gesicht.
„Welch unnötiger Wahnsinn …“
Das Gemetzel zog sich hin, bis jede Dame nur noch über einen Bauern verfügte. Zwischen diesen beiden Figuren entbrannte schließlich der vorentscheidende Kampf. Recht ausgeglichen ging es zu, doch dann lösten sich die Figuren nahezu zeitgleich auf, da der eine Kleinwüchsige den Gegner im letztmöglichen Moment mit seiner Sichel traf, nachdem dieser ihm zuvor eine tödliche Verletzung zugefügt hatte.
„Remis!!!“
„Meine Damen, ich muss doch wohl sehr bitten!!!“
Die laute Stimme des Flammengesichtes hallte in Cocos Ohren. Sie verließ sofort den Ausguck und eilte in Richtung Agnes. Da ihre Gegenspielerin gerade denselben Gedanken in die Tat umsetzte, trafen sich beide Frauen in der Mitte des Feldes.
„Es kann nur eine Siegerin geben!!!“
Schon wieder dieser unangenehme Missklang …
„Agnes, lass uns bitte gemeinsam diesen Irrsinn beenden und sofort das Weite suchen.“
Ohne zu zögern, nahm Coco sie an die Hand, mit ihr dem nächstgelegenen Ausgang entgegenlaufend.
„Seid Ihr denn völlig von Sinnen?!!! Kämpft gefälligst!!!“
Beide Frauen ignorierten die äußerts aggressiv artikulierten Worte, verließen den schicksalhaften Ort und liefen beim Überqueren des angrenzenden breiten Weges versehentlich direkt vor ein herbeieilendes Gefährt …

„Coco?!“
„Lenny, Euch schickt förmlich der Himmel!“
„Du hast Nerven! Wenn ich gerade nicht rechtzeitig gebremst hätte, dann …“
„Wir sind in Eile, so bringt uns bitte schnell von hier fort!“
Kopfschüttelnd öffnete er die Hintertür, woraufhin beide Damen auf der Rückbank seines Wagens Platz nahmen. Zügig ließen die drei das Fußballstadion hinter sich und fuhren in Richtung seiner Wohnung. Im Rückspiegel war plötzlich ein immer näher kommendes Objekt zu sehen, das an einen brennenden Ball erinnerte.
„Was ist das?!“
Die Frauen schauten sich jetzt ebenfalls um.
„So fahrt doch bitte schneller!!!“
Coco hatte wirklich Nerven, denn sie befanden sich schließlich innerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Allerdings schien von dem feurigen Etwas offensichtlich größte Gefahr auszugehen, weshalb Lenny das Gaspedal bis zum Anschlag durchtrat. Der Verkehr hielt sich zwar in Grenzen, doch slalomartige Überholmanöver waren bei dieser viel zu hohen Geschwindigkeit unvermeidbar. Nach wenigen Minuten hatten die Reifen endlich den Asphalt der Autobahn unter sich und er konnte seinen Motor zur Höchstleistung antreiben. Beide Damen schauten immer wieder nach hinten und auch Lenny musste akzeptieren, dass der augenscheinlich aus lebloser Materie bestehende Verfolger immer noch mithalten konnte. Das Objekt holte jetzt sogar auf, schoss an ihnen vorbei, schlug einige hundert Meter vor ihnen blitzartig ein und erzeugte dadurch eine heftige Implosion, in die der Wagen ungebremst hineingesogen wurde. Alles um sie herum war auf einmal weiß und drehte sich immer schneller werdend …

Nach dem Aufwachen erschwerte leichter Kopfschmerz die Orientierung. Lenny lag in einem recht breiten feudalen Bett mit reichlich verziertem Gestell. Über

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