Unter der Linde

Bild von Maik Kühn
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am Boden liegend, mein Körper, behaftet mit der bitteren Last des Schicksals
zum Wasser gekrochen, dort seelentief reingewaschen, wieder aufgerichtet
letzte Tropfen perlen ab, anstelle narbenreicher Haut wächst ein Federkleid
erste unsichere Versuche, doch dann tragen mich die beiden Flügel fort

hoch hinaus, vertraut Chaotisches erhält eine Struktur
irdisch definierte Wichtigkeit verblasst hingegen schnell
dem Stern des Lebens zugewandt, die Luft wird dünner, kälter

zärtlich gesäuselte Worte korrigieren meinen Kurs
mit jedem sich nähernden Meter anziehender werdend
an dem Baum der Liebenden lehnend, die ersehnte Quelle
eine elfenhafte Erscheinung im festlichen Gewand

Was bist du für ein seltsames Wesen?
Kommst von dort oben wie eine Taube.
Sag, wird mein durchbohrtes Herz genesen?
Bitte hilf, denn noch fehlt mir der Glaube!

zwei Smaragde, gerahmt von feurig roten Locken
ihr Antlitz übersät mit vielen kleinen Sprossen

Dich hat wohl Amors Pfeil getroffen,
ihn doch ebenfalls, bleibt zu hoffen.

salzige Traurigkeit rinnt entlang der jugendlichen Wangen
erhöhtes Pulsieren, ansteigende Temperatur, Zittern

Er begegnet mir an dieser Linde,
ausschließlich hier, nur ich kann ihn sehen.
Ritzte es einst in des Stammes Rinde,
dieses Zeugnis wird niemals vergehen.

unkontrolliert wuchernde Phantasie, vielleicht ist sie ja auch von Sinnen
mit ihrem Haupt verflochten, eine den Lebenssaft verlorene Rose

Wenn ich dich so sehe wird mir bang.
Lässt er dich wohl warten viel zu lang?

Mein Schatz kommt schon bald, um mich zu holen.
Das in Liebesglut geschmiedete Band,
purstes Gold, aus dem Himmel gestohlen,
wird er mir streifen an die freie Hand.

welch große Tragik hier geschieht an diesem frühlingshaften Orte
jungfräuliche Naivität gepaart mit drohender Entrückung

So eile, zieh dich heraus am Schopf,
er existiert nur in deinem Kopf!

Nein, niemals, man möge mir vergeben,
denn chemisch vernebelte Gedanken
haben mich zurückgebracht ins Leben,
aber meinem Wesen gesetzt Schranken ...

Bitte, lauf nicht in das Verderben,
lass deine Wahrnehmung entfärben!

die Hände gebunden trotz engelähnlicher Erscheinung
ihre glänzend scharfe Klinge, bereit, sich freizuschneiden
Federn im Zweikampf verloren, unversehrter Blutkreislauf

am Boden liegend, mein Körper, behaftet mit der bitteren Last des Schicksals
zum Wasser gekrochen, dort seelentief reingewaschen, wieder aufgerichtet
mit ihr unser Geheimnis teilend, umgeben von geduldigem Personal
ungefragte Tablettenauszeit, erwiderte Liebe unter der Linde

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